Rogue Wave - Out of the shadow

Rogue Wave- Out of the shadow

Sub Pop / Cargo
VÖ: 06.09.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kalifornischer Zwiespalt

Dies ist die Geschichte von einem, der auszog, das Herz der Musik zu ergründen. Zach "Rogue" Schwartz heißt dieser Mensch. Dessen Leben verlief bis vor zwei Jahren in relativ geregelten Bahnen. Er lebte in San Franzisco, spielte in mehreren Bay-Area-Bands und hatte einen ungeliebten Brot-Job. Im Jahre 2002 allerdings verlor er letzteren und sah sich vor dem finanziellen Nirvana. Und wie das oft so ist bei künstlerisch begabten Menschen, war die Krise ihm Initialzündung und Katalysator für einen großartigen kreativen Output. Vom letzten Geld kaufte er sich ein One-Way-Ticket nach New York, um mit einem Freund ein bis zwei Songs aufzunehmen. Was daraus wurde, dreht sich jetzt im Abspielgerät des begeisterten Rezensenten: ein wirklich gutes Album der Abteilung Singer/Songwriter-Pop.

Normalerweise zitieren wir uns ja nur selber, aber weil's so schön ist und im Großen und Ganzen auch treffend, hier die Kurzcharakterisierung von "Out of the shadow" durch die Kollegen von Pitchfork Media: "This is the loudest quiet since Simon & Garfunkel." Womit drei Statements abgegeben sind, die alle für sich zutreffen. Zuerst einmal handelt es sich bei der Band Rogue Wave - denn Zach kam nach dem Songwriting wieder zurück nach Kalifornien, suchte drei Mitstreiter, gründete die Band und spielte das Material so ein, wie es jetzt via Sub Pop veröffentlicht wird - um durch und durch leise Gesellen. Der Stecker bleibt oft uneingestöpselt, akustische Gitarren, Percussion und Baß sind dominant, bisweilen durch Moog-Klänge unterstützt und mit einer Prise elektronischen Gefrickels abgeschmeckt. Natürlich ist das Ergebnis auch laut. Bestes Beispiel ist der Song "Kicking the heart out" - in der ersten Hälfte ein Gitarren-und-Baß-Singalong, zur Mitte wird in den Leerlauf geschaltet, um dann mit dem Einsetzen des Schlagzeugs ein tolle Dynamik zu entwickeln. Das oft fröhliche Spiel erinnert bisweilen nicht von ungefähr an Bands wie die New Pornographers oder Rilo Kiley.

Der dritte Punkt allerdings wird nicht vergessen. Rogue Wave bekommen zusätzlich zu unserem Glückwunsch für diese gelungene Platte auch den Hauptpreis im diesjährigen Simon-and-Garfunkel-Soundalike-Wettbewerb. Zach Rogues Stimme hört sich an vielen Stellen an, als wäre er Paul und Art in einer Person. Stücke wie "Be kind - remind" oder "Falcon settles me" hätten durchaus auch im Jahre 1968 auf "The sound of silence" stattfinden können. Perfekte Harmonien, erträumt melancholischer Gesang poetischer Texte, Mut zum Kitsch.

Womit wir beim durchaus ernst gemeinten Kritikpunkt wären: Die Band offenbart zwar unheimlich viel Potential, ist aber nur nur selten in der Lage, dieses auch auszuschöpfen. Da wird sich mit dem Erkennen und Zitieren des richtigen pophistorischen Kontextes zufriedengegeben, ohne dem Ganzen eine eigene Richtung zu geben. Außerdem schimmert hin und wieder eine eigenbrötlerische, unsortierte Komponente durch, die dazu führt, daß viel Schwung verloren geht. Doch es gibt berechtigten Grund zu der Hoffnung, daß "Out of the shadow" nur ein erster Schritt in eine vielversprechende Zukunft ist - an deren Ausgestaltung sich hoffentlich alle Bandmitglieder gleichberechtigt beteiligen werden.

(Joerg Utecht)

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Highlights

  • Every moment
  • Kicking the heart out
  • Perfect

Tracklist

  1. Every moment
  2. Nourishment nation
  3. Be kind - remind
  4. Seasick on land
  5. Kicking the heart out
  6. Postage stamp world
  7. Sewn up
  8. Falcon settles me
  9. Endgame
  10. Endless shovel
  11. Man-revolutionary!
  12. Perfect

Gesamtspielzeit: 36:49 min.

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