Samba - Millionen ziehen mit

Samba- Millionen ziehen mit

Blickpunkt Pop
VÖ: 24.09.1999

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Münster, Melodien und Millionen

Zwei Dinge gleich mal vorweg: 1. Samba haben rein gar nichts mit diesem Tanz zu tun, bei dem man dem/der anderen immer auf die Füße tritt und 2. Samba können einem wirklich leid tun, denn die Münsteraner Popband ist wohl eine der meistunterschätzten Combos im deutschen Raum.

Aber der Reihe nach: Anno 1995 im Zugtroß von "Tocotronic" nach oben gespült, schafften "Samba" das Kunststück, gleich mit ihrem ersten Album bei einem Major unterzukommen. Das ungestüme Debüt "Zuckerkick" verkaufte sich erstaunlich gut, der stark grunge-beeinflußte Sound schien zu gefallen. Eineinhalb Jahre später erschien der fantastische Nachfolger "T.b.a." mit den besten Songs, die Samba jemals geschrieben haben, auch die neue Platte kommt da nicht ran. Um so trauriger, daß die Verkaufszahlen des Vorgängers nicht mal annähernd erreicht wurden, was zur Folge hatte, daß sich Samba nach einem neuen Vertrag umsehen mußten. Fristlos gekündigt - gerade als das (mittlerweile zum Quartett herangewachsene) Poptrio dabei war, sich einen festen Platz in der deutschen Musikszene zu sichern.

Danach war lange Zeit Funkstille - bis jetzt. Denn nun sind Samba wieder zurück: Mit einem frischen Mann, einem neuen Label und einem neuen, in Eigenregie produziertem, Album. "Millionen ziehen mit" nennen die geschmähten Münsteraner trotzig ihr aktuelles Opus, das auf dem Münchner Label "Blickpunkt Pop" erscheint. Im Gegensatz zu den früheren Longplayern drücken Samba hier nur noch selten aufs Gaspedal - "in der Ruhe liegt die Kraft" heißt das neue Motto. Die schnellen zweiminütigen Kracher sind opulent arrangierten Midtempo-Nummern gewichen. Und das ist gut so, denn zusammen mit Orgeln, Bläsern und den Samba-typischen Ohrwurm-Melodien haben die Jungs wunderschöne Songs wie "König der Welt" oder "Entfernung" aufgenommen.

Gut sind auch die wie immer ironisch-melancholischen Texte, in denen Frontmann Knut Stenert über verlorene Lieben, Bergjournals und Abende in Techno-Clubs erzählt - und das alles ohne jemals peinlich zu klingen. Allerdings sollte man schon für so verquerte Textzeilen wie "edv sie färbt sich blau, nimmt alles in sich auf und geht dann zurück zum Bau, und atmet aus so wie John Wayne" ein offenes Ohr haben, denn sonst können Samba schnell nerven. Ich habe damit kein Problem und verleihe das Prädikat "sehr gut". Schade nur, daß wohl auch mit dem neuen Album keine Millionen von Käufern mitziehen werden. Verdient hätten es Samba allemal.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • König der Welt
  • Entfernung
  • Club Aparte
  • Fast froh

Tracklist

  1. Millionen ziehen mit
  2. Engagiert
  3. Fast froh
  4. König der Welt
  5. Mongoloider James Dean
  6. Sprengung
  7. 52 Stunden nicht geschlafen
  8. Entfernung
  9. Skateboarding is Crime
  10. Bergjournal
  11. Praktikum bei der DB
  12. Club Apart

Gesamtspielzeit: 41:09 min.

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