Queenadreena - Taxidermy

Queenadreena- Taxidermy

WEA / Warner
VÖ: 13.06.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Daisy strikes back

Noch lange bevor pubertierende Girliebands ihre "Girl Power"-Slogans verbreiten durften, entstand in den frühen Neunzigern mit Daisy Chainsaw eine recht eigenwillige Alternative-Rockband, welche selbst von Courtney Love voller Respekt zu den Pionieren der Riot-Grrrl-Bewegung gezählt wird. Mit Katie Jane Garside hatte man eine nahezu perfekte Frontfrau, die auf der Bühne das Publikum in ihren Bann zog, wie kaum eine andere. 1993 verließ Katie Jane die Band. Sie war ausgebrannt und vor dem Zusammenbruch. Vor allem litt sie daran, die Songs nicht selber geschrieben zu haben, mit denen sie nun zu Ruhm kam: "Ich konnte nicht in Worte bluten, nicht in die Texte - ich konnte nur in meiner Performance bluten. Das hieß, mich selbst zu zerstören." Katie zog sich in den englischen Lake District zurück, um mit dem Rest der Welt nichts mehr zu tun zu haben. Kaum nach London zurückgekehrt, traf sie Crispin Gray, ihren Ex-DC-Kollegen, dem sie ein Tape von "Pretty poll" vorspielte. Er war begeistert und man beschloß wieder gemeinsam Musik zu machen.

Das Ergebnis ist "Taxidermy" und beginnt irgendwo dort, wo Daisy Cainsaw aufgehört haben. Krachende Gitarren und ein energiegeladenes "Cold fish" eröffnen ein Album, welches facettenreicher nicht sein könnte. "Soda dreamer" bringt auf den Punkt, wofür Queenadreena stehen: "Rags and riches I made three wishes / I've been a bad girl and kissed the witches / I dance naked with animals / I've seen more than you ever dreamed possible" Jane macht das, worin sie nahezu unschlagbar ist, und schürt das Image der engelsgleichen Hexe. Queenadreena gelingt, was Tori Amos bereits aufgeben hat und PJ Harvey nie zur Vollendung bringen konnte. Der intensive und eindringliche Gesang von Katie trifft auf clevere Songstrukuren, bei denen es teilweise geradezu scheint, als ob Gitarren und Gesang um jeden Milimeter Raum gegeneinander kämpften.

Das bereits erwähnte "Pretty poll" erweist sich als absolutes Highlight. Ein sphärischer Song, der von der außergewöhnlichen Stimme Janes geprägt und absolut gänsehautverdächtig ist. Nahtlos in diese Phase des Albums reihen sich die folgenden Stücke wie "Madraykin" und "Hide from time" ein. Erst das kantige "Friday's child" läßt die mystischen Töne für eine Weile verklingen und erweist sich als eine gelungene Abwechslung in einem Werk, das dem Hörer jede Menge Raum zu eigenen Assoziationen läßt. Den passenden Abschluß liefern uns Queenadreena mit dem ruhigsten Song des ganzen Albums: "Weeds" erinnert stark an die frühen Werke einer Kate Bush und beläßt den Hörer noch einige Sekunden nach seinem Verklingen in seinem Bann.

Queenadreena einzuordnen ist schwer möglich. Sie verstrahlen eine gehörige Portion an Mystik, haben aber gegenüber vielen Bands, die versuchen in irgendeiner Form düster zu klingen, den Vorteil, jeder Zeit authentisch zu wirken. Das faszinierende an "Taxidermy" ist, daß es trotz seines breiten musikalischen Spektrums äußerst homogen klingt, ohne die eigenen Ideen zu wiederholen. Im Gegenteil, wer sich den Songs nicht verschließt, hat die Möglichkeit, ein wirklich faszinierendes Album zu entdecken.

(Patrick Rodeck)

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Highlights

  • Cold fish
  • Pretty Poll
  • Soda dreamer
  • Yesterday's hymn

Tracklist

  1. Cold fish
  2. Soda dreamer
  3. I adore you
  4. Yesterday's hymn
  5. Pretty poll
  6. Yemaya
  7. Madraykin
  8. X-ing off the days
  9. Hide from time
  10. Friday's child
  11. Sleepwalking
  12. Are the songs my disease
  13. Weeds

Gesamtspielzeit: 47:50 min.

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