Queens Of The Stone Age - Rated R

Queens Of The Stone Age- Rated R

Motor / Universal
VÖ: 05.06.2000

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bekiffte Königinnen, Teil zwei

Die beste Musik entsteht durch ungezwungenes Jammen. Wenn man bei der Studioarbeit zuviel Wert auf Arrangements und Instrumentierungen legt, verliert die Musik ihre Ursprünglichkeit und wird langweilig. Rock muss sich hauptsächlich im Bauch und nicht im Kopf abspielen. Josh Homme - Gitarrist, Sänger und Mastermind der Queens of the Stone Age (QotSA) - beherzigt das bereits seit Jahren. Zusammen mit Kyuss hat er - was den Spaß an der Musik anbelangt - gleich mehrere Meilensteine der jüngeren Rockgeschichte abgeliefert.

Auch die zweite Platte der Kyuss-Nachfolger QotSA macht mächtig Spaß. Aus dem oben genannten Blickwinkel hat "Rated R" sogar das Zeug zum Klassiker. Grund genug für eine Betrachtung jedes einzelnen Songs.

FEEL GOOD HIT OF THE SUMMER - Nicoteen, Valium, Kukident (?), Marihuana, Ecstasy and Alcohol. Der gesamte Text des Openers besteht aus dem Wiederholen dieser Zeile. Fragwürdige Aussage? Schlechtes Vorbild für unsere Jugend? Politisch unkorrekt? Scheiß drauf! Hier wird gerockt, was das Zeug hält. Es gibt kein Entrinnen - man muß sich einfach zu dieser Musik bewegen. Dazu gibt es auch noch ein freches Lärmsolo gratis. Klasse!

THE LOST ART OF KEEPING A SECRET - Ein poppiger (!) Song mit einem Refrain, der sofort im Ohr bleibt. Martin Barrett (Drummer der Screaming Trees und Mad Season) bedient hier ein Glockenspiel. Da auch die Gesangsharmonien ein wenig an Layne Stayley (Alice In Chains und Mad Season) erinnern, meint man, man hätte die neue Mad Season im Player.

LEG OF LAMB - Dieser Song wird vielen auf Anhieb erstmal nicht gefallen. Grund dafür dürfte die rhythmisch merkwürdig sperrig angeschlagene Gitarre sein. Hat man erstmal sich an die Rhythmik gewöhnt, fällt die wunderschöne Gesangslinie auf, die in einen catchy Refrain mündet. Beachtlich ist auch wieder das Solo von Josh Homme, das man nicht besser und passender hätte spielen können.

AUTO PILOT - Eine Mischung aus "Smile" und "Red Mosquito" von Pearl Jam's "No Code"-Album. Auch Neil Young schaut mal kurz vorbei. Solide Handwerkskunst, klingt aber insgesamt wie "schon mal gehört". Unerwartet kommt allerdings ein Break mit Akustik-Gitarren und bekifftem Hippie-Chor.

BETTER LIVING THROUGH CHEMISTRY - Mein Lieblingsstück! Dieser Song dürfte vom Songaufbau her wohl am ehesten an alte Kyuss-Zeiten erinnern. Nach 1:40 min wird der bis dahin herkömmliche Stoner-Rock-Song abgebrochen und Josh Homme darf loslegen und durch die Gegend improvisieren. Der Rest der Band unterlegt dies mit süßlichen 60er-Jahre-"Aaah"-Chorälen. Ich kann den Mittelteil mittlerweile problemlos auf der Luftgitarre mitspielen.

MONSTERS IN THE PARASOL - Als erstes fällt die Rhythmus-Gitarre auf, die während der Strophe in einer noch nie dagewesenen Penetranz einen A-Dur-Akkord schraddelt. Nach mehrmaligen Hören ist man schließlich dankbar, daß Musik auch noch so einfach funktionieren kann. Außerdem erwähneswert: Die Alice-In-Chains-artige Bridge und der wunderschöne Refrain.

QUICK AND TO THE POINTLESS - Dieses Stück klingt, als ob sich die Sex Pistols an The Sweet vergehen. Der Gesang von Basser Nick Oliveri, der übrigens auch schon zu Zeiten von "Blues for the red sun" den Kyuss-Bass zupfte, ist dermaßen abgefahren und verdient eindeutig das Prädikat "100% Gummizellen-kompatibel". Merkwürdig... aber irgendwie lustig.

IN THE FADE - Das nächste Highlight. Mark Lanegan (Screaming Trees) darf seine unvergleichlich rauhe Stimme über eine luftig groovende Strophe legen, die in einem hymnischen Refrain endet. Wie geschaffen für die zweite Singleauskoppelung.

FEEL GOOD HIT OF THE SUMMER (REPRISE) - Der Sinn von Reprises war mir noch nie so richtig klar und wird es auch dadurch nicht...

TENSION HEAD - Der härteste Song des Albums. Wieder wird die Gitarre in einer interessanten Rhythmik gequält, die dem Song einen unvergleichlichen Drive gibt. Nicht nur die Bridge und der Refrain sind dann näher an Heavy Metal, sondern auch der Gesang, der in bester Manier geshoutet wird. Geht sehr gut nach vorne los!

LIGHTNING SONG - Ein nettes kleines Hippie-Instrumental mit Akustik-Gitarren, Bongos, Tablas und Schellenkranz. Es scheint, als hätte Josh Homme auch einige Led Zeppelin-Platten bei sich im Schrank.

I THINK I LOST MY HEADACHE - Was zunächst als zäher Rocker mit nettem Refrain beginnt, endet in einer eigenartigen Kakophonie. Nach 3:30 min. wird nur noch eine Melodielinie monoton in unterschiedlicher Dynamik gespielt. Nach 5:40 min übernehmen dann diverse Blasinstrumente (!) die Gitarrenlinie und spielen in King Crimson-Manier gegeneinander an. Das war in dieser Form keinesfalls zu erwarten. Es ist eine ganz merkwürdige Faszination, die von diesem Teil ausgeht. Einerseits nerven die Blasinstrumente, andererseits traut man sich nicht, die Stoptaste zu drücken.

Plötzlich ist man am Ende angekommen. 42 Minuten liegen hinter einem, und damit eine komplette Retrospektive der Rockmusikgeschichte durch die Augen des Stoner Rocks. 42 Minuten, die einen mit der großen Frage zurücklassen, ob hier die Musik neu erfunden wird oder alles Vergangene gierig geschluckt und auf neue Weise wieder ausgespuckt wird. Sicher ist hingegen, daß sich alle kommenden Veröffentlichungen an diesem Werk messen lassen müssen und bei der Besetzung des Stoner-Rock-Olymps, auf dem Kyuss schon seit langem thronen, nun auch endgültig kein Weg mehr an ihren Nachfolgern Queens Of The Stone Age vorbeiführt.

(Matthias Allstadt)

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Highlights

  • The lost art of keeping a secret
  • Better living through chemistry
  • Monsters in the parasol
  • In the fade

Tracklist

  1. Feel good hit of the summer
  2. The lost art of keeping a secret
  3. Leg of Lamb
  4. Auto pilot
  5. Better living through chemistry
  6. Monsters in the parasol
  7. Quick and to the pointless
  8. In the fade
  9. Feel good hit of the summer (Reprise)
  10. Tension head
  11. Lightning song
  12. I think I lost my headache

Gesamtspielzeit: 42:08 min.

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User Beitrag

Vincent

Postings: 6

Registriert seit 18.10.2017

2017-10-20 14:25:41 Uhr
Rated gehört zu den Handvoll Platten, die mich komplett umgehauen haben; mehr als Songs for the deaf, die ja allgemein als die Beste gilt...Death sehe ich als direkte Weiterentwicklung zum Debut - Rated ist irgendwie anders/besonders...

Menikmati

Postings: 267

Registriert seit 25.10.2013

2017-10-20 13:48:21 Uhr
Nein, es ist schon ihre beste. Alleine die Intensität von Autopilot oder Better living through chemistry schlägt alles..Der Sprung vom Debut zu Rated R ist immens. Songs for the deaf war dann noch die logische Weiterentwicklung

Vincent

Postings: 6

Registriert seit 18.10.2017

2017-10-20 07:52:36 Uhr
Wie verschieden die Wahrnehmungen doch sind...Die ersten 3 Platten ragen bis heute heraus! Und da finde ich Rated noch am verspieltesten/experimentierfreudigsten...

whitenoise

Postings: 291

Registriert seit 17.06.2013

2017-10-19 19:34:47 Uhr
Ich finde sie ein bisschen überbewertet - sehe kaum einen großen Qualitätsunterschied zum Debüt und dafür eine umso deutlichere Steigerung bei "Songs for the Deaf". Gut ist die Platte trotzdem, keine Frage.

matinioh

Postings: 170

Registriert seit 28.09.2017

2017-10-19 17:43:06 Uhr
Bei den Queens möchte ich eigentlich gar keine Platte herausstellen, alle haben Ihre Qualitäten und sind zumeist Lichtjahre besser als die Konkurrenz ...
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