Alan Parsons - A valid path

Alan Parsons- A valid path

Eagle Rock / Edel
VÖ: 30.08.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Pfadfinder

Wenn man heutzutage einem durchschnittlichen Jung-Musikinteressierten den Namen "Alan Parsons" vorlegt, erntet man zumeist Unverständnis. Wenn man dann "Lucifer" vorspielt und viel Glück hat, ist die Reaktion dann vielleicht noch: "Ach, der ist das." Dies ist also eine Plattenkritik für die alten Säcke unter uns. Nun ist der Zielgruppe allerdings massiv der Schreck in die morschen Glieder gefahren, denn Parsons hatte im Vorfeld der Veröffentlichung angekündigt, das neue Album solle moderner klingen, und er habe erstmals mit elektronischen Beats experimentiert. Mal hören.

Atmosphärisch klingt es zunächst, ja beinahe trancig, was da aus den Boxen schallt. Doch dieses Gitarrensolo läßt einen irgendwie nicht los. In den höchsten Tönen singend, bildet es beinahe klassisch den Höhepunkt des Openers "Return to Trunguska". Und der Kenner hört nach wenigen Akkorden: Dieser Sound gehört unverkennbar zu David Gilmour. Nach mehr als 30 Jahren schließt sich hier ein Kreis, denn Parsons war es, der die bahnbrechenden Pink-Floyd-Alben "Atom heart mother" und "The dark side of the moon" mit einem für damalige Verhältnisse unfaßbaren Sound ausstattete. Die Anfangshürde wird also meisterlich genommen.

Zweiter potentieller Stolperstein: "Mammagamma 04". Wenn Künstler alte Hits recyceln, wird meistens ein Fiasko daraus. Doch sieh einer an: Aus dem wahrlich nicht schlechten Instrumental vom Album "Eye in the sky" hat Alan Parsons zusammen mit Sohnemann Jeremy eine treibende Dance-Nummer gemacht, die dem Original in nichts nachsteht, darüber hinaus aber mit böse hämmernden Beats aufwarten kann. Genau so muß eine Modernisierung klingen.

Was die Herren Parsons allerdings mit "A recurring dream within a dream" fabrizieren, ist allerdings nicht mehr lustig. Klar, der pumpende Baßlauf ist noch da, und auch Orson Welles kommt nochmal zu Wort; nur am hier eingebetteten "The raven" wird Leichenfledderei betrieben. Wer auch immer den Refrain singt (dies wird im Booklet vorsichtshalber nicht erwähnt), er hat nicht einen Bruchteil der Ausstrahlung von Leonard Whiting, der den Song 1976 für "Tales of mystery and imagination" einsang. Außerdem war der scheppernde Vocoder damals irgendwie charmanter.

Und da der Rest der Parsonsschen Kompositionen irgendwie in die Beliebigkeit abdriftet, kommt "A valid path" alles in allem nicht über soliden Durchschnitt hinaus. Beileibe nicht so ein banales Tralala wie "Try anything once", aber leider auch kein neues "I robot" oder "Tales of mystery and imagination". So wird Mr. Parsons auch diesmal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die hippe Jugend nicht erreichen. Die eingangs erwähnten alten Säcke dürften einigermaßen zufrieden sein. Und können sich das befürchtete Raufen ihrer kargen Haare sparen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Return to Trunguska
  • Mammagamma 04

Tracklist

  1. Return to Trunguska
  2. More lost without you
  3. Mammagamma 04
  4. We play the game
  5. Tijuaniac
  6. L'arc en ciel
  7. A recurring dream within a dream
  8. You can run
  9. Chomolungma

Gesamtspielzeit: 49:16 min.

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