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Scala & Kolacny Brothers - Dream on

Scala & Kolacny Brothers- Dream on

PIAS / Rough Trade
VÖ: 16.08.2004

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Chorwürmer

Seien wir ehrlich: Kinderchöre sind furchtbar, geradezu unentschuldbar. Schlimmer als in ihnen mitzusingen ist nur, ihnen zuhören zu müssen. Manche Menschen nehmen von ursprünglich gehegten Kinderwünschen Abstand, wenn ihnen aufgeht, daß mit dem Kinderkriegen auch irgendwann das Teilnehmen an musikalischen Aktivitäten einhergehen könnte. Gerade in der Popmusik haben Kinderchöre nichts zu suchen, nicht mal bei Badly Drawn Boy oder Pink Floyd. In jedem Fall sollte man sie bzw. ihre übereifrigen Chorleiter davon abhalten, sich an aktueller Popmusik oder gar den eigenen Lieblingsliedern zu vergreifen. Nicht in zweitausend Jahren wollen wir Lieder von Depeche Mode, Radiohead, Foo Fighters, Lou Reed, den Red Hot Chili Peppers oder Nine Inch Nails von einem Kinderchor intoniert hören. Warum also wirft man bitte jetzt eine CD mit exakt jenem Inhalt auf den Markt? Die Antwort ist einfach: Weil es eigentlich ganz drollig ist.

Natürlich wird sich niemand alle 19 Lieder und zwei Videos dieses 2-CD-Pakets hintereinander anhören. Aber das, was die Gebrüder Steven und Stijn Kolacny hier aus den Jugendlichen aus dem belgischen Aarschot herausholen, läßt zumindest erahnen, daß sie die zugrundeliegenden Originalversionen verstanden haben. Und so schmettern die bis zu 70 Goldkehlchen, deren eigene Plattensammlung wahrscheinlich bei Britney anfängt und bei den Venga Boys aufhört, plötzlich "Bittersweet symphony", "With or without you" und - nein, welch humorvolle Idee! - "Smells like teen spirit".

Gewiß, Depeche-Mode-Fans werden bei "Dream on" und "Somebody" allenfalls milde lächeln und Radiohead-Liebhaber bei "Exit music (for a film)" verwirrt den Kopf schütteln. Dafür dürfen moralinübersäuerte Leserbriefschreiber irritiert bis betroffen gucken, wenn belgische (!) Kinder (!!) das unzüchtige "I touch myself" (!!!) von den Divinyls intonieren. Darüber dürfen sie auch gerne mit Peter Hahne oder Jürgen Fliege reden. Für alle anderen empfiehlt es sich, einfach mal kurz Gehirn und Musiksachverstand auszuschalten und sich von den engelsgleichen Stimmen einlullen zu lassen.

Womit wir auch schon bei Rammstein wären: Bei deren "Engel" kommt glatt so etwas wie düstere Stimmung auf, und es läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken. Das nur hingehauchte "With or without you" ertrinkt leider im Klavier, dafür dürfte Dave Grohl seine helle Freude an "Walking after you" haben - ist der Foo-Fighters-Chef und Gelegenheitsarbeiter doch für seinen abseitigen Humor bekannt. Schluß mit lustig ist dann aber spätestens bei der - im wahrsten Sinne des Wortes - taktlosen "Creep"-Schändung. Die ist dann schon so fucking special, daß es wirklich wehtut.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Bittersweet symphony
  • Engel

Tracklist

  • CD 1
    1. Dream on
    2. Under the bridge
    3. Don't break my heart
    4. 21 things I want in a lover
    5. Wrong
    6. I touch myself
    7. Go where I send thee
    8. Exit music (for a film)
    9. Bittersweet symphony
    10. With or without you
    11. Walking after you
    12. Daddy I'm fine
    13. Perfect day
    14. Underneath it all
  • CD 2
    1. Engel
    2. Kein Zurück
    3. Somebody
    4. Creep (live)
    5. Smells like teen spirit (live)

Gesamtspielzeit: 70:30 min.

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