Melvins & Lustmørd - Pigs of the Roman empire

Melvins & Lustmørd- Pigs of the Roman empire

Ipecac / Southern / Soulfood
VÖ: 23.08.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Drill instructor

Melvins. Inbegriff der musikalischen Unberechenbarkeit. Eine nicht nachvollziehbare Veröffentlichungspolitik. Sagenumwobene Qualitätsschwankungen zwischen Hammerbrett und Krachscheiße. Der Band gewordene Individualismus. Es ist schwer, sich vorzustellen, daß diese Band musikalisch mit irgendjemandem kooperieren könnte, da es ja schon erstaunlich genug ist, daß Melvins an sich (sic!) noch nicht zerbrochen sind. Fantômas zählen in diesem Zusammenhang nicht. Die Zusammenarbeit zum Millennium-Konzert war in etwa so überraschend wie das Mitwirken von Chris Goss bei den Desert Sessions. Und jetzt also ein gemeinsames Album mit Lustmørd, dem Elektronik-Hexer von SPK. Zwischen die Erwartungen an diese Zusammenarbeit, die auf dem Papier schlicht die Grenzen des Vorstellbaren sprengt, mischen sich große Befürchtungen. Eigentlich kann dieses Album nur in der Unhörbar-Liga spielen kann. Melvins mit einem Elektroniker? Eben. Na gut, Augen zu, Ohren auf und durch. Mal ganz vorsichtig reinhören.

Die so geübte ängstliche Zurückhaltung schlägt schon in den ersten zehn Minuten von "Pigs of the Roman empire" in Begeisterung um. Statt des befürchteten Kriegs der Welten ertönt durchaus zugänglicher Rock - ach was: ROCK - mit einer Menge Köpfchen. Wellen aus Dampframmenriffs und teilweise synthetischen Beats schlagen an die Küsten von Inseln der Entspannung, die mit dicken elektronischen Soundteppichen belegt sind. Melvins und Lustmørd halten sich nicht mit dem Gegeneinanderstellen der These Gitarrenkrach und der Antithese Elektro-Avantgarde auf. Das hier ist die Synthese.

Kernstück von "Pigs of the Roman empire" ist der monumentale Titeltrack, der ein gelungenes "Best of both worlds" bietet. Ein deutlich über die 20-Minuten-Marke schießendes Instrumental, das bei aller Geradlinigkeit mehr als deutlich macht, daß hier keinesfalls um Anbiederung an irgendjemanden geht. Es geht um intelligente Musik, die ihren Hörer fordert. Die ihn mit erstaunlichen Erkenntnissen entlohnt. Die ihn behutsam immer tiefer in einen Strudel aus mahlenden Gitarren und Geräuschen entführt.

Immer wieder findet diese seltsame Allianz den richtigen Zeitpunkt, das genau Richtige und völlig Unerwartete zu tun. Kurz bevor Lustmørds Soundscapes im Begriff sind, das nüchterne Hirn zu überfordern, und bevor man die nächste Windung dieser verspulten Schraube, die hier lustvoll in den Schädel des Zuhörers getrieben wird, zu fürchten beginnt, krachen die Gitarren hervor und der garagenrockig geschüttelte Kopf wird wieder frei. Wunderbar frei. Setz den Bohrer noch einmal an, Meister. Treib ihn tiefer hinein. It hurts so good.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Toadi acceleratio
  • Pigs of the Roman empire
  • Safety third

Tracklist

  1. III
  2. The bloated pope
  3. Toadi acceleratio
  4. Pigs of the roman empire
  5. Pink bat
  6. Zzzz best
  7. Safety third
  8. Idolatrous apostate

Gesamtspielzeit: 59:54 min.

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