Phish - Farmhouse

Phish- Farmhouse

Elektra / Eastwest
VÖ: 22.05.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Jam vom Bauernhaus

Da liegt sie nun vor mir: Die neue Phish. Mit vor lauter Vorfreude zittrigen Fingern schnell die CD aus dem Tray geholt und in den Player gelegt und... ich höre was, was Ihr (noch) nicht hört. Sieben der Songs wurden ursprüglich für Treys erste Solotour vom Frühjahr 1999 geschrieben, bis sie dann auf "Farmhouse" ihren Weg ins Phish-Repertoire gefunden haben. Anstoß für diese Studioaufnahme war das in die Musikgeschichte eingegangene "Millennium Concert" im Big Cypress Reservat der Seminolen mitten in den Everglades von Florida. So diente diesesmal nicht die Studioarbeit als Blaupause für Liveacts, sondern es verhält sich eher umgekehrt. Auf die Liveinterpretationen von "Heavy things", "Gotta jibboo" und "Sand" darf man denn auch gespannt sein. Zum Glück gibt es, was diese Band betrifft, eine rege Trading-Gemeinde, so daß man wohl bald mit den ersten Konzertaufnahmen rechnen kann.

"Farmhouse" - hier ist der Name Programm, wurde diese CD doch in Trey Anastasios 150 Jahre alter, umgebauter Scheune in der Heimatstadt des Quartetts, Burlington, Vermont, aufgenommen. Daß dort ein sehr entspanntes Umfeld geherrscht haben muß, ist dem Album deutlich anzuhören. Ausgefeilt bis ins letzte präsentiert sich "Farmhouse", zum ersten Mal mit Trey Anastasios als Co-Produzent. Ganz besonders der Titelsong mit seinem relaxten Ohrwurmcharakter und der schmutzigen Gitarre läßt Großes erwarten. Und wirklich, mit "Bug" kommt ein weiterer Ohrschmeichler daher, bei dem sich die Band nicht auf Anhieb zu erkennen gibt. Ähnlich ist auch das absolut relaxte "Dirt" wie "Farmhouse" und "Bug", US-Charts-tauglich, ohne jedoch nach x-maligen Hören langweilig zu werden. Fetziger geriet da die Boogie-Country-Rocknummer "Back on the train". Typischer Jam-Drive mit entprechenden Gitarrenriffs erwartet uns dann bei "Heavy things". Hier werden die Phisheads auf den Konzerten wohl Abtanzen wie die Derwische. Klar als Phish erkennbar ist das hüpfende "Gotta jibboo" mit Bläserverstärkung durch Dave Grippo, James Harvey, Andy Moroz und Jennifer Hartswick. Jam vom Feinsten ist dann auch "Sand", gefolgt von "First tube", einem Kracher mit ganz vetrackten Rhythmus, immer wiederkehrendem Thema und eigentlich atypisch für Phish. Eine herrliche Akustiknummer mit Unterstützung von Béla Fleck und Jerry Douglas gibt es mit "The inlaw Josie Wales".

"Wir hatten gerade eine Tour hinter uns, haben uns einfach ein paar Leute zusammengeholt und daraus eine große Party gemacht" so Trey zu diesem Album. Muß 'ne tolle Party gewesen sein. Deadheads, Spreadheads, Schluffheads usw. kennen Phish und zählen wohl auch zu der riesigen, ständig wachsenden Fangemeinde, die der Band zu den Konzerten genauso nachpilgert wie es seinerzeit bei der Ur-Jamband Grateful Dead schon Tradition war. Auch für Nichtkenner dieser zu den besten Liveacts der Welt zählenden Band (immerhin ist wohl kaum ein anderer Act in der Lage, 75.000 Zuhörer für ein Konzert zu gewinnen) wird sich "Farmhouse" als Einstieg lohnen, denn gegenüber den Vorgängealben erschließt sich dieses Werk schon beim ersten Hören und bietet trotzdem für Fortgeschrittene immer wieder neue Aspekte bei mehrmaligem Hören.

(Ulrich Heiser)

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Highlights

  • Farmhouse
  • Bug
  • Heavy things
  • First tube

Tracklist

  1. Farmhouse
  2. Twist
  3. Bug
  4. Back on the train
  5. Heavy things
  6. Gotta jibboo
  7. Dirt
  8. Piper
  9. Sleep
  10. The inlaw Josie Wales
  11. Sand
  12. First tube

Gesamtspielzeit: 49:42 min.

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