Gibby Haynes And His Problem - Gibby Haynes And His Problem

Gibby Haynes And His Problem- Gibby Haynes And His Problem

Surfdog / Sony
VÖ: 30.08.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Problemkind

Vielleicht ist Gibby Haynes früher als Kind gehänselt worden. Vielleicht sogar wegen eines üblen Hautausschlags, wie das Albumcover zu plumper Deutung einlädt. Vielleicht ist Haynes deshalb Sänger bei den Butthole Surfers geworden. Um es den Peinigern seiner Jugendzeit zu zeigen. Berühmt werden mit etwas, das sie nicht verstehen können. Verehrt werden statt veralbert. Vielleicht macht Haynes ein Soloalbum, um über seine Probleme zu singen, statt über eine Welt, die so offenkundig verrückt ist und deren Bewohner das für ganz normal halten. Das tut er ja schon mit seiner Hauptband.

Genug spekuliert. Wenn man Haynes' Solodebüt hört, glaubt man sowieso nicht so recht daran, daß hier irgendwelche Kindheitstraumata verarbeitet werden. Das Problem, mit dem sich der Surfers-Frontmann offensichtlich herumzuschlagen hat, ist eher ein Luxus. Wohin mit den ganzen Songideen, die den Bandkollegen nicht so recht ins Weirdo-Konzept passen wollen? Was tun mit dem ganzen Zeug, das - häufig nur bei oberflächlicher Betrachtung - irgendwie zu straight für ein Butthole-Surfers-Album erscheint. Und mit Haynes' Kindheit hat das auch nur wenig zu tun, wenn man mal davon absieht, das einige der Inspirationen aus den Tiefen der Achtziger aufgetaucht sind.

An den Klängen, die den Zuhörer teils gute 20 Jahre zurückwerfen, dürfte auch Haynes' Mitstreiter an den Keyboards Augie Meyers nicht ganz unschuldig sein. Der ist nämlich schon etwas älter als die meisten seiner Kollegen und hat schon mit kühlschrankgroßen Synthesizern experimentiert, als sein Kollegen noch in die Windeln geschissen haben. Mal steuert er lustige Kirmesklänge bei, mal läßt er ausufernde Progrock-Ausflüge wie eine Wiederauferstehung ausgerechnet von Eloy klingen. Überhaupt ist es die Mischung der Songs, die hier die Verwirrung stiften, für die die Surfers in der Regel nur ein paar Minuten brauchen.

Es geht bei "Gibby Haynes And His Problem" etwas ruhiger zu, auch wenn der heftig lärmende Abschlußrocker "Redneck sex" etwas anderes behauptet. Solo wirkt Haynes Haynes konzentrierter als die letzten Werke der Surfers. Man kommt auf den Punkt, wenn auch mit jedem Song auf einen anderen. Zusammengehalten wird die Reise durch die Welt der gitarrenhaltigen Alternativmusik von Haynes' Stimme. Am Ende fragt man sich nur noch, welches Problem Herr Haynes jetzt eigentlich hat. Seine Musik ist jedenfalls keines. Eher im Gegenteil.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Stop foolin'
  • Dream machine
  • Redneck sex

Tracklist

  1. Kaiser
  2. Woo
  3. Superman
  4. Charlie
  5. Stop foolin'
  6. Letter
  7. 15000
  8. Nights
  9. I need some help
  10. Dream machine
  11. Redneck sex

Gesamtspielzeit: 43:42 min.

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