Hanalei - We are all natural disasters

Hanalei- We are all natural disasters

Thick / Southern / Soulfood
VÖ: 23.08.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wasserstandsmeldung

Flächenbrand auf der Seele. Trockenzeit im Herzen. Und ein Flugzeugabsturz in der Bauchgegend. Brian Moss ist hauptberuflich Emo-Band-Vorsteher bei The Ghost und im Nebenerwerb eine menschliche Naturkatastrophe. Also macht er was sie alle machen, die Emo-Band-Vorsteher, deren Innenleben sich im stetigen Alarmstufe-Rot-Zustand befindet: Er zieht sein eigenes, selbstvergessenes Nebenprojekt auf, staubt die alte Akustische ab und gönnt sich obendrein ein Powerbook. Laptop-Folk, Ihr wißt schon. The Postal Service und so. Weil das doofe Pseudonym bei sowas dazugehört, heißt er jetzt Hanalei. Und schon kann es losgehen. Irgendwo steht schließlich immer ein Herz in Flammen.

Weit und breit also keine kreischenden Wochentage wenn Brian Moss so dahermusiziert. Stattdessen Songs, bei denen man schon mal die Zeit vergessen kann. Solche wie das behagliche "Action drum", das sich mit dem Mauszeiger gemütlich am Rücken kratzt, bevor die Hauptband zum Refrain schreiend aus der Ferne grüßt. Aber ruhig bleiben jetzt. Moss tut es ja auch. Würgt den Song ab, beugt sich über die Gitarre und erzählt uns eine Geschichte von sich. "Some of my friends talk of having kids / But I don't cause I still am one." Das ist gut. Man mag es bloß kaum glauben, wenn er sich mit Country-Songs wie "Azna 93" übers Bäuchlein streichelt.

So etwas passiert vor allem in der zweiten Albumhalbzeit, wenn Moss zusehens das Interesse an der Elektronik verliert und sich als klassisch geschulter Songwriter profilieren will. Dabei geht er dann auch schon mal verloren zwischen Pfadfinder-Geklampfe und Schellenkranz-Geklopfe. Andererseits gelingen ihm aber auch echte Upper wie das klein gedruckte "Better days", das sich an hängenden Schultern ordentlich Hornhaut auf die Handflächen klopft. Was ja auch in Ordnung geht, so lange noch genügend Zeit bleibt, um die eigenen Wunden zu lecken. "In a basement flat in Chicago / In a bed too small for two / I hold on this beat-up six string / When I should be holding you." Vielleicht also doch. Ein Kind von Traurigkeit.

(Daniel Gerhardt)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Action drum
  • Smart means sick
  • Anza 93

Tracklist

  1. Action drum
  2. Beacon in the distance
  3. Josh and Sarah's belated wedding present
  4. Smart means sick
  5. Ashby ashes
  6. Hopeful hands
  7. Better days
  8. This is going to be the best summer ever
  9. Anza 93
  10. Derailment at six flags
  11. John Hughes endings
  12. Eulogy

Gesamtspielzeit: 48:59 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

  • Hanalei (3 Beiträge / Letzter am 23.05.2018 - 16:33 Uhr)