Clinic - Winchester Cathedral

Clinic- Winchester Cathedral

Domino / Rough Trade
VÖ: 23.08.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dom gelaufen

Ein Klavier, ein Klavier! Viel hat sich auf "Winchester Cathedral" nicht geändert. Clinic sind auch mit ihrem dritten Album reichlich weit draußen und spielen irgendwie newwavigen Disco-Kram für kaputte Kniescheiben. Aber ein Klavier gibt's, das die vier grammynominierten Liverpudel zum Beispiel für das zerschossene "Fingers" ebenso gekonnt nicht beherrschen wie all den anderen Kram. Ein wenig an der Tempodrossel haben sie übrigens auch gedreht. In eine Kirche brettert man ja auch nicht einfach so rein. Schon gar nicht mit OP-Maske vor der Fresse.

Aber fangen wir doch einfach wie Clinic mit aussetzenden Herztönen an. "Country mile" ist der typisch morbide Mantra-Stomp im Umta-umta-Zweivierteltakt. Ade Blackburn koyotet dazu in den schrägsten Nichtmelodien und verweist die obligate Wäscheklammer husch husch zurück ins Körbchen. Und stolpert bei "Circle of fifths" über die liegengebliebene Klaviatur. Dazu läßt es sich prima weinerlich nörgeln. Was ja bei Clinic besonders deswegen stets großen Spaß macht, weil sich so großartig der Hintern dazu wackeln läßt.

Was "Winchestral Cathedral" mit dem gleichnamigen Prachtbau zu tun hat, der schon durch so manchen Song mit Schmockrock geflutet wurde, bleibt glücklicherweise im gesamten Albumverlauf völlig im Dunkeln. Daran ändern auch ein beinahe beschauliches Nicht-Liebeslied für eine gewisse "Anne", ein zersägter Orient-Shuffle namens "Vertical take off in Egypt", das sehnsüchtig schunkelnde "Home" oder der röhrende Walzer "August" genau gar nichts. Clinic steht für furztrockenes Gerumpel. Da wird der OP zur Garage. Oder umgekehrt.

Doch trotz der einmal mehr erfrischend spinnerten Single "The magician", das mit rauschinduzierten Uhuhs, krummgelutschter Klarinette und völlig verhallter Surfgitarre die Nerds zappeln läßt, und dem anurinierten Buchstabensalat "WDYYB" fehlt es "Winchester Cathedral" an zwei nicht ganz unwichtigen Punkten: Die unversehens hingeschmierten Ohrwürmer sind seltener geworden, und die überraschenden Breaks, die verkniffenen Ausritte und die hyperventilierenden Umkipper hört man gleich gar nicht mehr. Und dennoch rumpel'n'rollt auch das dritte Album der englischen Quietschboys äußerst angenehm neben der Schnur. Nur nicht mehr ganz so elastisch in der Hüfte.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Country mile
  • Circle of fifths
  • The magician
  • WDYYB

Tracklist

  1. Country mile
  2. Circle of fifths
  3. Anne
  4. The magician
  5. Vertical take off in Egypt
  6. Home
  7. WDYYB
  8. The majestic #2
  9. Falstaff
  10. August
  11. Thank you (for living)
  12. Fingers

Gesamtspielzeit: 36:46 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
weird-O
2004-09-02 00:09:57 Uhr
zielstrebig - mit welchem ziel??

vielleicht mit dem ziel, den hörer genauso verwirrt zurückzulassen, wie oliver es mit seiner rezi macht ;-)
soll aber kein vorwurf sein, also daumen hoch und weiterhin viel spaß im Multiversum.
Oliver Ding
2004-09-02 00:03:56 Uhr
Egal. Was Klezmer, Blues, Art Punk, New Wave, No Wave, Disco, Techno und Psychedelia ist (meist sogar gleichzeitig), existiert ohnehin jenseits von Schubladen.
logan
2004-09-01 23:46:54 Uhr
zielstrebig - mit welchem ziel??
Oliver Ding
2004-09-01 23:42:04 Uhr
In keine. Die hüpfen nämlich zielstrebig wieder raus.
Patte
2004-09-01 13:36:56 Uhr
In welche Schublade steckt man die?
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