Uncle Kracker - Seventy two & sunny

Uncle Kracker- Seventy two & sunny

Lava / Atlantic / Warner
VÖ: 26.07.2004

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Kinder-Country

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: alles wie erwartet - nur ohne "Follow me"-Radiohit (Wir erinnern uns: Sommer 2001). Matt Shafer alias Uncle Kracker besitzt noch immer die Statur eines Fred Feuerstein, den Blick von "Feivel, der Mauswanderer". Und seine Songs verfügen, auch diese Tatsache hat sich jeglicher Weiterentwicklung verweigert, über die Originalität eines Fließband-Geschöpfes aus Huxleys Schöner Neuer Welt. Kid Rock hat bei der dritten Platte seines langjährigen DJs, wie auch schon bei dessen US-Doppel-Platin-Debüt "Double wide", den Executive Producer gegeben. Muß der Onkel mit derartigen Kollaborations-Canapés locken? Leider ja. Und es ist natürlich streitbar, ob das Leckerli denn wirklich ein Leckerli ist.

"Seventy two & sunny" beginnt mit den schönen Worten "It still feels good!", und man möchte dem Herrn Shafer, der da fröhlich aus dem Lautsprecher nölt, ein trockenes "And it's still so boring!" entgegenschleudern. Schon der Opener "This time" ist ein anstrengender Country-Rock-Stampfer, der möglicherweise bei Junggesellenabschieden in ländlichen Gegenden ankommen könnte, sodenn qualitativ minderwertige alkoholische Getränke sich zur Beihilfe bereiterklären würden. Kombiniert wird das Ganze mit magerem lyrischem Witz: "I could buy you a ring / But you'd rather have the cash / And that don't even rhyme." Es folgt "Rescue", eine, nun ja, Schunkelnummer aus Diane Warrens Kommerz-Feder, die auch "Musikantenstadl"-Anhänger nicht nachhaltig verstören würde. Was da noch zu retten ist? Gute Frage, wirklich. Denn wenn ein Stück schon mit der Zeile "I was born on the cold side of the mountain / I wanna wake up on the warm side of the bed" ("Writing it down") beginnt, dann rollt sich da ein vielbelaufener Klischee-Teppich aus, dessen Muster jeder drittklassige Country-Musiker im Schlaf knüpfen könnte.

Das kitschig-schöne Duett mit Music-Row-Star Kenny Chesney, "Last night again" (Background-Vocals von Bret "Poison" Michaels), könnte ein Hörbeispiel für das große Abschluß-Kapitel des Übungsbuches "Pretend you're from Nashville (for beginners)" sein. Wurde sogar dort aufgenommen. Und zeigt wunderbar den Unterschied zwischen einem echten Sänger dieses Genres und Uncle Kracker. Es gibt aber auch ein riesiges Plus, das man dem Onkel nicht absprechen kann: Wer musikalisch nicht so begabt ist, allerdings trotzdem gerne beim zweiten Mal Hören schon mitsingen oder, schwieriger, -pfeifen würde, ohne, daß es peinlich wird; wer in Stimmung für countryesken Rock-Pop ist und sich auch nicht an lyrischer Trivialität oder Vorhersehbarkeit von Harmonien stört, dem, ja, dem kann "Seventy two & sunny" nur allerwärmstens empfohlen werden. Aber auf wen trifft das schon zu?

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Last night again (featuring Kenny Chesney)

Tracklist

  1. This time
  2. Rescue
  3. Further down the road
  4. Don't know how (not to love you)
  5. What do we want?
  6. Writing it down
  7. A place at my table
  8. Some things you can't take back
  9. Blues man
  10. Songs about me, songs about you
  11. Please come home
  12. You're not free
  13. Last night again (featuring Kenny Chesney)

Gesamtspielzeit: 50:20 min.

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