The Flower Kings - Adam & Eve

The Flower Kings- Adam & Eve

InsideOut / SPV
VÖ: 26.07.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Blick zurück nach vorn

Eigentlich hatte ich hier vor kurzem getönt, daß der Artrock der siebziger Jahre mausetot sei. Doch die Schweden von The Flower Kings, so etwas wie die Kreativzelle der skandinavischen Prog-Szene, wollen uns eines Besseren belehren. Vor allem Mastermind Roine Stolt scheint vor Kreativität förmlich überzulaufen. Wie sonst soll es möglich sein, neben den Flower Kings auch noch seine fast 30 Jahre alte Combo Kaipa wiederzubeleben und die Allstar-Truppe Transatlantic zu veredeln?

Fürwahr brennt Stolt mit dem Opener "Love supreme" ein wahres Feuerwerk an progressiven Klängen ab. Fröhlich frickelt die Gitarre, hurtig eilen des Keyboarders Hände über die Tastatur, und während man noch die letzten Takte zu begreifen versucht, sind die Blumenkönige schon längst hinter dem nächsten Beet, äh, Break verschwunden. Atemberaubend, im positiven Sinne kopfgesteuert - thinking man's music. Hier sind Instrumentalisten am Werk, die ihr Handwerk wahrlich verstehen. Daß dieses Niveau nicht über die volle Spielzeit zu halten ist, erscheint fast als logische Konsequenz. Der ein oder andere der "kurzen" Songs wirkt entbehrlich, als Lückenfüller gar. Spannungsbögen gehen anders.

Kurze Rückblende: In den siebziger Jahren ging der Progrock mangels Atmosphäre zugrunde. Daß man diesen Fehler anno 2004 zu vermeiden imstande ist, beweist "A vampire's view": Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation) zaubert hier dank seiner einzigartigen Stimme eine Gänsehaut nach der anderen herbei. Gleichzeitig offenbart er aber auch eine Schwäche der Flower Kings: Der hauptamtliche Vokalist Hasse Fröberg ist nämlich beileibe nicht in der Lage, dieses Niveau, von Gildenlöw in knapp neun Minuten zelebriert, auch nur ansatzweise zu halten.

Auch wenn es die Klasse von "Dark matter" von IQ nicht erreichen kann, ist "Adam & Eve" doch ein Album geworden, daß bei jedem Progfan auf dem Einkaufszettel stehen muß. Der normale Musikfan sollte sich hingegen mit Bedacht an die äußerst komplexen Werke der Schweden annähern, um keine Enttäuschung zu erleben. Der Kopfhörer ist wieder einmal Pflichtausstattung. Ein Wort noch zum Artwork: Daß Männer manchmal dem Neanderthaler näher sind als dem Homo Sapiens, dürfte hinlänglich bekannt sein. Um aber Adam und Eva so zu verhunzen, als handele es sich um eine Karikatur von King Kong und der weißen Frau, bedarf es schon jeder Menge Talentarmut. Tatsache ist, daß hier das mit Abstand häßlichste Cover meiner Musiksammlung vorliegt. Gott sei Dank ist die Optik hier kein Bewertungskriterium.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Love supreme
  • A vampire's view

Tracklist

  1. Love supreme
  2. Cosmic circus
  3. Babylon
  4. A vampire's view
  5. Days gone by
  6. Adam & Eve
  7. Starlight man
  8. Timelines
  9. Driver's seat
  10. The blade of Cain

Gesamtspielzeit: 78:04 min.

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