Blue States - The soundings

Blue States- The soundings

Memphis Industries / PIAS / Rough Trade
VÖ: 19.07.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The soundtrack of our lives

Wenn Musik-Kritikern gar nichts mehr einfällt, sprechen sie gerne vom "Soundtrack zu einem ungedrehten Film". Was ausdrücken soll, daß die entsprechende Musik einfach nicht zu beschreiben sei. Dieser Stempel sagt über die Qualität der Musik hingegen gar nichts aus, könnte der Film doch der neue Kubrick (zumindest theoretisch) oder "Armageddon 2" sein. Bei der Musik von Blue States sprach man bisher auch gerne von "Soundtrack", bis Danny Boyle ankam und endlich den Film dazu drehte - wenigstens konnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man Cilian Murphy in "28 Days later" durch die menschenleeren Straßen von London stolpern sah und dazu "Season song" erklang. Dieser Höhepunkt von "Man mountain", dem zweiten Album der Ein-Mann-Band aus Memphis, paßte mit seinen Chorälen perfekt in den Film über eine menschenvernichtende Seuche.

Nun sind Blue States zurück - als Trio und fernab von Soundtrack-Klängen. Den überraschten Hörer erwarten echte Songs mit Strophe und Refrain und mit verständlichem Gesang irgendwo zwischen Morrissey, Ian Curtis und Robert Smith. Überhaupt klingt "The soundings" über weite Strecken sehr nach britischen Rockbands der frühen Achtziger - und das gar nicht mal schlecht. Der Opener "Across the wire" erinnert nicht nur mit Zeilen wie "Whatever brings you around / Don't ever lay down / Under the grey skies" an "The killing moon" oder andere Großartigkeiten von Echo & The Bunnymen. Und wenn "For a lifetime" nicht so abrupt nach 2:57 Minuten enden würde, könnte man es glatt für ein verschollen geglaubtes The-Cure-Epos handeln.

Aber natürlich muß sich die Band auch ein bißchen selbst treu bleiben. So gibt es wunderbar verspulte Instrumentalstücke wie "One night on Tulane", bei dem die einzelnen Tonspuren und Rückkopplungen nur so miteinander tanzen, während das Schlagzeug pflichtbewußt alles zusammenhält. Und mit "Final flight" empfiehlt sich die Band auch noch für den besten Liedeinsatz des Jahres: Zwischen verrauschten Walkie-Talkie-Stimmen schrauben sich Orgel, Gitarren und Schlagzeug eine Minute lang nach oben, um dann in einem - leider vergleichsweise etwas schwachen - Popsong zu münden.

Kein Regisseur der Welt könnte so viele Filme drehen, daß alle vermeintlichen Soundtrack-Stücke von Blue States darin Platz finden könnten. Allein "The soundings" liefert zehn weitere Stücke für Sonnenaufgänge, Kameraflüge und Liebesszenen. Blue States klingen wie hundert Bands und tausend Filme auf einmal. Vor allem aber klingen sie trotz (oder gerade wegen) der stilistischen Neuausrichtung gen Rock und Psychedelia eindrucksvoll wie sie selbst.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Across the wire
  • One night on Tulane
  • The last blast
  • Sad song

Tracklist

  1. Across the wire
  2. For a lifetime
  3. Ten shades
  4. One night on Tulane
  5. The last blast
  6. Output
  7. Final flight
  8. Alright today
  9. Leaning in
  10. Sad song

Gesamtspielzeit: 41:10 min.

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