The Hives - Tyrannosaurus Hives

The Hives- Tyrannosaurus Hives

Polydor / Universal
VÖ: 19.07.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das weiße Ballett

Siebeneinhalb Minuten. Der Rezensent hat eben gerade mal den Taschenrechner seines Diensthandys mit den entsprechenden Zahlen gefüttert. Und jetzt weiß er, daß die Hives seit "Veni, vidi, vicious" (AKA "Die vergessenste Platte in der Geschichte von Plattentests.de") jährlich siebeneinhalb Minuten Musik geschrieben haben. Statistisch gesehen. Tatsächlich, die Zahl ist so klein, die darf man sogar noch ausschreiben. Und das passiert einer Band, die doch eigentlich größer ist als alle anderen. Und wilder, und gewaltiger, und ... größer! Kann das? Darf das? Muß das? Wissen wir auch nicht. Aber könnte da bitte mal eben jemand drauf scheißen? Danke.

Es ist schließlich da und heißt "Tyrannosaurus Hives". Das dritte Album, das vielleicht noch ein bißchen sehnlicher erwartet wurde als all die anderen sehnlich erwarteten Alben dieses Jahr. Und schon allein für diesen Titel hat es sich gelohnt, daß irgendwann mal ein emsiger A&R-Mann auf seine Rolex getippt und die Hives von der Bühne runtergezerrt hat. Sollte wirklich jemand wissen wollen, wie es klingt, kann man ihm ja von uns ausrichten: messerwetzender Garagen-Rock, zähnefletschender Kickass-Rock'n'Roll, fleischfressender High-Speed-Punk. Wir müssen jetzt aber bei uns im Wohnzimmer erstmal alles an die Seite räumen. Weil: Heilige Maria, Mutter Gottes! Diese Platte rockt.

Die Frage ist halt: Reicht das noch mal? Können die Hives die Weltherrschaft behaupten, indem die Single "Walk idiot walk" auf bewährte Weise Leviten liest? Kann man die Leute heute noch erschrecken, wenn man ihnen mit Knalltüten wie "Missing link" die Nase begradigt? Reichen denen zwei Akkorde noch einmal fürs große Halleluja? "Tyrannosaurus Hives" schert sich nicht drum. Es konzentriert sich einfach darauf, eine vollkommen bescheuerte Rockplatte zu sein. Darin ist es verdammt gut. Und damit ist eigentlich auch alles gesagt.

Aber dann Track acht, der dreht völlig durch. Man muß sich das nur mal vorstellen: "Diabolic scheme" fährt die plötzlich Streicher auf, die klingen wie selbst gespielt. Dann haut Nicholaus Arson, ein Zuchtbulle von einem Sidekick, ein Solo raus, als wolle er sich alle Saiten vom Griffbrett reißen. Und wenn man schon denkt, es ist vorbei, macht uns Howling Pelle Almqvist noch die zwangsbejackte Variante eines Crooners. Also jetzt mal echt, hallo? Männer, das ist so bekloppt! So saubekloppt! Und Kinder! Kinder! Das ist so geil!

Also laß es raus, das Kind in Dir! Und sag uns nicht, Du bräuchtest diese Platte nicht. Irgendwann meldet Dich Dein bester Kumpel mal bei der WM im Luftgitarrespielen an. Und dann siehst Du ganz schön doof aus, wenn Du noch nie davon gehört hast, wie sich "Abra cadaver" in 90 Sekunden Piranha-like selbst auffrißt. Irgendwann wirst Du vielleicht mal ein Fluchtauto fahren. Und dann werden die Cops Dich schnappen, wenn Deine Anlage nicht gerade von "See through head" demoliert wird. Und irgendwann fragt Dich vielleicht mal einer, wieviel Ironie eigentlich auf einen Tonträger paßt. Und dann kannst Du sagen: "Ganz genau 30 Minuten."

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Abra cadaver
  • A little more for little you
  • See through head
  • Diabolic scheme

Tracklist

  1. Abra cadaver
  2. Two-timing touch and broken bones
  3. Walk idiot walk
  4. No pun intended
  5. A little more for little you
  6. B is for Brutus
  7. See through head
  8. Diabolic scheme
  9. Missing link
  10. Love in plaster
  11. Dead quote olympics
  12. Antidote

Gesamtspielzeit: 30:00 min.

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