Joanna Newsom - The milk-eyed mender

Joanna Newsom- The milk-eyed mender

Drag City / Rough Trade
VÖ: 03.05.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Folkmarie

Merkwürdige Dinge tun sich in Amerikas Wäldern. Nicht nur, daß sie ständig brennen, mancher Jäger soll zwischen Bäumen und Büschen zuletzt auch den ein oder anderen Rockstar im Zielfernrohr gehabt haben. So hat es etwa die Liars irgendwo ins Gebüsch nach Jersey verschlagen. Dort haben sie sich von bösen Hexen und schwarzen Magiern ihr neues Album komponieren lassen, mußten allerdings im Gegenzug ihren Verstand dort lassen. Die Kollegen von Phantom Planet wurden indes in einem Erdloch bei Buffalo gesichtet, wo sie eine ziemlich kreuz und quer lärmende Platte aufgenommen haben. Und um ein Haar einen Klavierstimmer ermordet hätten.

Außerdem gibt es natürlich noch Devendra Banhart, den ungekrönten König der Waldschrate. Der lebt in einer Blockhütte an einem geheimen Ort, teilt sich Erdnüsse mit zutraulichen Eichhörnchen, häkelt Jute-Säcke und schreibt jeden Tag 28 Songs, die er mit einem Kassettenrekorder aufnimmt, den er Wilson nennt. Man redet schon von einem neuen Folk-Revival. Und daran nicht ganz unbeteiligt ist auch Joanna Newsom. Die bringt dem Devendra nicht nur ab und zu eine Pizza vorbei, wenn ihm das Leben in der Wildnis mal zu sehr auf den Sack geht. Die beiden haben auch ziemlich ähnliche Vorstellungen davon, wie man als junger Songwriter heute Musik machen sollte.

Nun ist zwar nicht überliefert, ob auch Miss Newsom ihr Album im Wald aufgenommen hat. "The milk-eyed mender" aber klingt so zauberhaft elfengleich herzallerliebst, daß man sich schon ganz prima vorstellen könnte, wie sie tagelang bis tief in die Nacht in einem kleinen Lebkuchenhäuschen an ihren Songs gearbeitet hat. Wie sie ihrer Harfe immer wieder märchenhafte Melodien abgeknüpft hat. Wie sie ihre Stimme gedehnt und gefaltet hat, wie sie kindlich gedruckst, trotzig gemosert und auf einmal aufgeschrieen hat. Und wie plötzlich wieder ein Song fertig war, der eigentlich schon kein Lied mehr war. Sondern ein Gedicht. Es ist tatsächlich wie verhext.

Reduktion ist das Zauberwort zu diesem Album, auf dem niemals mehr als zwei Instrumente gleichzeitig zu hören sind. Im sturköpfigen "Inflammatory writ" oder dem alten Traditional "Three little babes" spielt Joanna Klavier. "This side of the blue" wird von Wurlitzer-Piano und Slide-Gitarre getröstet. Und das theatralische "Peach, plum, pear" mutet mit Cembalo und mysteriösem Unterwasserchor beinahe schon ausufernd an. Was all die Worte aber gar nicht sagen können, ist, was für ein unwirkliches, weltfremdes, zutiefst poetisches Album dieses "The milk-eyed mender" ist. Und daß es von einer bezaubernden 22jährigen geschrieben wurde, hatten wir auch noch gar nicht erwähnt. Wirklich gut zu wissen, daß es solche Leute heute überhaupt noch gibt.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Bridges and balloons
  • Inflammatory writ
  • Peach, plum, pear

Tracklist

  1. Bridges and balloons
  2. Sprout and the bean
  3. The book of right-on
  4. Sadie
  5. Inflammatory writ
  6. This side of the blue
  7. "En gallop"
  8. Cassiopeia
  9. Peach, plum, pear
  10. Swansea
  11. Three little babes
  12. Clam, crab, cockle, cowrie

Gesamtspielzeit: 52:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Erd_Beere_Mann
2012-06-30 01:31:42 Uhr
Mag ihre Musik. Zum Headbangen eher nicht geeignet, aber zum Abschalten und -sacken passt sie hervorragend.

2012-01-04 19:17:23 Uhr
ihr bestes album. muss nach einem jahr nochmal gesagt werden!
9/10
2011-01-15 21:36:11 Uhr
jepp
Powerbuyer
2011-01-14 13:46:58 Uhr
Gibt es das tolle Debut neu irgendwo unter 13 Euro zu erwerben (außer bei amerikanischen eBay-Kraftverkäufern mit Hunderten negativen Bewertungen im letzten Monat)?
iißß
2011-01-12 19:38:33 Uhr
marcuse
10.12.2004 - 12:44 Uhr
Ich freu mich schon auf die 10 Pumkte bei Plattentest.de


Und, 2006 gefreut?
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