Heart - Jupiters darling

Heart- Jupiters darling

Eagle / Edel
VÖ: 28.06.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wasserstillstand

Mittlerweile grenzt es ja fast an Normalität, wenn Frauen rocken. Damals in den Achtzigern, als sich Ann und Nancy Wilson mit hochtoupierten Mähnen zwischen Fleetwood Mac, Bon Jovi und den Scorpions in den Charts breitmachten, war das noch anders. Und in den Siebzigern, als Heart sich die ersten Sporen verdienten, galt Rock'n'Roll als ziemlich reine Männersache. Die Wilson-Schwestern waren Exoten, und ihre Songs forderten krachledern den verdienten Respekt ein.

Lang, lang ist's her. Songs wie "All I wanna do is make love to you" oder "Barracuda" quellen längst nicht mehr so oft aus dem Formatradio, das Folkprojekt The Lovemongers war irgendwie nicht so der rechte Bringer und als Filmmusik-Komponistin steht man auch nicht so recht im Mittelpunkt. Und dennoch führt Schwester Nancy fort, woran sie sich mit der Musik von "Almost famous" schon erinnert hatte. Der unkomplizierte Rock der Siebziger, dem sie dort stellvertreten durch die Band Stillwater die Songs auf den mageren Leib schrieb, findet sich nämlich auch auf "Jupiters darling", dem Comeback-Album von Heart nach immerhin zwölf Jahren Auszeit.

In Riffreigen wie "The oldest thing in the world" zimmern die Gitarren ordentliche Bretter zusammen. Songs wie "Make me" oder "Vainglorious" kommen mit weit weniger Lack aus als damals im Plastikzeitalter. Besonders das abgefahrene "Led to one" und der verschachtelte Groover "Down the Nile" glänzen mit einigen spinnerten Ausritten. Dazu gibt es - im Verhältnis fein austariert - reichlich sensibel angelegte Balladen als Verschnaufpausen. Kehlige Schunkler wie "No other love" oder das gepreßte "How deep it goes" nehmen zwei bis drei Gänge raus. "I need the rain" und das flockige "Things" erinnern an gar die akustischen Momente von Led Zeppelin. Selbstbewußt adaptiert, gekonnt auf den Punkt geschüttelt.

Das alles ist handwerklich ohne erkennbare Schwächen. Was auch am fachkundigen Personal liegen dürften, denn schließlich machen neben Ex-Alice-In-Chains-Basser Mike Inez und Blondie-Songschreiber Craig Bartock auch Koryphäen wie Mike McCready (Pearl Jam) und Jerry Cantrell (Alice In Chains) mit. Doch mit Leidenschaft hat "Jupiters darling" nur in Ausnahmefällen zu tun. Speziell, wenn Ann Wilson den harten Kerl geben will, winkt die Assoziationskette mit der Preßwurst. Die leicht angerauhten Arrangements machen die Songs nicht mutiger, die Rocker wirken manchmal arg haudraufig, und in mancher Ballade wartet ein wenig zuviel Kitsch. Wo alte Schlager wie "Alone" vor melodischem Zwang nur so strotzten, herrscht bei der 2004er Auflage von Heart meist gescheutes Risiko vor. Damit fügen sich Heart wunderbar ins Repertoire von Eagle Records ein, dem wohlwollenden Heim für abgehalfterte Rocker. Im Vertrauen: Altersteilzeit ist ja etwas schönes. Aber man muß nicht alles veröffentlichen, was immer noch stolz auf die Lederjacke im Schrank ist.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Things
  • I need the rain
  • Led to one

Tracklist

  1. Make me
  2. Oldest story in the world
  3. Things
  4. The perfect goodbye
  5. Enough
  6. Move on
  7. I need the rain
  8. I give up
  9. Vainglorious
  10. No other love
  11. Led to one
  12. Down the Nile
  13. I'm fine
  14. Fallen ones
  15. Lost angel
  16. Hello moonglow
  17. How deep it goes
  18. Fallen ones (Acoustic)

Gesamtspielzeit: 68:49 min.

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