Fastball - Keep your wig on

Fastball- Keep your wig on

Rykodisc / Rough Trade
VÖ: 28.06.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

St. Toupet

Achtung, Fastball ordnen an: Die Perücken auflassen! Und wie das immer so ist: Die Befehlenden halten sich selbst kein bißchen daran. Denn ihr künstliches Haupthaar sitzt ganz schön schief. Der Wind um das Fast-Nichts in Sachen Innovation weht adäquat mittelmäßig, aber ausreichend stark, um das Toupet vom kollektiven Band-Köpfchen zu pusten. Weit weg. Von Austin, Texas - das Trio hat Kalifornien, die Wiege ihres wohl dauerhaft einmalig bleibenden Hits "The way" mittlerweile verlassen - nach, sagen wir: St. Tropez. Und während das Toupet in St. Tropez cocktailschlürfend urlaubt, was zudem ein netter Kontrast zur eigentlichen Bedeutung des Albumtitels wäre ("Bleib auf dem Boden!"), wird eines ganz deutlich: die Fastballsche Gemeinschaftsglatze. Eine Art Ideenwüste. Glatt poliert. Ganz so wie ihr viertes Studioalbum, das wieder countrypoprockt und so vorhersehbar ist, wie die Antwort auf die Frage, auf welches Datum dieses Jahr wohl Weihnachten fällt.

Aber es gibt auch eine kleine Oase: "'Til I get it right", den mit Abstand besten Song der Platte. Die musikalisch interessierte Allgemeinheit würde jenen Titel frenetisch beklatschen, wenn "Libertines" draufstünde. "Libertines feat. The Coral" würde es noch etwas genauer treffen. Unter solchen Vorzeichen eine glatte Nummer Eins in den UK-Singlecharts, soviel ist sicher. Aber die Realität sieht anders aus: Tony Scalzo und seine beiden Mitmusiker haben diesen zentnerschweren Klotz des einfallslosen One-Hit-Wonders am Bein und den Stempel des Pauspapier-Songwritings auf der Glatze. Und, man muß es sagen: nicht ganz zu Unrecht. Es ist schon sehr spröde-nett-glanzlos-abgezirkelt, was sie da offerieren. Ungefähr so wie ein Perückenhaar im Vergleich zu echtem Kopfgewusel. Aber der Mensch gewöhnt sich ja an alles. Ein paar Mal gehört, erwischt man sich schon mitsummend. Bei der leicht angekitschten Americana-Nummer "Mercenary girl", bei dem an den frühen Tom Petty erinnernden "Airstream", eigentlich bei allen Titeln. Und dann hat man dauerhaftes Vergnügen beim erquicklichen Spiel "Wo sind die Hits?". Wie Ostereiersuchen, wenn man nicht genau weiß, ob der Hase überhaupt etwas versteckt hat.

Dem Majorlabel Hollywood haben Fastball platindekoriert den Rücken gekehrt und erstmals alle Songs zusammen als Band geschrieben. Mehr Herzblut, weniger Erwartungen und Druck. "Too bad I don't get my own way / Want champagne, all they got is cabernet", heißt es in "I get high" und erinnert sogar ein wenig an Randy Newman. Mehr künstlerische Freiheiten haben sie nun. Die müssen jetzt nur noch genutzt werden. Wenn es für den Champagner nicht reicht, könnte man doch unter Umständen auch an einem trefflich gebrauten Bierchen Gefallen finden. Und vielleicht finden Fastball dann auch etwas viel Wichtigeres: "The way". Raus aus der Mittelmäßigkeit.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • 'Til I get it right

Tracklist

  1. Shortwave
  2. Louie Louie
  3. Drifting away
  4. Airstream
  5. I get high
  6. Perfect world
  7. 'Til I get it right
  8. Our misunderstanding
  9. Someday
  10. Mercenary girl
  11. Falling upstairs
  12. Red light
  13. High low (bonus track)

Gesamtspielzeit: 43:32 min.

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