Emilie Simon - Emilie Simon

Emilie Simon- Emilie Simon

Barclay / Universal
VÖ: 28.06.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Quel malheur

Schon mancher Mann hat sich an einer Frau die Finger verbrannt, die ihm vordergründig naiv und ebenso unbeholfen wie -schuldig erschienen war. Welcher geübte Casanova hätte etwa Avril Lavigne nicht auf den ersten Blick für leichte Beute gehalten? Oder Natalie Portman? Und welchem schlecht vorbereiteten Rezensenten mit Neigung zum Ignorieren von CD-Tracklisten wäre nicht genau das gleiche mit Emilie Simon passiert? Wer würde nicht "Ach-wie-schön-und-so-französisch" denken, wenn sich die kleine junge Pariserin durch die ersten Songs ihres Debüts tuschelt? Und wem wäre nicht kurz darauf das Gähnen im Hals stecken geblieben? Wenn die plötzlich und einfach so zwei der größten Rocksongs aller Zeiten covert? Jedem? Tout le monde. Bien sûr.

Es sind "I wanna be your dog" von Iggy & The Stooges und "Femme fatale" von The Velvet Underground & Nico, die Emilie Simon auf ihrem selbstbenannten ersten Album verkleidet, verlangsamt und einbürgert in ihren eigenen, sehr gemächlichen, sehr französischen Schlender-Stil. Und es ist leider das pure Klischee, wie Iggy zum zögerlich angeschobenen Beat reinen Wein eingeschenkt und Lou in Zeitlupe die Baskenmütze auf den Kopf gesetzt bekommt. Sicher, dazu gehört Mut. Und ganz bestimmt auch ein kleines bißchen Unverschämtheit. Vor allem bedeutet das aber eins: Ärger. Jede Menge davon. Man stelle sich das nur mal vor: Lou Reed mit Mütze. Also bitte!

Etwaige Unterlassungsklagen von mürrischen New Yorkern sind aber nicht das Problem von "Emilie Simon", dem Album. Was den Schuh hier drückt, ist das schlichte Vorhandenseins zweier übermenschlicher Songs, welche die Platte selbst dann überschatten würden, wenn Emilie außerordentlich gut wäre. Aber das ist sie noch nicht mal, um ehrlich zu sein. Natürlich traumwandelt sie sicheren Schrittes durch frankophonen TripHop, vorbei an Harfen, Glockenspielen, Siciliana-Gitarren und pflichtbewußt kuschenden Elektro-Beats. Nur überraschen, mal einen Haken schlagen oder etwas Spitzfindiges, ja Freches, das hätte sie ein paar Mal öfter machen dürfen. So wäre ihr Album schließlich fast noch zur leichten Beute geworden. Selbst für blöde Casanovas.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Secret
  • To the dancers in the rain
  • Blue light

Tracklist

  1. Désert
  2. Lise
  3. Secret
  4. Il pleut
  5. I wanna be your dog
  6. To the dancers in the rain
  7. Dernier lit
  8. Graines d'étoiles
  9. Flowers
  10. Vu d'ici
  11. Blue light
  12. Chanson de toile
  13. Desert (English version)
  14. Femme fatale

Gesamtspielzeit: 46:23 min.

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  • Emilie Simon (12 Beiträge / Letzter am 29.11.2005 - 22:40 Uhr)