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VAST - Music for people

VAST- Music for people

Elektra / EastWest / Warner
VÖ: 18.09.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Theater aus fremder Welt

Computererzeugte Musik mit Seele zu füllen war das Kunststück, das dem One-man-Band-Projekt VAST 1998 mit "Visual audio sensory theater" gelang. Kraftvolle und gleichzeitig fragile Epen dehnten eingefahrene Soundschemata aus und verbanden zupackendes Rockriffing mit fein ziselierten Elektrobildern, während die klagenden Melodien von mitunter fast klassisch anmutenden Harmonien umschwebt wurden. Die Stimme von Jon Crosby verhallte nicht ungehört, sondern hinterließ mit "Touched" und "Pretty when you cry" gleich zwei eher unvermutete Radiohits. Der theatralische Ansatz des Debüts vermochte eine stetig wachsende Schar von Bewunderern zu faszinieren. Intensivste Texte und trotz ihrer offensichtlich elektronischen Herkunft stets organisch klingende Musik taten ihr übriges, um nicht nur Lars Ulrich (Metallica) davon sprechen zu lassen, "Visual audio sensory theater" sei "eines der besten Debütalben [...] seit langer langer Zeit". Es gab dort keine Schauspielerei, sondern Trauer, Wut und Verzweiflung, ehrliche Emotionen eben. Eine musikgewordene Depression fand den Mut zur großen musikalischen Geste.

Nach dieser Musik von Computern hebt sich jetzt der Vorhang für "Music for people". Mit "There's a place not that far from here / Where people go when their dreams have died" weist Crosby schon im öffnenden "The last one alive" den Weg. Ins Licht geht hier niemand, auch wenn sich eine deutlich luftigere Stimmung bemerkbar macht. Ein gelegentliches Aufreißen der musikalischen Wolkendecke läßt Songs wie "A better place" fast sonnig scheinen. Der Landstrich, in dem die Episoden bis hin zum geträumten Schwanengesang "Lady of dreams" inszeniert werden, ist denn auch ein anderer als noch beim Erstlingswerk. Beide jedoch stammen von der selben fremden und so merkwürdig vertrauten Welt.

"'Cause there's a man I'd like to be" heißt es in "The gates of rock 'n' roll". Crosby will diese nicht stürmen oder gar einreißen, sondern einfach nur Mensch sein; ein Mensch mit gesungenen Alpträumen zwar, aber einer, der sich auch einmal an der Friedlichkeit einer sanften Melodie erfreuen kann. Als Regisseur setzt Crosby deswegen auch diesmal bewußt auf die Stimmigkeit seiner Klangfarben und bedient sich dabei der Hilfe eines ganzen Orchesters voller Cembalos, Flöten, Celli und Posaunen. Durch deren geschickten Einsatz gewinnt seine Bühne an erstaunlicher Breite und bietet so viel Platz, die Wirkung eines neu entdeckten Grooves auf Crosbys immer noch verzweifelte Geschichten zu erhören. Diese wecken in ihren besten Momenten Erinnerungen an die fast klassisch gewordenen Klänge von etwas, das einst Waverock hieß. Dieser Eindruck aber verwischt sich in dieser Inszenierung bald wieder im gelungenen Zusammenspiel des Ensembles. Das geschmackssichere Publikum wird so auch den zweiten Akt mit freundlichem Applaus belegen.

Zum VAST-Interview-Special

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Free
  • I don't have anything
  • Land of shame
  • Song without a name

Tracklist

  1. The last one alive
  2. Free
  3. I don't have anything
  4. The gates of rock 'n' roll
  5. What else do I need
  6. Blue
  7. Land of shame
  8. A better place
  9. Song without a name
  10. We will meet again
  11. My TV and you
  12. Lady of dreams

Gesamtspielzeit: 40:30 min.

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