Petsch Moser - Die Stellen

Petsch Moser- Die Stellen

Masterplan / Cargo
VÖ: 28.06.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Petschwork

"Hallo, komm her / Ich kann Dich gut leiden." Wie freundlich. "Die Stellen" beginnt so, wie der Rhetoriker sein Gegenüber zielsicher zu umschmeicheln weiß: mit einem Kompliment. Dieses Rezept hat bereits ein Trio aus München reüssieren lassen, warum sollte der Plan nicht auch bei einem Quartett aus Wien aufgehen? Nur zu passend, daß letztere dieser Tage bei einer Handvoll Konzerte die Vorgruppe für erstere geben. Und ihr Bandname ist sogar - ebenfalls äußerst passend - ganz eng mit Sportfreundlichkeit verknüpft: Petsch Moser heißt nämlich ein berühmter schweizer Buckelpisten-Skifahrer, der es bis zum Trainerposten der Nationalmannschaft seiner Disziplin gebracht hat. Einen ähnlichen Verlauf könnte auch die Karriere-Kurve von Andreas, Christian, Lukas und Piotr nehmen - mit einem großen Unterschied: Der Namensgeber strebt ein möglichst schnelles Bergab an, die Band hat genau die andere Richtung im Visier. Und es geht voran. Langsam zwar - man musiziert bereits seit fast zehn Jahren zusammen - aber stetig.

Eins wird schnell klar: Petsch Moser brauchen keine rhetorische Taktik, um Sympathien zu gewinnen. Sie haben Worte und Töne in ihrem Indiepop-Köcher (In dem sich auch eine Mundharmonika befindet!), die gleichzeitig an der Hand nehmen und in den Hintern treten können. Baldrian und Adrenalin in Personalunion. Der Universalmotivator für den Alltag und das Audio-Brennglas für die speziellen Momente des Lebens. Überraschend ist die Präsenz eines ärztlich-funpunkigen "Liebesliedes", das nicht nur Rumgehüpfe und Mitgesinge, sondern auch eine textbedingte Mutation zum Schmunzel-Hasen rechtfertigt: "Ich lieb Dich kreuz und quer / Ich lieb Dich hin und her / Ich lieb Dich immer mehr / Ich lieb Dich sauber / Ich lieb Dich dreckig /Ich lieb Dich rund / Ich lieb Dich eckig." Und da ist noch eine Gemeinsamkeit mit den Berliner Medizinern: (fast) jeder darf mal ans Mikrofon. Bassist und Musikpädagogikstudent Piotr verleiht mit seiner Stimme dem Energiebündel "Bastard" sogar etwas Franz-Ferdinand-haftes und man denkt: Schade, daß ihm nur für diesen einen Song Leadvocals zugedacht wurden.

Die vier zaubern hundewelpenähnliche Melodien: Sie sind verspielt und haben große Pfoten - die wissen, wie das geht mit dem Besitzergreifen von Ohren und Gedächtnissen. "Autobahn" ist die traurig-schönste Ballade seit langem, in der es, Achtung: nicht um Liebe geht. Manchmal muten die Herren, man könnte auch hier den Vergleich tapsiger Kläffer bemühen, ein wenig unbeholfen an - nämlich dann, wenn es um gesangliche Qualität geht. Aber, hey, kann denn der Thees richtig...? Und ist er nicht trotzdem...? Eben. Apropos: "Fehler" könnte man im Halbschlaf durchaus für eine lupenreine Tomte-Nummer halten.

Natürlich hört man hier und da all die zusammengepuzzleten Referenzen heraus. Und ein Jahrhundertalbum ist es auch nicht. Aber eine Platte, die begleitet, die versteht, sich dabei nie in den Vordergrund drängt und gerade deswegen näher kommt als andere. Man würde diesem sympathischen Werk auch das letzte Stück Distanz schenken und dabei lächelnd sagen: "Hallo, komm her / Ich kann Dich gut leiden."

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Bastard
  • Bild von Dir
  • Autobahn

Tracklist

  1. Vogelfrei
  2. Fehler
  3. Bastard
  4. Bild von dir
  5. Autobahn
  6. Last Exit
  7. Liebeslied
  8. Lächeln
  9. Sie sagt
  10. Zusammen gehen
  11. Souvenir
  12. Bruder
  13. Vorhang

Gesamtspielzeit: 46:44 min.

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  • Petsch Moser (18 Beiträge / Letzter am 30.03.2007 - 15:12 Uhr)