Wunder - Was hält uns wach

Wunder- Was hält uns wach

WEA / Warner
VÖ: 28.06.2004

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ruhestörung

Der Verdacht lag nahe, aber er bestätigt sich zu fast keinem Zeitpunkt: Wunder sind trotz einer Frontfrau und männlichen Umfelds kein Verschnitt von Wir Sind Helden. Und doch hat der Erfolg der Helden freilich dazu beigetragen, daß Wunder einen Plattenvertrag bekommen haben. Immerhin gibt es die Band schon seit 1995. Aber erst neuerdings kann Musik mit Frauenstimme und deutschen Texten wieder reich machen. Ein blaues Wunder.

Daß Wunder aber kein billiger Abklatsch sind, bedeutet nicht, daß ihr Debütalbum "Was hält uns wach" gelungen wäre. Es ist nicht einmal passabel oder gewöhnlich, sondern schlichtweg mißlungen. Am Ende wünscht man sich, sie hätten doch schonungslos Judith Holofernes und Co. kopiert. Dann wäre wenigstens noch etwas halbwegs Anständiges herausgekommen. So aber kann sich das Quartett nur selten aus der Elektro-Rock-Falle befreien.

Wenn der Band überhaupt eine Stilnähe zu einer anderen Band nachgesagt werden kann, dann ist das unbestreitbar Rosenstolz, was aber mindestens zu zwei Dritteln auf die Stimme von Sängerin Katrin Schröder und ihre bemüht-tiefgründigen Texte zurückgeht. Wer will etwa nicht die Stereoanlage aus dem Fenster schmeißen, wenn eine Frau im Unterhemd, die ein bißchen so aussieht wie eine schwarzhaarige Paris Hilton, Zeilen haucht wie "Hat die Überdosis Gesellschaft ihr großes Werk endlich vollbracht?" oder "Ich will kein TV fakes the nation, will meine Kontrolle nicht verlieren"? Und aus der selten unpeinlichen Kategorie "Reim dich oder ich fress dich" bietet sie uns ein paar kritische Worte zum Niedergang der Gesellschaft an: "Alles tanzt in der Szene mit der Spritze in der Vene." Dabei sind Drogen vermutlich der einzige Weg, um solche Tagebuch-Plattheiten auf dem Niveau einer 16-jährigen Nirvana-Göre unbeschadet zu überstehen. Unter existentiellen Fragen macht es die Katrin, die Feierabend-Philosophin, nämlich erst überhaupt nicht.

Da steht ihr auch die Band in kaum etwas nach, denn was sie da zumeist an Stumpf-Elektro-Rock fabriziert, das klingt entweder wie Rammstein für Mädchen ("Töchter & Söhne") oder Wolfgang-Petry-Schlager auf Beats ("Alien love code"). Nur in ruhigeren Stücken wie "Freiwillig" oder "Zweiter Blick" bringen sie so etwas zustande wie Trip-Hop, ohne aber größere Aufmerksamkeit zu erzielen. Was fehlt ist letztlich das: die Melodie. Wunder sind nur erträglich, wenn ihre Songs plätschern. Selbst das geschieht äußerst selten. Und wenn man nach so etwas sucht wie einem Hit, dann könnte man vielleicht bei "Was wäre wenn" hängenbleiben. Gitarrenlastiger Pop mit Tendenz zum Unbeschwerten. Klingt nach... na? Richtig, Wir sind Helden. Oha.

(Sebastian Dalkowski)

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Highlights

  • Was wäre wenn

Tracklist

  1. Töchter & Söhne
  2. Was hält uns wach
  3. Perfekte Menschen
  4. Alien love code
  5. Wir Störung
  6. Was wäre wenn
  7. Freiwillig
  8. Zweiter Blick
  9. Kinder der Vernunft
  10. C'est la vie
  11. Ich kann nicht ohne deine Liebe sein
  12. Wenn der Mond die Sonne berührt

Gesamtspielzeit: 53:54 min.

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