Drew - Songs from the devil's chimney

Drew- Songs from the devil's chimney

Source / Labels / EMI
VÖ: 14.06.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Teufel noch eins

Fran Healy hat mal erzählt, daß es ihm mit den Jahren doch zunehmend an die Nerven gegangen sei, in jedem zweiten Interview mit "Lieber Travis!" angesprochen zu werden. Aber da war es natürlich längst zu spät, seine Band ganz groß und die Sache mit dem Namen nicht mehr zu korrigieren. Drew Kennett hingegen steht noch am Anfang und somit in der erfreulichen Position, die Fehler der Seelenverwandtschaft nicht wiederholen zu müssen. Seine Band heißt Drew, weil er auch so heißt. Und deshalb muß sich auch kein schlecht vorbereiteter Journalist vor einem bösen Gegenüber fürchten, wenn er den lieben Drew mit "Lieber Drew!" anspricht. Überhaupt: Hier muß sich niemand vor irgendetwas Bösem fürchten.

Eine eher semi-entertainende Einstiegsanekdote, zugegeben, aber mit "Songs from the devil's chimney" ist es ja auch erstmal nicht anders. Ein netter Adidas-Jacken-Kerl und sein Kumpel Paul Butler,der normalerweise zu The Bees gehört, haben ganz für sich ein paar kleine Popsongs geschrieben. Mit emsiger Folk-Gitarre, lazy Klavierbegleitung, lang gezogenen Bläsersätzen und Texten, die schon mal ohne peinliche Berührung "I don't think you know how much I love you" sagen. Da rücken wir alten Hasen, die so was natürlich längst nicht mehr aus der Reserve locken kann, unaufgeregt unsere Nickelbrillen zurecht und finden das dann doch ein wenig belanglos. Eher semi-entertainend. Aber auf uns hört ja zum Glück doch keiner.

"Songs from the devil's chimney" nämlich beansprucht die seltene, aber gern genommene Fähigkeit für sich, ein Album zu sein, das erst mit der Zeit, Schritt für Schritt und Song für Song ein richtig gutes wird. Die harmlosen Melodien des steckdosenlosen Openers "Dig deeper" lassen sich gerne beim Wachsen zuhören. Das Nick-Drake-Klavier in "Leave the fear" muß man erstmal entdecken, bevor man es gut finden kann. Und dieses plötzlich Umkippende, das "Nothing left to lose" an sich hat, ist eigentlich auch viel raffinierter, als man diesen Drew-Typen eingeschätzt hatte. Tut uns leid. Aber es ist ja noch nichts verloren. Jeder kann dieses Album mögen. Und es nicht zu tun, wäre eigentlich schon ein kleines Verbrechen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Nothing left to loose
  • Leave the fear

Tracklist

  1. Dig deeper
  2. Nothing left to loose
  3. Changing face
  4. You don't know me
  5. Say you love her
  6. Without your love
  7. Don't be denied
  8. Ok to cry
  9. Under the weather
  10. Leave the fear
  11. Goodbe for now

Gesamtspielzeit: 41:33 min.

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