Brian Wilson - Gettin' in over my head

Brian Wilson- Gettin' in over my head

Rhino / Warner
VÖ: 28.06.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Strandläufer

"I'm lying in bed / Just like Brian Wilson did", witzelten die Barenaked Ladies einst über den kreativen Kopf der Beach Boys. Kaum jemand rechnete damit, daß Wilson, der die achtziger Jahre komplett im Bett verbracht hatte, noch einmal zurückkehren würde - und erst recht nicht damit, daß er besagtes "Brian Wilson" live singen und auf Platte veröffentlichen würde. Seit seinem letzten Soloalbum sind nun auch schon wieder sechs Jahre vergangen, die er vor allem für die Aufnahme gefeierter Live-Alben nutzte. Für dieses Jahr ist noch eine Neueinspielung des legendären, unveröffentlichten Beach-Boys-Albums "Smile" geplant. Doch davor gibt es erst einmal frischen Wilson in Reinform.

So neu hört sich "Gettin' in over my head" freilich nicht an, und anderen Musikern würde man sicher böse Vorwürfe machen. Bei Wilson kann man sich, angedenk der Tatsache, daß sein Sound trotz aller persönlicher Tragödien immer noch so klingt, als habe man die Nadel 1967 vom Plattenteller gehoben und just eben wieder aufgesetzt, eigentlich nur freuen. Allen Nachwuchskünstlern, die sich auf die Surf-Attitüde der Strandjungs berufen, erteilt der Meister mal eben eine Nachhilfe-Stunde in Harmonielehre und Satzgesang - während er zeitgleich Melodien aus dem Ärmel schüttelt, für die so manch junger Musiker nicht nur seine Großmutter verkaufen würde. Und als ob das noch nicht genug wäre, hat er sich mit Elton John, Eric Clapton und Paul McCartney die so ziemlich einzigen Zeitgenossen als Duett-Partner ausgesucht, die die vergangenen Jahrzehnte weitgehend unbeschadet haben - und doch ist "Soul searchin'", welches er zusammen mit seinem verstorbenen Bruder Carl singt, das wahrscheinlich anrührendste Lied der Platte.

Trotzdem muß die Frage erlaubt sein, wer so ein Album braucht. Echte Beach-Boys-Fans zum Beispiel, auch wenn die schon tausend ähnlich klingende Lieder im Schrank haben. Vergleicht man Wilson aber nur mit seinen Duett-Partnern, so fällt auf, daß "Gettin' in over my head" die jüngsten Solo-Alben von John, Clapton und McCartney ziemlich alt aussehen läßt. Trotz aller Routine, die der Mann im Schreiben, Arrangieren und Musizieren hat, klingt die Musik frischer und spritziger als bei manchem Newcomer. Da sieht man es ihm auch mal nach, wenn er Lieder wie "Saturday morning in the city" weitgehend versemmelt - es hätten ja nicht gleich 13 Songs auf die Platte gemußt.

Immer wieder geben sich Sommerfreude und Melancholie in altbekannter "Good vibrations"-Art die Hand und lassen sich nicht mehr los. Da wird das schwungvolle "Uuuuuuuh" im Hintergrund plötzlich zum langgezogenen Seufzer, und Liebe und Angst vor Einsamkeit üben den Schulterschluß: "Don't let her know that she's touching me / I'm scared that she'll want to free." Und so kann man "Gettin' in over my head" oberflächlich als sommerliches Oldie-Revival hören, man kann aber auch unter die Oberfläche gehen und die Narben, die Drogensucht und Depressionen beim inzwischen 62-jährigen Brian Wilson hinterlassen haben, freilegen. "And all the things I've done / Come back to haunt me by and by", singt er in "Soul searchin'". Man muß aber schon ganz genau hinhören, um diese Nachdenklichkeit aus dem schwungvollen Lied heraushören zu können. He's still giving us good vibrations.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Soul searchin' (with Carl Wilson)
  • Fairy tale
  • Don't let her know she's an angel

Tracklist

  1. How could we still be dancin' (with Elton John)
  2. Soul searchin' (with Carl Wilson)
  3. You've touched me
  4. Gettin' in over my head
  5. City blues (with Eric Clapton)
  6. Desert drive
  7. A friend like you (with Paul McCartney)
  8. Make a wish
  9. Rainbow eyes
  10. Saturday morning in the city
  11. Fairy tale
  12. Don't let her know she's an angel
  13. The waltz

Gesamtspielzeit: 53:08 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
aramelus
2004-06-11 22:14:11 Uhr
Vom neuen Brian Wilson Album Gettin' in Over My Head (erscheint am 28. Juni 2004) kann man sich jetzt auf der offiziellen website(www.brianwilson.com) 4 Lieder anhören. Und zumindest der Titeltrack und the waltz hören sich doch recht vielversprechend an.
Da könnte es mit der Smile Neuaufnahme vielleicht doch keine totales Desaster werden :)
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