Broken Spindles - Fulfilled / complete

Broken Spindles- Fulfilled / complete

Saddle Creek / Indigo
VÖ: 24.05.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Spindelerregend

Ein Mitglied von The Faint zu sein, gehörte 2002 zu den besseren Dingen, die einem passieren konnten. Schließlich war man als solches nicht ganz unschuldig, wenn Menschen plötzlich wieder zu kreissägenden Punk-Gitarren tanzten und sich freiwillig an antiquitierten Synthesizern die Köpfe aufschlugen. Für Musiker mit überkochender Kreativität bleibt es aber natürlich trotzdem ein weniger gutes Ding, wenn man in einer solchen Band nur der Bassist sein darf. Auf Dauer kann einen das schließlich auch nicht auslasten. Also macht man entweder im Sommer eine Eisdiele auf, oder man nimmt Soloplatten auf. Joel Peterson ist dann doch bei letzterem geblieben.

"Fulfilled / complete" ist das zweite Mal, daß er alles alleine macht. Und wie schon beim ersten Versuch vor drei Jahren gibt es eine ganz einfache Erklärung für all die merkwürdigen Dinge, die hier vor sich gehen: Joel Petersen hat absolut keine Ahnung, was er da eigentlich tut. Eben noch baut samtkissene Wohlfühleketronik plüschgepolsterte Rolltreppen ins Nichts. Dann sprengt sich ein säuerlicher Breakbeat dazwischen und selbst in die Luft. Und wer nicht ganz genau aufpaßt, wird miterleben müssen, wie plötzlich der Laptop zuschnappt. Mit den erbeuteten Fingern schrubbt er dann eine Gitarre.

Hat Petersen die Maschinen noch im Griff? Oder ist er längst nur mehr ein unbedeutendes Zahnrad in der eigenen Matrix? Seine "Induction" jedenfalls klingt wie der Track, der aufs erste Múm-Album nicht mehr draufgepaßt hat. "Fall in and down on" legt sich seine Streichersamples in mundgerechten Stücken zurecht. Und "Italian wardrobe" peitscht die Gitarren so lange an, bis sie nahtlos in "Events & affairs" übergehen und bei der Hauptband wieder rauskommen. Keine Ahnung, ob das hier denkt, fühlt oder handelt. Aber eins ist mal sicher: es schwitzt.

Dann aber. Innehalten. Wir riechen Menschenfleisch. Beinahe unbedarft trippelt das bei Redaktionsschluß noch unentschlossene "Song no song" über ein Klavier. Wo das nun wieder herkommt? Kann man später noch rauskriegen. "Harm" baut seine Einzelteile gerade in Echtzeit zu einem Track zusammen. Und plötzlich, im abschließenden "The dream" spuckt eines der komischen Geräte den Petersen wieder aus. Ein bißchen mitgenommen sieht er aus, die Haare zerzaust, gebeutelt vom Chaos der eigenen Stilvielfalt. Der kommt heute auch auf keinen grünen Zweig mehr. Aber Hölle. Das war ein Trip.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Induction
  • Italian wardrobe
  • The dream

Tracklist

  1. Induction
  2. Fall in and down on
  3. Song no song
  4. To die, for death
  5. Move away
  6. Practice, practice, preach
  7. Italian wardrobe
  8. Events & affairs
  9. Harm
  10. The dream

Gesamtspielzeit: 32:36 min.

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