Kristofer Åström - Loupita

Kristofer Åström- Loupita

Startracks / V2 / Rough Trade
VÖ: 05.07.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Einzelkämpfer

Das Sätzchen "Das mache ich nur für mich!" erklingt nicht selten in Gesellschaft leisen Zweifels und unausgesprochener Dringlichkeit einer Rechtfertigung. Sieben Silben, die unangreifbar machen sollen und dennoch Antworten herausfordern, geradezu provozieren. Wenn eine Frau vorgibt, "nur für sich" abzunehmen, sich vom Frisör einen neuen Haarschnitt kredenzen zu lassen oder eine Boutique leerzukaufen, steckt meistens ein Mann dahinter, den es zu beeindrucken gilt. Und auch Kristofer Åström wird "Loupita" nicht ganz ohne Hintergedanken aufgenommen haben, auch wenn er ebenfalls die sieben Silben bemüht. Keine reguläre Studioplatte ist sein vierter Longplayer, sondern ein akustisches Soloalbum, innerhalb von nur vier Tagen entstanden - um, wie der Schwede erklärt, Stagnation zu vermeiden.

Akustikgitarre, Mundharmonika und Gesang sind das Fundament von "Loupita". Darauf könnte man einen soliden Prachtbau errichten. Åström präferiert jedoch eine einfache, leicht wackelige Holzhütte. Ohne Inneneinrichtung. Und die Holzmaserung sieht überall gleich aus. "Hey Kris [...] the moon won't talk to you anymore / He thinks you're such a bore", adressiert er in "Devil" an sich selbst. Und Ironie ist plötzlich, das erstaunt, nicht die am nächsten liegende Interpretationsvariante. Der Opener "Loupita #3" erinnert an eine Etüde für Gitarrenschüler: monotones Gezupfe und nach einer Weile recht anstrengend. Dennoch wäre da ganz sicher Potential gewesen, hätte man jenes Fragment in ein nettes Stück integriert. Aber für sich genommen, ist dies wahrlich nicht der Gipfel inspirierten Songwritings. Sondern vielmehr passend als eins dieser neutralen Klampfen-Intros, mit denen man oft am Beginn eines Hörbuches konfrontiert wird.

Åström klingt bisweilen wie ein Jugendherbergs-Gitarrero, der geselliges Lagerfeuer-Musizieren mit seinen Klassenkameraden geplant hatte und dann aufgrund unbekannter Umstände alleine im Mondlicht über alles, was Stirnfalten (hauptsächlich) oder Lachfältchen (hin und wieder) verursacht, melancholiert. Natürlich kann er das gut, das ist ja bekannt. Aber er kann das eigentlich noch viel, viel besser. "I collect knives" stammt aus der Feder von Mattias Friberg (Logh) und ist der beste Song der Platte. Improvisiert wirkender Minimalismus hat irgendwie schon Charme. Aber Textzeilen wie "I can't find my love / Have you seen my love?" schöpfen leider nicht Åströms lyrische Möglichkeiten aus.

Grundsätzlich hätte "Loupita" spannend und fantastisch werden können: Åström nimmt ohne technischen Schnick-Schnack (den man bei ihm ja eigentlich ohnehin vergeblich sucht) simple Stücke auf, die den Eindruck erwecken, gerade erst in diesem Moment entstanden zu sein. Sehr einfach, trotzdem schön. Aber: Eben so aufregend, wie ein Videoband mit Fußballspielen, die man schon gesehen hat. Und es fehlt leider auch ein goldener Titel, dem man gleich auf Anhieb verfällt und einen Altar bauen möchte. Die Vorfreude auf das neue, "richtige" Studioalbum zusammen mit Hidden Truck ist groß. Und das ist dann hoffentlich auch wieder explizit für uns bestimmt.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • I collect knives

Tracklist

  1. Loupita #3
  2. Devil
  3. Idiot talk
  4. The wild
  5. I am not the case
  6. Loupita #2
  7. Spinning
  8. Well go on
  9. I collect knives
  10. Walpurgis night
  11. Better with the night
  12. Loupita #1
  13. Just another lovesong

Gesamtspielzeit: 44:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
conorocko
2007-11-21 02:10:52 Uhr
oh ja, das ist es
Lebende Legende
2007-11-21 02:08:48 Uhr
boar grad eben gehört (northern blues)
Ein geniestreich
conorocko
2007-11-21 00:46:22 Uhr
northern blues ist natürlich sein bestes, keine frage. vorallem wegen you don't know how good you are
conorocko
2007-11-21 00:42:26 Uhr
die bewertung ist keinesfalls ok. eine frechheit ist die bewertung, sonst nichts. so, bin sauer und gehe jetzt mit loupita am ohr ins bett. 8/10
Pascal
2006-04-06 04:04:31 Uhr
Verstehe immer noch nicht, dass viele Kristofer Fans dieses Album nicht so sehr mögen, meiner Meinung nach ist es einfach nur herausragend gut!! Ist so ähnlich wie bei McRae, wo auch die meisten Leute die zweite Platte lieber mögen, wobei die gleichnahmige doch sowas von ein Klassiker ist.
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