Royal City - Little heart's ease

Royal City- Little heart's ease

Rough Trade / Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 07.06.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Der Himmel über Toronto

Kann es eine größere Hypothek für eine in Europa relativ unbekannte Band aus dem in den letzten Jahren mit klasse Kapellen reichlich gesegneten und auch ansonsten mindesten zweitbesten Land der Welt Kanada geben, als mit den größten musikschaffenden Landsleuten verglichen zu werden? Mal abgesehen davon, daß die überall angebotenen Referenzen wie Neil Young, Leonard Cohen oder The Band nicht unbedingt auf eine kontemporäre Klangwelt hindeuten, ist es keiner ambitionierten Band zu wünschen, in eine derart stabile Schublade (hier: Indie-Folk) gesteckt zu werden.

Nun sind Royal City zwar keine Anfänger und auch uns Plattentestern nicht völlig unbekannt. Mit ihren beiden Vorgänger-Alben wurden die Vier aus Toronto irgendwo auf der Schnittstelle zwischen gerade wieder unmodern werdendem Alternative-Country und dem immer untoten Singer/Songwriter-Folk verortet. Aber hat die Band in den letzten Jahren einen qualitativen Quantensprung gemacht? Immerhin heißen zwei ihrer Mitglieder mit Nachnamen Guthrie und Osbourne.

Um es kurz zu machen: Die Vergleiche kommen nicht von ungefähr. Musikalisch ist "Little heart's ease" absolut rückwärtsgewandt und erinnert sogar eher an Zeiten, als der Herr Young noch mit drei anderen gleichberechtigt auf der Bühne stand. Aber auch Helden des zweistimmigen Harmoniegesangs wie Simon And Garfunkel werden zitiert ("Ain't that the way"), "Enemy" hätte vor dreißig Jahren tatsächlich von Leonard Cohen geschrieben worden sein können. Inhaltlich geht es vor allen Dingen um die Liebe ("Can't you", das mit Lou Reed einen weiteren großen Namen evoziert) und um Gott ("Bring my father a gift"). Denn Sänger Aaron Riches ist ein gläubiger Mann, immerhin Doktor der Theologie, und ein Schwärmer dazu. Ganz anders als zum Beispiel sein Bruder im Geiste David Eugene Edwards von 16 Horsepower ist er kein düsterer oder drohender Prediger. Was jene an Melodramatik bemühen, wird hier luftiger, leichter, oft auch rhythmischer vorgetragen. "She will come" ist so ein Song mit gehörigem Drive und genügend Dichte, daß er fast schon auf dem Weg zum Tanzflur ist.

Denn soviel ist sicher: Retro muß nicht zwangsläufig langweilig sein. Was uns im Garagenbereich schon vor zwei, drei Jahren vor Augen geführt wurde, mag hier auch für Folk gelten. Diese fast schon reflexhafte Rückbesinnung auf Werte wie handwerkliche Perfektion, Geschichtsbewußtsein, Spielfreude und "Realness" sind bei Royal City ganz bestimmt Bestandteil der persönlichen zehn Gebote. Hohe Kunst ist das nicht. Aber richtig gute Unterhaltung.

(Joerg Utecht)

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Highlights

  • Bring my father a gift
  • My body is numbered
  • She will come

Tracklist

  1. Bring my father a gift
  2. Jerusalem
  3. She will come
  4. Count the days
  5. Can't you
  6. Cabbage rolls
  7. My body is numbered
  8. O beauty
  9. Ain't that the way
  10. That my head were a spring of water
  11. Enemy
  12. Take me down to yonder river

Gesamtspielzeit: 44:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Joerg
2004-06-21 17:10:04 Uhr
dafür ist die rezi jetzt fertig und bald (heute noch?) online.
wirklich sehr nette platte...
vilfer
2004-06-21 13:46:38 Uhr
das leben ist schon fies. spielen die doch mit sodastream irgendwo in england. und ich bin hier.
ventolin
2004-06-11 16:16:50 Uhr
@armin
Danke. Man hat dir ja sicher schon Mails geschrieben, deswegen. ;-)
Armin
2004-06-11 16:12:32 Uhr
Dochdoch. Eine Rezension ist geplant, kann aber noch etwas dauern.
ventolin
2004-06-11 13:46:45 Uhr
Hallo? Hat denn hier noch niemand was von denen gehört?
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