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Sonic Youth - Sonic nurse

Sonic Youth- Sonic nurse

Geffen / Motor / Universal
VÖ: 07.06.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Plastic surgery

Sonic Youth waren natürlich schon immer viel zu schlau, um sich vor schlichter Schönheit zu fürchten. Es ging ihnen in den letzten 23 Jahren nur meistens nicht darum. Sie wollten die Sachen so tun, wie noch keiner vorher. Gitarrenrock machen, der mit Gitarrenrock nichts mehr gemeinsam hat. Neue Dinge kreieren. Egal, ob nun aus voller Absicht heraus oder doch eher unbewußt, unbeabsichtigt. Und letztlich haben sie die Musik damit weiter gebracht, als kaum jemand sonst in den letzten zwei Jahrzehnten. Nur Songs von Sonic Youth, die man einfach "schön" nennen würde, davon gibt es trotzdem nicht besonders viele.

Wer beim Titel "Sonic nurse" nun deshalb gleich an Spritzen, Skalpelle und Seziermesserchen denkt, liegt diesmal aber falsch. Dieser Schwester geht es tatsächlich um das Wohlergehen ihrer Patienten. Und deshalb ist das 19. Album von Sonic Youth auch um Schönheit bemüht wie vielleicht keiner seiner Vorgänger. Angefangen beim bildhübschen Artwork über Jim O'Rourkes beinahe durchsichtige Produktion bis hin zu den Songs. Die sind nahe dran am letzten Album "Murray Street", noch etwas weniger krachig, und rein ästhetisch gesehen die makellosesten, die Sonic Youth je geschrieben haben.

Schon zum Auftakt mit "Pattern recognition" schreiten Kim Gordons Stimme und Thurston Moores Gitarre ungewohnt harmonisch Hand in Hand. Zwar geht der Song nach fünf höchst spannenden Minuten doch noch im Feedback-Strudel unter, aber das sollte diesmal niemanden auf die falsche Fährte locken. Die obligaten Noise-Attacken werden meist fein säuberlich an Anfang und Ende der Stücke aufgetürmt, nur selten, wie in "Dripping dream" werden die Melodien noch unmittelbar von Dissonanzen gepiesackt. Nennt es Altersmilde, oder vielleicht auch eine weitere neue Richtung. Fest steht jedenfalls: Die Songs sollen scheinen. Und diese Rechnung geht auf.

"Sonic nurse" ist natürlich immer noch weit davon entfernt, in irgendeiner Weise einfach zu sein. Es dreht sich taumelnd im Kreis, schlägt aus vollem Lauf plötzliche Haken und schert sich auch nicht groß um seine Längen. Aber gerade aus den vermeintlich einlullenden Phasen heraus entspringen diesmal die Momente von blendender Schönheit. So läßt das kurvenreiche "Stones" seine akkuraten Gitarrenmelodien nach guten sieben Minuten beinahe gemütlich ausglühen. Und was Kim Gordon da im bittersüßen "I love you golden blue" nach geduldigem Intro mit heißerer Stimme singt, ist eigentlich schon Pop. Ja genau. Pop. Aber das macht doch nichts, Kinder.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Pattern recognition
  • Stones
  • Paper cup exit
  • I love you golden blue

Tracklist

  1. Pattern recognition
  2. Unmade bed
  3. Dripping dream
  4. Kim Gordon and the Arthur Doyle hand cream
  5. Stones
  6. Dude ranch nurse
  7. New Hampshire
  8. Paper cup exit
  9. I love you golden blue
  10. Peace attack

Gesamtspielzeit: 60:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Rainer

Postings: 750

Registriert seit 22.03.2020

2020-05-01 02:07:11 Uhr
Schmecken lassen.

peppermint patty

Postings: 1906

Registriert seit 07.05.2019

2020-05-01 02:06:01 Uhr
Auch wenn ich immer noch am Rätsrln bin, wer du wirklich bist lEurodance ? ) Dir auch! Halbes Bier noch, dann ist schluss bei mir :(

Rainer

Postings: 750

Registriert seit 22.03.2020

2020-05-01 02:02:38 Uhr
Prost.

peppermint patty

Postings: 1906

Registriert seit 07.05.2019

2020-05-01 01:56:06 Uhr
Alter, ich hab schon Sonic Youth gehört, da lagst du noch in den Windeln, nur um mal die Verhältnisse klarzustellen :D

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23348

Registriert seit 07.06.2013

2020-04-30 20:21:46 Uhr
"Sonic Nurse": "Murray St." war der Übergang von der Jam/Collage-Phase zu den - ich sag mal "Pop"-SY auf "Sonic Nurse". Das hier sind eindeutig 10 Songs im klassischen Sinne, verfeinert mir der einen oder anderen Gitarren-Exkursion. Die Band ist wohl mehr als jemals zuvor an Melodien und Strukturen interessiert.
Schon eine sehr runde Sache, das Album. Hatte es vom Sound poppiger in Erinnerung, aber grad jetzt sind die Gitarren ordentlich präsent. Eine absolute Lieblingsplatte der Band wird es für mich wohl nie werden, dafür ist sie mir zu gezähmt in vielerlei Hinsicht, aber trotzdem sind offensichtlich selbst so aufgeräumte Sonic Youth im Stande, sehr gute Alben zu machen.
Hab übrigens immer gedacht, "Arthur Doyle" bezog sich auf "Sherlock Holmes"-Erfinder Arthur Conan Doyle, aber offensichtlich geht es um einen Freejazz-Typen mit dem Namen.

Highlights:
Pattern Recognition, Unmade Bed, Stones (!), I Love You Golden Blue
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