XTC - Wasp star (Apple venus, Vol. 2)

XTC- Wasp star (Apple venus, Vol. 2)

Cooking Vinyl
VÖ: 22.05.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Erwachsene Postmoderne

Manchmal hat Ärger mit der Plattenfirma doch sein Gutes. In der Zeit, in der XTC dafür streikten, aus ihrem Deal bei Virgin entlassen zu werden, staute sich im Kopf von Andy Partridge ein ganzer Bienenschwarm von Songideen an. Nicht für ein Album, gleich für einen ganzen Zyklus sollten diese Bienen reichen. Das Schwirren war gar so laut, daß man damit jetzt einen ganzen Wespenplaneten bevölkern konnte. Kein Wunder, schließlich war der erste Teil des "Apple venus"-Zirkels ein rein orchestral instrumentiertes, eher stilles Stück Kammer-Pop. Der nun erschienene zweite Teil ist die elektrische Hälfte des Apfels. Wer allerdings meint, daß sich XTC nach ihren eher rauhen Anfangstagen im Jahre 1975 die Stachel damit vollends abgestumpft hätten, sollte die Ohren öffnen.

Zwar erwartet den Hörer hier kein aufmüpfiges Rockwerk, wofür die Herren Partridge und Moulding nach 25 Jahren im Geschäft, auch viel zu clever sind. Stattdessen frickeln sie lieber an einem ganz und gar erwachsenen Pop herum, der "nicht nach Phil Collins" klingen soll. Dieses Unterfangen glückt vollends. Hier passiert Musik nicht nur, sie wird inszeniert. Während sich die Melodieverliebtheit, die schon seit den Tagen von "Making plans for Nigel" bekannt ist, allseits breitmacht, verlaufen sich in den leichtfüßigen Arrangements sanfte Streicher und blumige Trompeten. Ehe man sich versieht, laufen einem die Gitarren weg und der Groove flitzt hinterher. XTC sind immer noch deutlich raffinierter als viele ihrer Kollegen, die ungefähr zur gleichen Zeit gestartet sind. Manche Band wird wie guter Wein mit zunehmendem Alter immer besser.

"Mehr Hooks als eine Long John Silver Convention" solle das neue Album bieten. Die ersten Töne von "Playground" haben den Hörer auch schon am Haken und lassen bis zum Ende von "The wheel and the maypole" nur ganz selten los. Mit der gleichen Raffinesse, die schon das Songwriting auszeichnet, kommen die wie gewohnt anspruchsvollen und gewitzten Texte daher. "And should the devil walk up with his business card out / I'll tear it to confetti with a grin and shout / I'm stupidly happy" Der Teufel steckt nicht mehr im Detail, denn hier wird ihm rotzfrech der Garaus gemacht. Hirn statt Härte. Manch einer würde jetzt von Sophistication schwadronieren wollen, während die Kenner einfach eine weitere Runde im Popkarussell von XTC genießen und kräftig auch in diesen Apfel beißen.

(Oliver Ding)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Stupidly happy
  • We\'re all light
  • The wheel and the maypole

Tracklist

  1. Playground
  2. Stupidly happy
  3. In another life
  4. My brown guitar
  5. Boarded up
  6. I'm the man who murdered love
  7. We're all light
  8. Standing in for Joe
  9. Wounded horse
  10. You and the clouds will still be beautiful
  11. Church of women
  12. The wheel and the maypole

Gesamtspielzeit: 51:01 min.

Threads im Plattentests.de-Forum

  • XTC (51 Beiträge / Letzter am 10.12.2012 - 11:20 Uhr)