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Living Things - Black skies in broad daylight

Living Things- Black skies in broad daylight

Dreamworks / Motor / Universal
VÖ: 01.06.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Live and let die

1985, das Haus der Familie Berlin in St. Louis, Missouri. Es sieht hübsch aus von außen. Gepflegter Garten, dunkelgrüne Fensterläden, gemütliche Veranda. Aber innen drin, da brodelt es. Man merkt es gar nicht, wenn man so vor der Hütte steht, man hört höchstens mal ein dumpfes Geräusch, einen erstickten Schrei und hält es natürlich für Einbildung. Aber dann fliegt plötzlich die Tür auf. Ein zehnjähriger Junge rennt kreischend auf die Straße. An seinem Rücken hängt ein weiterer Bube, vielleicht sechs. Auch er schreit. Und nur wenige Sekunden später tritt ein drittes Kind jodelnd über die Türschwelle. Es ist höchstens drei, aber es schwenkt ein bedrohliches Nudelholz. Was ist hier los?

Nichts Besonderes eigentlich. Bloß ein gewöhnlicher Tag im Leben der Familie Berlin. Damals vor 20 Jahren, als ihre Kinder noch klein waren. Heute sind die drei Jungs natürlich größer. Aber kein bißchen erwachsen. Sie haben eine Band, retten die klassische Ramones-Frisur ins 21. Jahrhundert rüber und verspüren immerhin keinen Haß mehr aufeinander. Nein, heute verabscheuen sie einfach alles und jeden. Pauschal und aus Prinzip. Wer "Black skies in broad daylight" zum ersten Mal hört, kann eigentlich nur drei Dinge denken: Erstens: was für verfluchte Radaubrüder. Zweitens: die armen Eltern. Und drittens: heilige Scheiße.

Differenzierteres wird einem in den nächsten 6:36 Minuten auch kaum durch den Kopf gehen. Man ist nämlich viel zu sehr damit beschäftigt, ihn einzuziehen. Weil am Anfang dieser Platte die schnellste, ansatzloseste und zielsicherste Links-Rechts-Kombination seit ziemlich langer Zeit steht. "Bombs below" und "March in daylight" sind aber auch mal zwei solche Schweinebacken von einem eingesprungenen Riff-Rundumschlag, daß sich Hören und Sehen gleich freiwillig geschlagen geben. Nur für lange allerdings nicht. Leider.

Wer die ersten beiden Hürden auf "Black skies in broad daylight" nämlich erstmal genommen hat, wird sich noch früh genug darüber ärgern, nie den Van Gogh gemacht zu haben. Ist ja gut und richtig, daß die Brüder so sauer sind auf Bush und alles, was dazugehört. Aber muß man deshalb gleich den üblen Proleten-Rock machen, der hier nach dem Bilderbuch-Blitzstart so vehement um sich greift? Okay, "I owe" trifft die Kerbe noch mal ziemlich gut. Aber ein Sänger, der wenigstens ein bißchen singen kann, wäre trotzdem toll gewesen. Dann hätte sich nämlich auch gelohnt, daß die Mutter dieser Bengel wahrscheinlich schon seit Jahren hinter Schloß und Gummiriegel sitzt.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Bombs below
  • March in daylight
  • I owe

Tracklist

  1. Bombs below
  2. March in daylight
  3. End gospel
  4. New year
  5. No new Jesus
  6. I owe
  7. Born under the gun
  8. On all fours
  9. Keep it till you fold
  10. Dead deer
  11. Standard oil trust
  12. For tomorrow we die... I wish the best for you

Gesamtspielzeit: 42:38 min.

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