Graham Colton Band - Drive

Graham Colton Band- Drive

UMIS / Universal
VÖ: 01.06.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fast Food

Warum futtern täglich Horden von Menschen bei McDonald's, obwohl man nicht darüber zu diskutieren braucht, daß es gesündere Möglichkeiten der Ernährung gibt? Ein Grund ist vielleicht dieser: Da weiß man vorher schon genau, was man bekommt. Und das ist durchaus ein Argument in dieser in vielerlei Hinsicht labilen Zeit. Wer nun typischen College-Rock hören möchte, erwerbe getrost "Drive". Denn man erhält exakt das, was die Genre-Typisierung erwarten läßt: Melodien, so kompliziert wie das Einmaleins. Das kleine. Und man muß sie trotzdem mitsummen. Akkordfolgen, die so schwer zu erraten sind wie die 200-Euro-Frage bei "Wer wird Millionär?". Und sie gehen dennoch ins Ohr. Texte, die sich thematisch fast immer um ge- oder mißglückte Beziehungen drehen und noch nicht einmal den Versuch unternehmen, dabei in den metapherbestückten Lyrik-Koffer zu greifen. Aber auch ohne übermäßige Tiefgründigkeit wirken sie in ihrer harmlosen Coolness irgendwie sympathisch.

Das haben sich wahrscheinlich auch die Counting Crows, John Mayer, die Wallflowers und die Dave Matthews Band gedacht, als sie Graham Colton und seine vier Mitstreiter als Support eingeladen haben. Gerade Anfang zwanzig sind die Jungs und haben bereits eine beachtliche Konzerterfahrung. Brendan O'Brien (Pearl Jam, Incubus, Bruce Springsteen, Black Crowes) wurde mit der Produktion betraut - er ist für seine Fähigkeit, Live-Atmosphäre auf Platte zu bannen, bekannt.

Die erste Single "Give up on me" ist - wie alle Titel auf "Drive" - melodiöser Adoleszenz-Rock, ein bißchen Emo, ein bißchen druckvoll. Ein bißchen nichts Besonderes, eigentlich. Aber doch ganz schön nett und deswegen auch ein Radiohit in den USA. In "First week" wird über die Verflossene sinniert. Denkt sie noch an die erste gemeinsame Woche, wenn sie das Kleid trägt, das sie anhatte, als man sich kennengelernt hat? Hier wird nicht philosophiert, hier betritt die Normalität ungeschminkt die Bühne. "Morning light" würde sich auch als gefühlig rockende Hintergrundmusik bei "Dawson's Creek" gut machen.

Im Online-Tourtagebuch der Band wird erzählt, wer sich wo ein neues Tattoo hat stechen lassen. Und wenn man lange genug darin liest, erfährt man bestimmt auch, was Gitarrist Turtle beim letzten McDonald's-Besuch gespeist hat. Ist musikalische Kalkulierbarkeit eine Sünde? Natürlich nicht. Aber auf ausgetretenen Wegen ist es nun mal fast unmöglich, zu beeindrucken. So gefallen die fünf lediglich - solide, eingängig, gut gelaunt, sommerlich-nett und vor allem college-rockig. Aber die Überraschung in der Juniortüte, die fehlt.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • First week
  • Morning light

Tracklist

  1. Don't give up on me
  2. Since you broke it
  3. First week
  4. Morning light
  5. Sending a note
  6. Cigarette
  7. Killing me
  8. How long (breakdown)
  9. Cut
  10. South
  11. All the world tonight

Gesamtspielzeit: 43:28 min.

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