Marjorie Fair - Self help serenade

Marjorie Fair- Self help serenade

Capitol / EMI
VÖ: 01.06.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die neue Langsamkeit

Marjorie Fair ist der Name einer Rose. Diese Sorte hat sehr viele Blüten und überhaupt ausladenden Wuchs. Marjorie Fair ist aber auch der Name eines Quartetts aus L.A., dessen Sänger, Gitarrist und Songschreiber Evan Slamka ebenfalls Ausladendes züchtet: Breitwand-Melancholie in Zeitlupentempo. Episch, psychedelisch, beinahe pinkfloydesk. Harmonien so dicht, groß und beeindruckend wie die Farben eines Naturschauspiels. So langsam wie Tai-Chi-Bewegungen, aber auch genauso kraft- und wirkungsvoll. "Zerpflücke eine Rose und jedes Blatt ist schön", schrieb Brecht einst über das Analysieren von Gedichten, und er würde auch bei dieser Platte mit jener Behauptung nicht falsch liegen. Denn "Self help serenade", produziert von Rob Schnapf (Beck, The Vines, Elliott Smith) und Jon Brion (Aimee Mann, Rufus Wainwright) ist vielleicht eins der besten Debüt-Alben dieses Jahres.

Atmosphärisch-harmonische Klangwelten. Leicht wie in Slow-Motion umherwirbelnde Federn, in denen sich das Licht der aufgehenden Sonne bricht. Kitsch? Nö, trotzdem nicht. "Stare at the same things I saw before / Thinking there's something more", singt Slamka in "Stare". Und dieser Polaroid-Effekt, dieses Immer-deutlicher-Werden ist genau das, was die Stücke so reizvoll macht. Ein eigendynamischees Glitzern ist das. "Waves" wurlitzert sich charmant schwebend in die Gehörgänge und kommt da so schnell auch nicht mehr raus. Manchmal erinnert das an Air, was seit einigen Wochen zwangsläufig die Assoziation "Phoenix" hervorruft. Und da kann man doch glatt weiterspinnen - die Franzosen werden nämlich auf ihrer aktuellen Tour von Marjorie Fair supportet. Das paßt hervorragend, denn beide machen nicht bloß Musik, sondern kreieren Atmosphären, die, wie auch immer das genau geht, glücklich machen.

Marjorie Fair zu hören ist fast wie eine Wellness-Anwendung. Wer sich diese bezaubernde Scheibe auf die Ohren gibt, kann getrost darauf verzichten, Gurkenscheiben mühevoll auf dem eigenen Antlitz anzuordnen oder bei Patchoulieduft sanft durchkneten zu lassen. Hier wirkt schon allein die Musik. Und dann dieser herrlich zarte Gesang! Und dieses Westcoastsonnige! Wie eine Thrills-Single auf 33rpm. So muß ein Trip mit erstklassigen Drogen klingen. Und die einzige Nebenwirkung ist, nun ja: Abhängigkeit. Wer diese Platte einmal mag, wird nicht umhinkommen, sie fortan täglich zu hören.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Stare
  • How can you laugh
  • Waves

Tracklist

  1. Don't believe
  2. Halfway house
  3. Stare
  4. How can you laugh
  5. Waves
  6. Please don't
  7. Cracks in the wall
  8. Stand in the world
  9. Hold on to you
  10. Silver gun
  11. My sun is setting over her magic

Gesamtspielzeit: 50:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
fm1
2005-08-23 13:48:51 Uhr
Ok, einverstanden!
Giaco
2005-08-23 12:22:29 Uhr
Stimmt...aber dann dürfte man die Platte niemals anhören. Einigen wir uns auf einige Sommerlieder (Cracks in the Wall z.B. ist eines) sowie Regenlieder. (Don't believe)

Aber die CD kann man auch bei Schnee, Nebel und Kälte hören...sie verzaubert immer!
fm1
2005-08-23 12:01:17 Uhr
@Giaco: Kommt auf den Sommer an ;-)
Giaco
2005-08-23 11:00:36 Uhr
Zur Zeit grabe ich gerade Scheiben aus, die schon länger nicht mehr von mir gehört wurden. Da muss ich mich jetzt aber schon fragen, warum die "self help serenade" so lange von mir ignoriert wurde...ein tolles Album, das eine wunderbare Atmosphäre schafft. Melancholisch ist genau der richtige Ausdruck dafür...einfach Hinsetzen, aus dem Fenster schauen und den (leider mal wieder) Regen beobachten. Für mich ist die Scheibe zwar luftig leicht, aber definitiv keine Sommerbrise.
vilfer
2005-06-12 22:38:19 Uhr
bin sehr entäuscht. da habe ich wirklich was tolles erwartet. sehr briisch, lahme stimme, fast mit starsailor und konsorten zu vergleichen...
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