Maritime - Glass floor

Maritime- Glass floor

Grand Hotel Van Cleef / Indigo
VÖ: 24.05.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sail away

"I can't live my life like a pop song anymore." Er steht da im Raum wie eine Blumenvase. Jener Slogan aus "Sleep around", der neuen Nationalhymne aller Langschläfer, Murmeltiere und sonstigen Faulpelze auf dieser Welt. Aber eigentlich ist er ja gelogen. Das Leben von Davey von Bohlen, es ist schließlich längst ein einziger Drei-Minuten-Popsong. Ein stetes Schwelgen zwischen Strophe, Bridge und Chorus, mit halbgeschlossenen Augen bei moderaten 22 Grad im Schatten. Kein guter Mensch könnte es ohne all diesen Kram länger als ein Jahr aushalten. Und Davey van Bohlen ist ein guter Mensch. Das muß man ja niemandem erzählen.

Also hat es nach dem Ende von The Promise Ring keine zwölf Monate gedauert, bis er seine neue Band formiert und seine neuen Popsongs geschrieben hatte. Dan Didier, der alte Weggefährte, sitzt wieder hinterm Schlagzeug. Eric Axelson, zuvor bei den ebenfalls aufgelösten The Dismemberment Plan, steht hinterm Baß. Und alle zusammen klingen sie dann, als hätte man The Promise Ring den Babyspeck weggeschnitten. Keine jubelnden Kinderchöre mehr, kein begeistertes In-die-Hände-klatschen, einfach nur Songs. Gitarre, Baß, Schlagzeug. Fertig. Na gut, ein paar Bläser noch. Und Streicher. Und Klavier. Aber dann ist gut.

Wenn Davey von Bohlen sich Musik ausdenkt, ist das wie mit einer Tafel Schokolade, von der man wider besseren Wissens und Willens nicht die Finger lassen kann. Hier muß nun doch noch ein Klavier klimpern, dort eine Geige vibrieren und wenn ein richtiger "Hände-hoch"-Refrain nicht von kurzatmigen Bläsern angefeuert wird, ist er sowieso nur die Hälfte wert. Also fliegen die blechernen Fetzen, wenn "Adios" direkt aus einer Trompete heraus in den Himmel geschossen wird. Deshalb tänzelt eine Hand über schwarzen und weißen Tasten, wenn sich "Souvenirs" geistesvergessen bei einem Klavierkasten einhakt. Und darum ist man plötzlich umzingelt von Streichern, wenn "I'm not afraid" sich selbst in den Schlaf wiegt.

Davey von Bohlen ist und bleibt eben ein überzeugter Wiederholungstäter. Und das wäre ja auch nicht schlimm, wenn er immer mit dem Folk im Arm bei entkleideten Schmuckstückchen wie "The window is the door" rauskäme. Oft ist das Album nahe dran an der Grenze zur Langeweile, manchmal knapp drüber weg und dann mit zähen Balladen wie "King of doves" gar enteilt bis außer Sichtweite. Aber wir warten natürlich trotzdem, bis es zurückkommt. Mit "Humanbeings" und einem versöhnlichen Ende. "I wouldn't care / If we never breathe again." Manchmal ist es ja wirklich so.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The window is the door
  • Sleep around

Tracklist

  1. The window is the door
  2. Sleep around
  3. Someone has to die
  4. King of doves
  5. We've got to get out
  6. James
  7. A night like this
  8. Souvenirs
  9. Adios
  10. I'm not afraid
  11. If all my days go by
  12. Lights
  13. Humanbeings

Gesamtspielzeit: 45:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
stevy
2013-05-20 02:31:38 Uhr
mögt ihrs auch noch?
stevy
2013-05-19 03:06:41 Uhr
oh.....
merk grad das zwischen meinem posting u dem letzten 8,5 years liegen.

oh mann.
die zeit.
wahnsinn, oder?
stevy
2013-05-19 03:05:31 Uhr
immer noch TOLL!!
habs mir grad auf den mp3player getan von meiner CD.
für den night-walk gleich und die tage demnächst.

mögt ihrs auch noch?
konzertin
2004-09-14 13:42:28 Uhr
ein witz? snailhouse hatte aber ziemlich viele alben da liegen für einen witz oder ist maritime neu?

die australische version von maritime sind aufjedenfall the lucksmiths, lied 6 könnte glatt von denen sein.
bartel (d.E.)
2004-09-14 09:35:39 Uhr
@konzertin:

Das ist wohl auch eher eine Art bandinterner Witz. Maritime kommen ja auch mitnichten aus Kanada (wie vermeintlich Snailhouse). Ich fand das eigentlich ganz originell.

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