Sivert Høyem - Ladies and gentlemen of the opposition

Sivert Høyem- Ladies and gentlemen of the opposition

Virgin / EMI
VÖ: 01.06.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Sonnenaufgangsstimmung

Wofür Rockmusik alles gut ist. Da steht man kurz vor der Übergabe der Nacht an den Tag schwer verliebt neben einer bezaubernden Spanischstudentin, um ganz lässig im Überschwang der Gefühle die Vokabel "Madrugada" aus dem Ärmel zu schütteln. Sie kann ja nicht wissen, das mein gefährliches Halbwissen nicht etwa auf meine fundierte Kenntnis des Spanischen, sondern nur wieder auf das bescheuerte Faible für Rockmusik zurückzuführen ist. Und daß ich bei "Madrugada" zunächst an norwegische Rockmusik und erst in zweiter Instanz an "Morgenröte" in Spanien denke.

Schon paradox: Da muß Sivert Høyem seine wohlvertrauten Bandkumpanen von Madrugada erst auf Zeit den Rücken zukehren, um für alle Fans der norwegischen Dunkelmänner die Sonne wieder aufgehen zu lassen. Da tauschte man mit dem eher scheppernden "Grit" norwegische Tristesse gegen Berliner Noblesse und wollte auf den rollenden Rockzug springen. Doch das mißlang. Und "Ladies and gentlemen of the opposition" ist nun das Solodebüt des Madrugada-Sängers. Endlich schwebt wieder jene trunkene Sehnsucht über den Songs. Nun wabern wieder die Orgeln im Hintergrund, und diese dunkle Gitarre spielt sich wieder schwebend durch einen jeden Song. Ein wenig mehr Folk, ein wenig mehr diskretes Rumpeln, alles produziert in Peter Gabriels Real-World-Studios. Sivert Høyem hat die Stooges-Sammlung zurück in den Plattenschrank gestellt und die Doors-Alben wieder rausgeholt. Gut so.

Eine Idee am Rande: Wie wäre es, wenn die CDU gemäß dem Plattentitel "Ladies and gentlemen of the opposition" Sivert Høyem auf Dorfwahlkämpfen einsetzte? Doch natürlich gibt es keine Schäferstündchen mit Angie, denn der "dark man" der skandinavischen Rockmusik hatte anderes im Sinn, als er sein neues Album schrieb. Alte Madrugada-Zeiten vermutlich. Und so klingt der Einstieg vertraut. Wie beim "The nightly disease"-Opener "Black mambo" wird zunächst einmal ein dunkler Baß gezupft. Doch dann ist da mehr: ein wenig Country wie bei "Blue box" und ein bißchen Blues in "Be for real". Man hört das Feuer fast knistern, an dem sich Høyem diese Musik ausgedacht hat. In "Far from here" oder "Song for Cornelius" nagt ihm Norwegen an der Seele. Mit "Smalltown supersound" gelingt ihm eine kleine Trinkerhymne für das Gröhlen auf dem Weg nach Hause. Mittendrin wartet "Ladyfriend". Eine musikalische Liebeserklärung mit einer Über-Länge von 6:20 Minuten. Zeit genug, um die Sonne aufgehen zu lassen.

(Sebastian Peters)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Song for Cornelis
  • Ladyfriend

Tracklist

  1. Northwind
  2. Be for real
  3. Smalltown supersound
  4. Far from here
  5. Song for Cornelis
  6. Black box
  7. Ladyfriend
  8. What's wrong with you
  9. First day of summersaults
  10. Woman
  11. Slow blues/Let it all hang out now
  12. Theme from Bambi

Gesamtspielzeit: 47:53 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify