Campus - Popular music

Campus- Popular music

Redwinetunes / PIAS / Rough Trade
VÖ: 03.05.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Erstsemester

Campus haben Selbstbewußtsein. Sie verpassen ihrem nach kaum einem Jahr Bandgeschichte entstandenen Debüt gleich eigenhändig den Stempel "Popular music". Hybris oder prophylaktische Verteidigung, falls jemand feststellen könnte, man sei ja gar nicht so Indie? Um dann sagen zu können: "Ja und, wir sind ja auch Pop"? Adorno philosophierte einmal darüber, daß Popsongs - er nannte das damals noch Schlager - latente oder offene Bedürfnislagen des Publikums treffen müßten, um erfolgreich zu sein. So abwegig erscheint das gar nicht: Das ganze Marketingkonzept des Quintetts aus dem Dunstkreis von Sportfreunde-Stiller-Manager, Blickpunkt-Pop-Labelchef und Atomic-Papst Marc Liebscher basiert auf dem Slogan "You are welcome". Ein psychologisch geschickter Schachzug. Aber auch ein wenig transparent, ebenso wie die Vorbilder, denen man nacheifert.

Im Intro zu "Circumstances" wird pophistorisch geglänzt und der über die Prä-Beatles-Zeit redende John Lennon mit Martin-Luther-King-Stimme zitiert: "I had a group, I was the singer and the leader." Ohne Zweifel ein Top-5-Kandidat für die US-College-Radios. Allerdings wird man den Eindruck nicht los, die Münchener hätten Robert Smith für die Bridge engagiert. Sänger Andy hat sie drauf, die perfekte Imitation. Vor 15 Jahren hätte man gesagt: Geht doch zu Rudi Carrell auf die Showbühne. Heute heißt es: Supportet doch die Sportfreunde. Und deren Fans waren begeistert. "Neverending day" beginnt wie ein Placebo-Klon und mündet in Kirmes-Verve-Vocals à la Bananafishbones. Coldplay-Gitarren-Geplänkel befindet sich ebenfalls im Angebot. In All-you-can-eat-Portionen. Melodien, die im Kopf bleiben, aber oft nicht im Herz. Leider. Dabei haben doch Kettcar schon gewußt: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. So meinte es denn die glatte und opulente Produktion sicherlich gut, nimmt den Stücken jedoch das Potential an Tiefe, das vielleicht möglich gewesen wäre. Streicher machen eben noch keine Hymne. Und Zeilen wie "The doors are open for us / Tonight, today and forever" es nicht besser.

In den richtig guten Momenten denkt man an Nova International und Kris von jener Augsburger Band greift bei dem gemächlichen, ein wenig an den Thrillsschen Westcoast-Pop erinnernden "Pentagon" auch in die Tasten. Herrlich zum Entspannen. Oder gute Filmmusik. Aber isoliert betrachtet etwas unaufregend. "You are welcome" bedient sich im Refrain großzügig beim New-Order-Sound. Campus bewegen sich zwischen Referenzinspiriertem und Durchschnittspop, mit gelegentlicher Tendenz zu Höherem. Aber vielleicht ist das ja auch okay, denn Erstsemester müssen sich doch erstmal orientieren. Und immerhin: Die Fünf haben nicht nur das Booklet-Artwork und ihre Homepage gestaltet, sondern auch selbst produziert. Daß die Platte mit einem jubelnden Publikum endet, nun ja. Will man einen Witz machen? Sich Mut machen? Oder einfach nur auf sich aufmerksam machen? Diese Frage bleibt offen. Aber man kann "Popular music" getrost mit an den See nehmen, mitsingen, Spaß haben. Gibt man den Songs von Campus ein paar persönliche Assoziationen und Erinnerungen, könnte das eine gute Symbiose für den unifreien Sommer werden. Und vielleicht doch den Weg vom Kopf ins Herz finden.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Circumstances

Tracklist

  1. Well, you know this time
  2. Circumstances
  3. Satellites
  4. Pentagon
  5. You are welcome
  6. Neverending day
  7. The things we used to do
  8. Don't kill me if you don't have to
  9. American song
  10. Please not me
  11. See you in the dark

Gesamtspielzeit: 45:29 min.

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