The Figurines - Shake a mountain

The Figurines- Shake a mountain

Morningside / Pop-U-Loud / PIAS / Rough Trade
VÖ: 10.05.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Crooked rain

Soeben wurde es wieder 1994. Zwei juchzende Sechssaiter taumeln umeinander, scheinbar gespielt mit der musikalischen Entsprechung des Ein-Finger-Suchsystems an der Tastatur. Und doch geht kein Ton ziellos daneben. Jeder zufällige Mißklang ist hier wohlgesetzt, jedes An-der-Tonart-vorbei-Gesinge grinst vor lauter Absicht. Die Melodien offensiv neben der Schnur, sonnig im Sinn und handfest im Schritt. Und schon wird man ganz nostalgisch. Denn so, wie hier die Gitarren perlen, klang es doch schon damals, als das Selbstmitleid wieder den Therapeuten überlassen wurde und die Holzfällerhemden zurück in die Altkleidersammlung wanderten. Und da sich jene Namen sowieso in jeder Rezension von "Shake a mountain" lesen lassen, gibt's sie gleich hier en block: Pavement, Built To Spill, Modest Mouse. Die Guten. Doch die Figurines sind keine Bannerträger des amerikanischen Indietums. Sie sind Dänen.

Und was für welche! Fernab von skandinavischem Gerotze lassen die Vier die Sonne steigen und begrüßen den Frühling mit schrulligen Harmonien. Christian Hjelms lustvolles Quäken überfällt einen schon im Opener "Divided by the shore", daß es eine Freude ist. Und die anderen zehn Tracks des eigentlichen Debütalbums - 1999 erschien in Dänemark eine Sammlung von herumliegendem LoFi-Kram - stehen dem in nichts nach. Das bittersüß davonflitzende "Debate because it's over", das glücklich unglückliche "Follow the pioneers" oder der zuckende Zwiegesang von "The danger". Die großartige Single "Bright" oder das aufmunternde "Whatever you found". Sie alle schwelgen in der eigenen Lust an der Melodie und fummeln mit der gleichen Hingabe, mit der wie andere Leute ihre Pickel ausdrücken, lustig-luftige Löcher in die Arrangements.

Hjelms Stimmbänder kauen fleißig Kaugummi, während die beiden Gitarren angenehm wacklig und doch kristallklar durch die Luft flirren. Originell ist das natürlich alles nicht ansatzweise. Aber so herrlich unverfroren und aprilfrisch, daß man die Platte auf der Stelle in sein Herz schließen will. Selbst das Lispeln klaut Hjelm bei Isaac Brock von Modest Mouse. Und die haben mit "Good news for people who love bad news" immerhin die Platte des Jahres aufgenommen. Hätten Cabrio-Fahrer Musikgeschmack, würden nicht mehr bollernde Bässe die Ampelpausen beschallen. Sondern die tirilierende Glückseligkeit von "Shake a mountain".

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Divided by the shore
  • Follow the pioneers
  • Bright
  • The danger

Tracklist

  1. Divided by the shore
  2. Debate because it's over
  3. Follow the pioneers
  4. Hold the flank
  5. Bright
  6. The danger
  7. Whatever you found
  8. Shake a mountain
  9. When we hit the ground
  10. Cursed design
  11. The detour

Gesamtspielzeit: 40:01 min.

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