Ash - Meltdown

Ash- Meltdown

Infectious / Warner
VÖ: 24.05.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zarter Schmelz

Je kürzer der Bandname, desto knackiger die Songs. Stellen Ash ein ums andere Mal unter Beweis. Schließlich waren und sind die vier Briten mit den drei Buchstaben maßgeblich an der Boygroupifizierung des vermeintlichen Underground beteiligt. Ash, das heißt Alternative Rock für die Generation Klingelton, mit gerade so viel Anspruch, wie in ein hirnentleertes Teenie-Hirn nun mal reinpaßt. Für all jene, deren Aufmerksamkeitsspanne so kurz ist, daß sie einen Warenkorb brauchen, um am Ende noch zu wissen, was sie am Anfang kaufen wollten.

Das ist böse? Ja, durchaus. Aber es ist nicht böse gemeint. Schließlich konnte man sich nicht mal über das gefährlich harmlose "Free all angels" aufregen, das den Briten auch hierzulande den großen Durchbruch beschert hat. Viel zu gefällig war damals das Debüt "1977". Und wer regelmäßig und vorsätzlich Musik macht, die keiner Fliege etwas zuleide tun kann, dem will man doch nicht auch noch ans Bein pinkeln, oder?

Aber Ash hatten wohl selbst die Schnauze voll von alledem. Womöglich ist Tim Wheeler selbst ganz schlecht geworden von all dem zuckrigen Zeug, das ihm durch die Kehle drang. Jedenfalls erleben wir jetzt andere Ash. Vermeintlich sogar ganz andere. Man schaue das Cover an. Und lasse es auf sich wirken. Na, dämmert's? Boaaaah, derbe Meddal, Alder! Und so auch die Gitarren. Ash klingen, als ob ihnen plötzlich jemand erzählt hätte, daß der Verstärkerregler nicht bei Stufe 3 endet, sondern bis 10 geht und mit ein paar knorken Tricks auch noch weiter gedreht werden kann. Da sieht man vor dem inneren Auge schon die jugendlichen Fans hüpfen, die das wohl tatsächlich für Metal halten. Und laut shouten: Läd sär bi rock!

Klingt nach Kopfschmerzen? Stimmt. Aber es ist nun mal so, daß viele Songs zu gut, zu schmissig sind, um von der Neuorientierung aus der Bahn geworfen zu werden. Der Opener "Meltdown" markiert das Revier, ohne Widerspruch zu dulden. "Orpheus" kriegt astrein die Kurve vom Riffgewitter zum sämigen Refrain. Und die Halbballade "Won't be saved" flutscht ins Trommelfell wie nix. Daß "Clones" und "Renegade cavalcade" ziemlicher Blödsinn sind: geschenkt. Daß sich Tim Wheelers Sonnyboy-Stimme eigentlich nicht mit all den albernen Bratz- und Pumpkins-Gitarren verträgt: ebenso. Daß sich die Texte in Weltraum-Mumpitz ergehen: sowieso. Ash sind wahre Meister im Kaschieren irgendwelcher Schwächen. Knackige Songs wirken wahre Wunder. Und gerade deswegen ist der vierte Streich von Ash ein nicht nur ein mutiges, sondern auch ein irgendwie cleveres Album. Teenies halten "Meltdown" für die absolute Härte. Wir für leichte Unterhaltung. Glücklich werden alle damit. Manche mehr, manche weniger.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Meltdown
  • Orpheus
  • Starcrossed

Tracklist

  1. Meltdown
  2. Orpheus
  3. Evil eye
  4. Clones
  5. Starcrossed
  6. Out of the blue
  7. Renegade cavalcade
  8. Detonator
  9. On a wave
  10. Won't be saved
  11. Vampire love

Gesamtspielzeit: 42:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
pw
2009-06-16 10:28:37 Uhr
Auf der Meltdown sind die IMO einige der besten Ash-Songs drauf ("Orpheus" und "Clones"!!). Das Album hat zwar auch seine Schwächen, ist aber trotzdem mein Lieblingsalbum der Band, vor allem den Sound der Platte find ich gut.
bebbo
2009-06-16 09:40:19 Uhr
"meltdown" war scheiße, "twilight" dafür umso besser.
T.
2009-06-14 22:02:53 Uhr
Die letzten beiden Alben haben mich auch nicht überzeugt. Finde aber, dass die "Nu-Clear Sounds" allgemein unterschätzt wird, allein schon wegen an die frühen Verve erinnernden "Death Trip 21" oder dem verrotzten Heroinrock von "Numbskull". "A Life Less Ordinary" noch drauf und man hat ein ordentliches Ash-Album.
brny
2009-06-14 21:31:43 Uhr
ich empfehle ebenfalls die best of, inkl. der bonus-cd mit genialen b-sides etc.

die "meltdown" gefiel mir eigentlich nie. mit dem nachfolger hab ich mich dann gar nicht mehr beschäftigt.
T.
2009-06-14 17:11:15 Uhr
Ich finde keinen Widerspruch zu meiner Aussage, was den ersten Satz etwas seltsam erscheinen lässt. ;)

Würd auch mit der Best-Of anfangen oder eben wie gesagt mit der 1977.
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