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Neil Young And The Chrome Hearts - Second song

Neil Young And The Chrome Hearts- Second song

Reprise / Warner
VÖ: 18.09.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Rocking on heaven's door

Was für ein Musiker, was für ein Œuvre: Neil Young ist inzwischen über 80 Jahre alt – und er macht einfach weiter und weiter. Wobei man diesmal nicht so ganz sicher sein kann, wie lange noch, glaubt man zumindest den Lyrics. Nun hat sich der kanadische Musiker schon immer gern mit der Retrospektive befasst, doch so deutlich wie auf dem aktuellen Album "Second song" hat er wohl noch nie den möglichen Abschied vom Irdischen heraufbeschworen. Und es ist zugleich traurig und tröstlich, ihm hier beiwohnen zu dürfen. Schon der Opener wagt einen ersten Rückblick auf das eigene Leben, vor allem die jungen Jahre. Und das ist textlich durchaus gewitzt gelöst: Zunächst nämlich geht es um ganz konkrete Dinge: den Wohnort wechseln, Vater werden – und dann wird's erfrischend unkonkret: Eine Strophe lang singt er nur "Alcohol, alcohol...", und man ahnt, dass es wohl genau hier gewesen sein muss, als der Nebel zeitweilig ins Leben einzog; das lyrische Ich überlässt den Zuhörer*innen die genaue Ausgestaltung. Musikalisch werden keine neuen Saiten aufgezogen, sondern eher die alten angeschlagen: Das Album ist überwiegend akustisch instrumentiert; auf den ersten Einsatz einer verzerrten Gitarre muss man eine knappe halbe Stunde warten.

Aber das ist okay, denn trotz des sparsamen Songwritings wird es nicht langweilig. Das liegt zum einen an der Erzählweise Youngs, zum anderen aber auch daran, dass sich immer wieder sphärischer Chorgesang à la Fleet Foxes hineinmogelt, aber auch hier und da ein Mellotron, eine Quer- oder sogar Blockflöte. Und natürlich auch die unvermeidliche Mundharmonika. "Day by day" erinnert sicherlich nicht zufällig von den Akkordfolgen her an "Knocking on heaven's door" – und das epische, mehr als elf Minuten lange "Second song" führt einen wiederum weit in die Vergangenheit, könnte aber auch aufgrund seiner paradoxen kraftvoll-ausgeruhten Darbietung als musikalische, wenn auch sanftere Weiterführung von "Cortez the killer" durchgehen.

Richtig ans Eingemachte geht es dann in "Soon I might be going". Hier erlöst endlich die gute, alte und komprimierte Zerrgitarre, auf die man so lange gewartet hat. Und Young blickt in das kleine Stück Zukunft, das er sieht: "Yes, soon I will be going / But I wanted just to stay around / And see what I can do to sing a happy song today / With you, and you, and everyone who feels the melody / Echoing in the hallways, and soon to be a dream", umflort von einer sanft glimmenden Hammondorgel, geschrubbten Akustikgitarren und sparsamem Schlagzeugspiel. Ja, es geht haarscharf am Kitsch vorbei, wenn da nicht diese schön sägende E-Gitarre wäre, die immer wieder zum Einsatz kommt. Und wenn er Donald Trump nicht en passant noch elegant einen mitgäbe: "President was on TV, says everything is golden / He's tearing down the old White House, those days were never olden."

Und so fließt dieses Album daher wie ein schöner, breiter Fluss. Alles wirkt durch die Bank live und ohne Overdubs eingespielt, produktionstechnische Extravaganzen glänzen glücklicherweise durch Abwesenheit, nichts Aufgesetztes oder Hektisches stört die ausgedehnte Rückschau. Und irgendwie bekommt man in dieser knappen Dreiviertelstunde feuchte Augen: Neil Young ist einfach ein ganz erstaunliches Kerlchen: Selten gab es jemanden, der trotz eines gigantischen physischen Resonanzraums so eine dünne Kinderstimme pflegte. Selten gab es jemanden, der mit seinen Mitmusikern und -musikerinnen ganz offensichtlich den Moment feiert, getreu dem Motto: Wir setzen uns gemütlich hin, spielen einfach mal los und schauen, wo es uns hinträgt. Da darf dann auch mal ein falscher Ton dabeisein, ein verschleppter Schlagzeugbeat oder ein Störgeräusch; das ist eben live beziehungsweise life. Und dann wäre da noch diese schöne Ironie des Schicksals: Ausgerechnet der, der stets sang "It's better to burn out than to fade away", schlägt seiner eigenen Lyrik ein Schnippchen: Denn eigentlich müsste es korrekt heißen: "It's better to fade out than to burn away." So zumindest fühlt sich das gerade an.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • The foggy edge of time
  • Second song
  • Soon I might be going

Tracklist

  1. The foggy edge of time
  2. Day after day
  3. Earth girl
  4. Second song
  5. Casting me away from you
  6. Soon I might be going
  7. I'll love you forever

Gesamtspielzeit: 42:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 31234

Registriert seit 08.01.2012

2026-10-01 20:52:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

dreckskerl

Postings: 12458

Registriert seit 09.12.2014

2026-09-16 14:58:00 Uhr
Natürlich gibt es einen Thread aber mit "&" statt "and" geschrieben, daher hab ich ihn übersehen.

Aber offenbar hat sich entweder niemand den Song angehört oder alle fanden ihn nicht so schön wie ich.

Vielleicht kann jemand die Threads zusammenfassen.

dreckskerl

Postings: 12458

Registriert seit 09.12.2014

2026-09-16 14:52:49 Uhr
Bereits übermorgen erscheint das zwete Studioalbum "Second Song" mit seiner Backing Band The Chrome Hearts und noch kein Thread? Magst du Neil Young nicht, MickHead?

Die Reviews schwanken zwischen "late carreer Classic" and "best since Psychedelic Pill" und 4/10 vom Guardian, der nur 2 Songs von 7 richtig gut findet.

Bereits veröffentlicht wurde der Titeltrack und der IST ein Karrierehighlight, wie ich finde.
Was für eine wunderschöne und dabei nicht nach Selbstplagiat klingende Melodie, die Band umschmeichelt Youngs brüchige Stimme mit einem simplen slow shuffle, dazu sanfte Back Vocals und Youngs sehnsüchtige Harmonica, großartig.
Hat was von Dylans "Rough And Rowdy Ways" Vibes.

https://www.youtube.com/watch?v=JZnzpxrHM4M
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