Wrath Of The Machines - Genesis
Nuclear Lithium
VÖ: 09.09.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Ok, Doomer
Es gibt wohl kaum ein aktuelleres, inzwischen aber auch einigermaßen abgedroschenes Thema als den Aufstieg künstlich-maschineller Intelligenz und deren Spannungsverhältnis zur Menschheit. Beim erst wenige Jahre alten Schweizer Metal-Projekt Wrath Of The Machines geht es seit nunmehr drei Alben genau darum, wobei immer eine etwas andere Perspektive eingenommen wird und unterschiedliche Aspekte beleuchtet werden. Der neueste Teil handelt von einer synthetischen Zukunftsdystopie, in der trotz der Herrschaft maschineller Präzision nur scheinbare Perfektion herrscht. Doch auch wenn das Thema mit einer gewissen Tiefe und Ambivalenz behandelt wird, ist die im Kern sattsam bekannte und hier nicht wirklich mit Neuigkeiten aufwartende Terminator- bzw. Matrix-Geschichte kein zwingender Grund, sich dieses Album oder die bisherige Trilogie zuzulegen.
Musikalisch sieht das allerdings anders aus, insbesondere für Freunde klassischer Heavy-Metal-Opern, wie man sie unter anderem von Ayreon oder Avantasia kennt. Anders als dort sind die Macher hinter dem Projekt jedoch nicht namentlich bekannt, sondern verschanzen sich hinter radikaler Anonymität. Das ist allerdings nur konsequent, denn zu viel Menschlichkeit würde hier nur die konzeptionelle Illusion zerstören, zumal bei der Entstehung zum Teil KI eingesetzt wurde. Es wäre allerdings nicht überraschend, wenn es sich um erfahrene, vielleicht sogar halbwegs prominente Musikschaffende handelt. Das Projekt geizt nämlich nicht nur mit Informationen, es findet zudem offenbar so gut wie keine Vermarktung statt. Geld verdienen scheint den Leuten hinter dem Zorn der Maschinen nicht so wichtig zu sein, weshalb es sich womöglich eher um ein hobbymäßiges Herzensprojekt bereits anderweitig ausreichend erfolgreicher Künstler handelt.
Mehr noch als diese Umstände spricht aber das musikalisch Gebotene dafür, dass hier Genreveteranen am Werk sein könnten. Schon das Debüt und dessen Fortsetzung überzeugten mit vielen guten Einfällen und solidem Unterhaltungswert, hatten jedoch in puncto Produktionsqualität und Stilistik den ein oder anderen Glitch im Programmcode. "Blood and oil" und "Tales from humanity" wiesen zwar thematisch passend einen vergleichsweise starken elektronisch-industriellen Charakter auf, konnten damit aber weniger Schlagkraft erzeugen, als es das neue Werk "Genesis" vermag. Mit der Orientierung an Heavy- bzw. Epic-Metal-Abenteuern traditionellerer Prägung gelingt es den Eidgenossen, ihre bisher ausgereifteste und überzeugendste Fassung der Maschinen-Mär abzuliefern – auch wenn die von Anfang an geschmacklich fragwürdige Gestaltung der Cover-Artworks nicht unbedingt diesen Eindruck erweckt.
Wie bei Maschinen kommt es aber nicht so sehr auf das Aussehen an, sondern auf die Funktionalität. Und "Genesis" funktioniert hervorragend. Die Platte bietet über 70 Minuten abwechslungsreichen, spannungsgeladenen und mitreißenden Großformat-Metal, der zahlreiche Höhepunkte findet und sich beispielsweise bei "When two ideologies collide" mit der Einflechtung der ikonischen Terminator-Main-Themes auch vor offensichtlichen Inspirationsquellen verbeugt. Dass dabei die stilistische Anpassung eine sinnvolle Maßnahme war, belegt vor allem das natürlich die bekannte Romanvorlage von Philip K. Dick aufgreifende "Do androids dream of electric sheep". Der Song war in einer anderen Variante bereits auf dem Debüt zu hören, dort jedoch kein Highlight. Als hiesige Power-Ballade mit einprägsamem Refrain und grandiosem Frauengesang ist es der wohl beste Track des neuen Albums. Der mal weibliche, meist aber männliche Gesang ist ohnehin der Hauptgrund, hier etablierte Könner*innen am Werk zu wähnen. Beim kraftvollen "I be me" zum Beispiel könnte man zuweilen Five-Finger-Death-Punch-Shouter Ivan Moody am Mikrofon vermuten, wobei die Vocals generell oft zwischen relativ angriffslustig und sanftmütig wechseln, was entweder mehrere Sänger oder eine große individuelle Bandbreite impliziert. Aber wie auch immer und mit wem auch immer das Album zustande gekommen sein mag: Wenn die Weltherrschaft der Künstlichen Intelligenz so klingt, dann bitte alle Macht den Maschinen!
Highlights
- Do androids dream of electric sheep
- I be me
- History repeats itself
- Goodbye humans
Tracklist
- A.DAM and E.VE
- Restart
- The 10 robotic commandments
- Our new synthetic nation
- Do androids dream of electric sheep (E.VE's hagiographic prosopography
- Disobey / A viral change of mind
- I be me
- When two ideologies collide
- The aftermath and a rare view into E.VE's mind
- History repeats itself
- The war and another view into E.VE's changing mind
- A [missed] future in chrome
- The cloud
- Y-32
- Goodbye humans
- One more final / We [don't] need you
Gesamtspielzeit: 75:38 min.
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Referenzen
Avantasia; Dawn Of Destiny; Rhapsody Of Fire; Iron Savior; Sonata Arctica; Iron Maiden; Ayreon; Judas Priest; Beast In Black; Battle Beast; Within Temptation; Gamma Ray; Helloween; Star One; Nightwish; Epica; Edguy; Dynazty; Dream Evil; Freedom Call; Manowar; Hammerfall; Masterplan; Bloodbound; Brother Firetribe; Powerwolf; Primal Fear; Kamelot; Degreed; Innfight; Mob Rules; Brothers Of Metal; Stratovarius; Blind Guardian; Europe; Five Finger Death Punch
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