Stornoway - Beyonder
Cooking Vinyl / Bertus
VÖ: 25.09.2026
Unsere Bewertung: 2/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Hafergrütze
Tote Pferde sollte man nicht reiten. Man wird vielleicht keinen rechten Halt haben. Eher zügig wird man aber merken, dass es nicht recht vorwärts geht. Es sei denn, man wäre Mitglied der Band Stornoway. Mit deren Schaffen darf bloß niemand dadurch verschreckt werden, dass von dem mit eckenloser Niedlichkeit gestraften Folken-nach-Zahlen abgewichen wird. Die Oxforder haben es sich auf ihrem Ex-Klepper gemütlich gemacht und reiten ihre anderthalb Songideen dann halt mal einfach gänzlich zu Tode.
Schon vor dem zwischenzeitlichen Ableben 2017 hatten sich Stornoway spätestens in den mit Klimbim und Tirili überladenen Belanglosigkeiten von "Bonxie" verirrt. Auf "Dig the mountain!" war dann kein nachvollziehbarer Grund zu hören, weswegen diese Reunion denn unbedingt Not getan hätte. Und jetzt hauen sie ein dermaßen hobbyloses Album wie "Beyonder" raus, an dem nichts, aber auch gar nichts über irgendwas hinauswachsen würde. Oder überhaupt wollte.
Brian Briggs' dünnes Stimmchen müht sich in "River of voices" gegen den anschwellenden Kitsch an und geht dann unter, weil jemand es für eine gute Idee hielt, mit einem großen Chor nicht nur den Refrain zuzusuppen, sondern auch die Strophen an jeder unpassenden Stelle. "Getting louder and louder and louder all the time", hacht Briggs am Ende noch. Einen Plan vermutet man dahinter besser nicht. "Marco Polo" zählt dann komplett random einfach mal ein paar Entdecker auf, und während ein Schifferklavier und Streicher durch den Song mäandern, geht es eigentlich nur darum, wie langweilig Briggs' Kindheit war. "There's a world of wonders / In books and pictures / But growing older was no adventure." Wir können jetzt in etwa nachempfinden, wie sich das so angefühlt haben muss. Nötig wär das aber nicht gewesen.
"Fire and water" will dann endgültig die große Geste. Mit breitem Orchester, dramatischen Septakkorden und Taktwechseln zwischen Strophe und Refrain. Aber vom Cinemascope-Drama bleibt in harmonischer und rhythmischer Beliebigkeit bloß blanker Kitsch übrig. "Skydiver" wird dann von weillschen Ablenkungen unterbrochen, ohne dass der Song davon irgendeine Art von Tiefe bekäme. Um "The honeyeater's song" dann komplett zu überfrachten, holte Briggs den legendären südafrikanischen Chor Ladysmith Black Mambazo. Der lenkt zwar vom Nichts an Songidee mit stimmungsvollen Zulu-Gesängen ab. Aber gerade im Kontrast zum afrikanischen Gesang fällt die fehlende Substanz von Briggs' Stimme so richtig auf.
So etwas wie Überraschungen gibt es in den Arrangements auf "Beyonder" nicht. Hier ist alles hübsch und nett und in harmlosem Dur. Lediglich "Spirit walker" traut sich mal mollige Tiefe, und nachdem Briggs nach zwei Minuten noch etwas überambitioniert den Titel zerdehnt, erlaubt sich die Band ein paar Ausritte, die beinahe inspiriert wirken. Zu offenbar von Native Americans inspirierten Versen entsteht zwischen singender Säge, "Bang and blame"-E-Gitarrenreverbs und dem hier notorischen Streichergebarme tatsächlich so etwas wie Aufmerksamkeit. Die dann im Holzfäller-Schunkler "Wild geese" unter der delirierenden Pedalsteel und den schon wieder suppenden Geigen schnell wieder die Flucht ergreift. Am Ende fleht Briggs in "Leave your light on" dann auch noch, dass man ihm das Licht anlassen solle. Dafür sollte er aber bessere Argumente haben als eine komplett ausufernde Fiddle und einen unkontrollierten Echo-Effekt. Unter all dem Getue klimpert höchstens noch ein nett gedachtes Nichts an Song. Doch eigentlich will man jegliches Licht einfach nur ausknipsen. Oder ausschießen.
Anspruch an die eigene Musik haben die Briten offenbar gänzlich fallen lassen. Gegen Stornoways lebloses Geschrammel wirken Mumford & Sons wie abgeranzte Punks. Das ist "Folk" für Menschen, die jegliches Interesse an Musik verloren haben. Und wofür? Planen Stornoway etwa, sich auf der Hebridean Princess, dem luxuriösen 5-Sterne-Schiff für Fahrten zu den Hebriden und schottischen Inseln, als Hausband verpflichten zu lassen? Mit dieser beleidigend gehaltlosen Muckerei hätten sie dort ein beständiges Auskommen. Könnte klappen. Und wenn der Kapitän nett zu uns ist, setzt er sie irgendwo auf den Äußeren Hebriden einfach ab.
Highlights
- Spirit walker
Tracklist
- River of voices
- Marco Polo
- Fire and water
- Skydiver
- Hummingbird feathers
- The honeyeater's song
- The book of time
- Mariana
- Spirit walker
- Wild geese
- Leave your light on
Gesamtspielzeit: 43:59 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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OliverDing Plattentests.de-Mitarbeiter Postings: 365 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-10-02 14:27:20 Uhr
Da ist nix warm und feingliedrig. Das ist plump und aufgeblasen. |
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MickHead Postings: 16282 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-10-02 12:42:25 Uhr
Platten vor Gericht https://plattenvorgericht.blogspot.com/2026/09/stornoway-beyonder.html?m=1 |
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OliverDing Plattentests.de-Mitarbeiter Postings: 365 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-10-02 07:35:16 Uhr
Rückblickend war es eigentlich schon ein Fehler, sich von "Zorbing" so begeistern zu lassen, dass die Band eine Karriere darauf aufbauen und so viele Alben aufnehmen konnte. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 31238 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-10-01 20:52:14 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.Meinungen? |
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MickHead Postings: 16282 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-10-01 20:20:09 Uhr
Mittlerweile komplett bei Bandcamp:https://stornoway.bandcamp.com/album/beyonder |
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Referenzen
Kelly Family; Donovan; Love; The Polyphonic Spree; The Association; Erland And The Carnival; Darlingside; The Leisure Society; Jens Lekman; Sufjan Stevens; Villagers; William Fitzsimmons; Mumford & Sons; Angus & Julia Stone; Fanfarlo; Fleet Foxes; Midlake; The Beatles; Crosby Stills Nash & Young; Buffalo Springfield; Blind Faith; West Coast Pop Art Experimental Band; The Band; Grittly Bear; James Vincent McMorrow; Boy & Bear; The Beach Boys; Fanfarlo; King Charles; Noah And The Whale; Johnny Flynn; Guillemots; Dry The River; Goldheart Assembly; The Leisure Society; Lost In The Trees; Mystery Jets; Bear's Den
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