Pure Reason Revolution - Terrifying angels
InsideOut / Sony
VÖ: 25.09.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Das Ende vom Anfang
Beginnen wir einmal mit einem Abschluss. Nämlich der Antwort auf die Frage, ob Chloe Alper noch vollwertiges Mitglied von Pure Reason Revolution ist, der Band, die die Britin einst mitgegründet hat. Der Stand der Dinge ist: nein, wenn man einmal von besonderen Gelegenheiten wie den letztjährigen Shows zum Jubiläum des Albums "The dark third" absieht. Im Normalfall eigentlich eine simple Personaldiskussion, wäre da nicht der Umstand, dass es gerade Alpers Input war, der die Band auf den ersten Platten so faszinierend machte, und dass Kollege Jon Courtney gerade auf dem letzten Langspieler "Coming up to consciousness" sehr verkopft agierte, auch wenn das selbst auferlegte Albumkonzept nur wenig Raum für Leichtfüßigkeit bot.
Insofern ist alleine schon Courtneys Ankündigung, "Terrifying angels" solle rauer, schwerer und aggressiver ausfallen, ein Stück weit Emanzipation, zumal der Wahl-Berliner mehr als zuvor mit Co-Songschreibern und Gastmusikern zusammenarbeitete. Und doch ist der Opener "Spin like fire" in seiner Härte zunächst verstörend, bis der Refrain die Arme ausbreitet und Annicke Shireen zeigt, dass sie Alper am Mikrofon jederzeit und vollständig zu ersetzen imstande ist. Was die Niederländerin vor allem auf dem folgenden "Black-arrow acrobats" final unter Beweis stellt. Gerade in der ruhigen Anfangsphase harmonieren Courtney und Shireen prächtig, umgarnen einander mit ihren Stimmen, um dann im ruppigen Mittelteil so zu interagieren, als wäre die 37-Jährige schon seit vielen Jahren vollwertiges Bandmitglied.
Doch im Grunde ist das keine Überraschung, denn Shireen hatte schon auf dem Vorgängeralbum starke Momente. Es ist noch nicht einmal überraschend, dass das nicht einmal drei Minuten lange Gewitter "Haywire heart" wie ein Zwischenspiel wirkt, wenn auch ein sehr, sehr lautes, welches den Fluss beim flüchtigen Hören empfindlich stört und genau deshalb für den Gesamteindruck wichtig ist. Nein, wahrhaft großartig sind der zwölf Minuten lange Titeltrack und das abschließende "Hold your wrath" mit knapp 15 Minuten Dauer. Prog-Aficionados wissen sofort – die wahre Kunst liegt im Longtrack. Vor allem "Terrifying angels" ist eine mit Worten kaum zu beschreibende Reise an sich. Ruhige, schwebende Passagen gehen plötzlich in druckvolle elektronische Passagen über, die kurz darauf in wüsten Gitarrenwänden eskalieren. Viele Songs gibt es nicht, die Pure Reason Revolution in ihrer Karriere besser gemacht haben könnten, zumal Produzent Bruce Soord insbesondere hier viel Raum für Synth-Teppiche lässt, aber auch den Gitarren jede Menge Druck verpasst.
Und dann wäre ja noch "Hold your wrath", dieses Monument von einem Schlusstrack. Alleine die ersten fünf Minuten sind bravourös, lassen allenfalls Referenzen an Pink Floyd, vor allem aber an Porcupine Tree zu. Immer wieder spielt Courtney mit den Stimmungen und Dynamiken, gleitet sachte in den Hintergrund, zerreißt diese nur trügerische Ruhe mit harschen Riffs und lässt darüber diese wunderschönen Gesangsharmonien schweben. Dank Bruce Soord, der auf diesem Album eine seiner besten Arbeiten als Produzent abliefert, ein Fest für Audiophile und eine noch tiefer gehende Entdeckungsreise unter dem Kopfhörer. Das vermeintliche Chaos des ersten Albumdurchlaufs entpuppt sich als höchst spannende Dramaturgie, die Emanzipation aus der Zweckgemeinschaft Courtney / Alper mehr als gelungen. Mit diesem Album, das sicherlich das spannendste seit "Eupnea" ist, dürfte die diesbezügliche Diskussion beendet sein. Und die Verwandlung von Pure Reason Revolution in eine neue Phase abgeschlossen.
Highlights
- Spin like fire
- Terrifiying angels
- Hold your wrath
Tracklist
- Spin like fire
- Black-arrow acrobats
- Haywire heart
- Terrifying angels
- Rumination ruin
- Below radiance
- Hold your wrath
Gesamtspielzeit: 50:06 min.
Album/Rezension im Forum kommentieren
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 16226 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-10-02 12:41:32 Uhr
Laut.de 4/5https://laut.de/Pure-Reason-Revolution/Alben/Terrifying-Angels-127514 |
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Sneedlewoods Postings: 2790 Registriert seit 07.05.2023 |
2026-10-02 12:28:44 Uhr
Die Proggies(wenn es welche im Forum gibt)mögen mich teeren teeren und federn. Bis jetzt ist mir die Band von gelegentlichen Lauschangriffen ein Begriff, aber Prog-Rock ist in meiner musikalischen Speisekarte eher ein zusätzliches Angebot, dass zu nichts verpflichtet. Vielleicht wäre es beim aktuellen von PRR genauso gewesen, hätte es nicht die ausführliche Rezension hier im Magazin gegeben. Frisch ans Werk. In einem anderen Forum in dem ich aktiv bin wird öfter die Frage gestellt "Wie progressiv ist eure Musik" bzw. "Stirbt Prog aus?". Die Begriffsklauberei wann Musik den Terminus "progressiv" bekommt oder nicht, erübrigt sich mit diesem Album. Weil viele unterschiedliche Stilelemente ein ganzes schlüssiges ergeben. Der Titelsong ist die Summe dieser Unterschiedlichkeiten. Warum differenzieren, ob das nun Alternative-Prog oder haarscharf am Prog-Metal vorbei ist? Warum nicht einfach anerkennen, das dieses Album fortschrittlich ist? Im Sinne von einer Neuerfindung und nicht die alten Meister zu bemühen. So gehört, ein frisches Album das ein stagnierendes Genre nicht neu belebt, aber deutlich aus der Masse herausragt.10/10 |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 31234 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-10-01 20:51:30 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.Meinungen? |
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8hor0 Postings: 1667 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-10-01 14:26:14 Uhr
Das Album 'Terrifying Angels' wurde bereits am 25.September 2026 veröffentlicht.Spin Like Fire https://youtu.be/xx_XAc8uk0U?si=jYfahJyJBB1CfaoU Black-Arrow Acrobats https://youtu.be/K9HlwfDyKNY?si=E7nxY7_6Gv7IiLiO Playlist des Albums: https://www.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_l9ATsoLeFobhzw9cl5hxN7Lzh14pNuID0 |
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Referenzen
Pink Floyd; Porcupine Tree; The Pineapple Thief; James; Haken; Muse; Gazpacho; Riverside; Lunatic Soul; Steven Wilson; Blackfield; Demians; Anathema; Antimatter; Anekdoten; Gentle Giant; Shadow Gallery; Secret Machines; Radiohead; Dredg; Onesidezero; Big Big Train; IQ; Pain Of Salvation; Indukti; A Perfect Circle; Tool; Transatlantic; The Flower Kings; Deadsoul Tribe; Ritual; Kaipa; Spock's Beard; Rush; Fates Warning; King's X; Dream Theater; Vanden Plas; Steve Hackett; Marillion; The Gathering; 35007; Boy Hits Car; Cave In; Chevelle; Oceansize; Talk Talk; R.E.M.; Kashmir; Unbelievable Truth; Nosound; Storm Corrosion
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