Danger Dan - Keine Angst
Ölsardinenindustrie / Warner
VÖ: 02.10.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Neues aus der Anstalt
Die Diskussionen über Danger Dans Song "Keine Angst" übertreffen schon jetzt den Aufruhr zum vortrefflich subversiven "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt", das vor fünf Jahren diverse Medienrechtsanwälte bei Laune halten konnte. Ursprünglich war der Song als Beitrag für die Antifaschismus-Folge zur 100. Ausgabe der Anstalt im ZDF geplant, mal wieder in Kooperation mit Igor Levit. Dann sorgte die Ausladung durch den Sender, nachträglich noch einmal ausdrücklich verteidigt durch den Intendanten höchstpersönlich, für ordentlich Wirbel. Und alles nur wegen eines schönen Grußes. Dabei war das doch alles, Ihr wisst schon, Kunstfreiheit und so.
Die Anleitung zum Widerstand gegen Rechts war und ist musikalisch so zwingend wie politisch notwendig. "Keine Angst" macht Mut. Und wenn es nur ist, die Faschisten einfach mal gepflegt auslachen zu können. "Wenn man Nazis so behandelte wie Frauen" ist herrlicher Spott mit karnevaleskem Schwung. "Mach dass sie nachts alleine durch den Park sich nicht mehr trauen / So funktioniert das seit Jahrhunderten mit Frauen." Circa genau dort bleibt das Lachen denn auch im Hals stecken, denn so absurd die bewusste Alltagsdiskriminierung der Verfassungsfeinde wirkt, ist dies en passant noch ein Aufruf, Geschlechterungleichheit und -ungerechtigkeit endlich zu überwinden. Aber bei Nazis drückt man alle Augen doch mal zu. "Vielleicht gibt Höcke dann ja Ruh." Und dann steckt am Schluss noch mal so ein lieber Gruß.
Doch ist auf "Keine Angst" längst nicht alles linksgrünversiffter Schlager. Dazu ist die Welt einfach zu divers und komplex. Schon "Die meisten meiner Freunde" will den ganzen Globus umarmen, ohne sich richtig dazugehörig zu fühlen. Aber dann sind da ja noch die Freunde: "Ja, zusammen ist das irgendwie schön." Gemeinsam nicht mehr einsam. Na, das ist mal eine Eröffnung.
Und dann zieht Dir "Dass es hier so schön ist" unerwartet den Teppich unter den Füßen weg. Danger Dan berichtet ausgehend von einer medizinischen Diagnose, wie er das Leben noch einmal neu schätzen gelernt hat. Zu aufmunternden Streichern genießt er alles, was sich erleben und spüren lässt. Solange er noch kann. "Ich will nicht, dass ich Angst hab / Aber mich dran erinnere / Irgendwann holt mich die Nacht." Verdammt, wo sind die Taschentücher?
Danger Dan nimmt uns mit in sein Leben. Er geht nachts noch mal für seine Lieben "Zum Späti", analysiert bei einem alten Schwarm, "Warum es nicht geklappt hat" und findet überhaupt, dass "Jede Grenze, jedes Gesetz, jeder Gott" überwunden gehört: "Du hast das Recht / Dich selbst zu lieben." Ein mitreißendes Plädoyer für den Individualismus. "Du sollst nur leben, einfach nur leben / So leben, dass es Dich erfüllt." Das Klavier wandert dramatisch, und Danger Dans Zeilen halten die Stellung. Er zeigt seine Verletzlichkeiten, macht sich angreifbar. Hier ist ein Mensch.
Kern von "Keine Angst" ist natürlich das epische Titelstück. Danger Dan nimmt uns schüchterne Restdemokraten an die Hand, denn Antifa ist Handarbeit. "Lasst Euch nicht erwischen / Achtet auf Überwachungskameras." Ein Song wie ein Lifestyle-Tutorial. Dessen Dringlichkeit zeigt, dass es jetzt aber mal um alles geht. Das drängende Moll trauert darum, dass all das überhaupt nötig ist. "Doch Ihr wärt blöd, wenn Ihr Euch auf den deutschen Staat verlasst / Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil / Es gibt so viele Faschos bei der Polizei." Das ist kein Aufruf zur Revolution. Es ist eine Anleitung zur Selbstverteidigung. Und das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt.
Highlights
- Die meisten meiner Freunde
- Das es hier so schön ist
- Jede Grenze, jedes Gesetz, jeder Gott
- Keine Angst
Tracklist
- Die meisten meiner Freunde
- Wenn man Nazis so behandelte wie Frauen
- Dass es hier so schön ist
- Zum Späti
- Warum es nicht geklappt hat
- In der Roten Rose
- Für immer
- Der Versicherungsvertreter lebe hoch
- Jede Grenze, jedes Gesetz, jeder Gott
- Nie zur Ruh
- Keine Angst
- Aber dann
Gesamtspielzeit: 44:13 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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mrnovember Postings: 715 Registriert seit 10.10.2019 |
2026-10-06 14:12:04 Uhr
Er hat das im Juni 2021 bei Hotel Matze erzählt. In den Kommentaren findet man den Timestamp. Ich hatte das auch extra nochmal nachgeguckt, weil NIUS selbstverständlich keine ernstzunehmende Quelle ist und ich sonst auch auf Anhieb nichts gefunden hatte.Finde die Diskussion darum trotzdem vollkommen übertrieben. |
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The MACHINA of God User und Moderator Postings: 38076 Registriert seit 07.06.2013 |
2026-10-06 13:55:17 Uhr
Also die einzige Quelle, die ich dazu finde, ist NIUS. Gibt es noch andere? Es gibt Stories darüber, wie er mit seiner eigenen Schule abrechnet, aber das ist ja etwas anderes. Und wo er "dagegen Position bezieht, an den Zuständen an öffentlichen Schulen etwas zu ändern", würde ich echt mal gern wissen. |
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mrnovember Postings: 715 Registriert seit 10.10.2019 |
2026-10-06 13:52:29 Uhr
Ist schon ein paar Jahre her, aber an sich hat er das doch selber erzählt? Weiß nur nicht, wo er Stellung dagegen bezieht, etwas an den Zuständen zu ändern... |
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AMFG Postings: 1 Registriert seit 06.10.2026 |
2026-10-06 13:37:20 Uhr
@JanSpeNee, ist er nicht. Der Vorfall ist nämlich frei erfunden. |
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JanSpe Postings: 170 Registriert seit 13.03.2025 |
2026-10-03 06:37:43 Uhr
Das ist doch der Typ, der gerade dagegen geklagt hat, seinen Sohnemann auf eine öffentliche Schule schicken zu müssen, weil es ihm dort zu gewalttätig zugeht, während er gleichzeitig dagegen Position bezieht, an den Zuständen an öffentlichen Schulen etwas zu ändern. Ein echtes Vorbild. |
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Referenzen
Antilopen Gang; Igor Levit; Rainald Grebe; Herbert Grönemeyer; Rio Reiser; Panik Panzer; Fayzen; Gerard; Mine; Marlo Grosshardt; Alin Coen Band; Judith Holofernes; Enno Bunger; Funny Van Dannen; Olli Schulz; Jan Böhmermann; PeterLicht; OK Kid; Tom Schilling & The Jazz Kids; Tim Minchin; Hannes Wader; Konstantin Wecker; Wolf Biermann; Franz Josef Degenhardt; Reinhard Mey; Gisbert Zu Knyphausen; Maeckes; Chakuza; Prinz Pi; Fabian Römer; Faber; Fatoni; Grim104; Koljah; Moritz Krämer; Tua; Tristan Brusch; Clueso; Betterov; Element Of Crime; ClickClickDecker; Erdmöbel; Bosse; AnnenMayKantereit; Juse Ju; Yassin; Marteria; Goldroger; Max Herre; Das Lumpenpack; Jan Plewka; Thees Uhlmann; Marius Müller-Westernhagen
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