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The Ocean - Solaris

The Ocean- Solaris

Pelagic / Cargo
VÖ: 25.09.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The final frontier

Wenn schon Zäsur, dann richtig. Über vier Alben in mehr als zehn Jahren beherrschten zunächst die Tiefenzonen der Meere, später nicht weniger als die Erdzeitalter die Themenwelt von The Ocean. Mit "Holocene" kam der Zyklus dann vor drei Jahren zum Ende, und nach der abschließenden Tour bestand die ursprünglich als Künstlerkollektiv gegründete Berliner Band nur noch aus Bandchef Robin Staps und dem Bassisten Mattias Hägerstrand. Was also tun? Zunächst mal neue Musiker, klar. Dann aber auch – insofern blebt Staps der eigenen Tradition verpfllichtet – ein neues Konzept. "Prepare for departure" ist eine der letzten Zeilen von "Subatlantic", dem letzten Song auf "Holocene", und genau hier setzt das Konzept des neuen Albums "Solaris" an. Interessanterweise bezieht sich Staps ausdrücklich auf den gleichnamigen Film von Andrej Tarkovskij aus dem Jahr 1972, nicht etwa auf die Romanvorlage von Stanislaw Lem, und betrachtet vor allem die Ambivalenz zwischen Entdeckung und Eroberung.

Vorerst jedoch genug des philosophischen Überbaus. Denn auch für Post-Metal-Koryphäen mit großartigen Konzepten gilt, dass der ganze Spaß zunächst einmal musikalisch überzeugen muss, zumal in wie erwähnt komplett neuer Bandkonstellation. Die Reise, denn eine solche ist "Solaris" unbestritten, beginnt mit sanft perlenden Keyboards an den Koordinaten "52°30'11" N, 13°26'1" E" – wer sich die Mühe macht, ihnen zu folgen, findet hier tatsächlich das Büro der Plattenfirma. Und das ist mehr als nur ein Gag, denn im anschließenden "Departure song" heißt es "I will cherish every memory and every moment we shared." Ein Gruß an die alten Kollegen? Einfach nur Abschied? So wenig Worte, so viele Interpretationsmöglichkeiten. Ganz und gar nichts zu interpretieren gibt es hingegen an der Klasse, mit der sich die beiden neuen Vokalist*innen Enrico Tiberi und Lane Shi die gesanglichen Bälle zuspielen, unterstützt von wuchtigen Riffs.

Auch "Light pollution" bleibt zunächst entrückt, baut dann aber langsam eine wunderbare Spannung auf, die sich zwischendurch in wüsten Growls von Tiberi entladen darf, der dadurch seinem Vorgänger Loïc Rossetti in nichts nachsteht. Die wahre Pracht dieses Albums entfaltet sich jedoch erst im Anschluss. Alleine das über 17 Minuten lange "Simulacra" strotzt vor Ideen, ist in den ersten Durchläufen in seiner Wucht kaum zu erfassen und dadurch schon fast ein wenig kontraproduktiv für das Albumkonzept – denn wen interessiert schon die Story, wenn alleine dieser Song sein eigener Kosmos ist? Das folgende "Belligerence" schlägt einen komplett anderen Weg ein. "I have come to terms with this new reality", schreit Tiberi direkt zu Beginn und läutet damit die mit Abstand härteste Phase der Platte ein, bei dem auch die im Übrigen dezidiert gleichberechtigte Co-Sängerin Shi – die beispielsweise ihre Auftritte mit der Doomgaze-Band Elizabeth Colour Wheel zu einer ganz eigenen Performance machte und auch als Otay:Onii ziemlich kompromisslos unterwegs ist – den Härtegrad keinen Deut zurückfährt, während die drei Sechssaiter um Staps ein wahnwitziges Riff nach dem anderen abfeuern.

Und dann kurz vor Schluss ein Bruch, wie er abrupter kaum sein kann. Nachdem die pluckernden Synthesizer zunächst den Eindruck eines Intros machen, öffnen sich plötzlich die Tore zu einem virtuellen Tanzclub. Befeuert durch Loops von Tangerine-Dream-Mitlgied Thorsten Quaeschning fühlt man sich zunächst komplett fehl am Platze, wie in einer anderen Welt – wo vorher noch Metal war, ist jetzt EDM. Und gerade bevor man an Staps' geistigem Zustand zweifeln möchte, dämmert es: Ist das nicht auch auf eine gewisse Weise Entdeckertum? Eine Reise ins komplett Ungewisse? Doch plötzlich ist der Spuk zu Ende, die Koordinaten des Schlusstracks führen – warum auch immer – zu einem Fjord im südlichen Chile. In der Buchvorlage stellt sich der Ozean des Planeten Solaris als lebende Entität heraus, dessen Kern nicht erforschbar ist, nicht erforschbar sein soll. Vielleicht will das Album genau deshalb all diese Fragen nicht beantworten. Und ganz bestimmt ist genau das der Grund, warum "Solaris" so unfassbar spannend ist. Die neue Reise von The Ocean beginnt spektakulär.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Simulacra
  • Belligerence
  • Milk of my dreams

Tracklist

  1. 52°30'11" N, 13°26'1" E
  2. Departure song
  3. Light pollution
  4. Simulacra
  5. Belligerence
  6. Ultima esperanza
  7. Milk of my dreams
  8. 51°28'30" S, 73°6'11" W

Gesamtspielzeit: 69:30 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

kiste

Postings: 410

Registriert seit 26.08.2019

2026-10-04 12:53:55 Uhr
Das Album gefällt mir sehr gut! Hätte ich nicht gelesen, dass es ein anderer Sänger ist, wäre mir dieser Umstand wahrscheinlich nicht aufgefallen. Die zusätzliche 2te Sängerin ist eine top Ergänzung. Und wie die beiden ihre Stimmvielfalt einsetzen macht richtig Spaß beim Zuhören. In der Summe sind mir einige Passagen zu lang, dafür schallert die Produktion einem die harten Passagen ordentlich um die Ohren.

Glufke

Postings: 1698

Registriert seit 15.08.2017

2026-09-25 18:39:51 Uhr
Bisher drei Mal gehört. Geht schon stramm auf die 9 zu. Manchmal etwas The Ocean by numbers, aber das ist bisher auch mein einziger Kritikpunkt. Die Vocals von Lane Shi sind eine unfassbare Bereicherung für den Sound der Band. Muss jetzt auch mal in ihr Solowerk rein hören.

ToRNOuTLaW

Postings: 1256

Registriert seit 19.06.2013

2026-09-25 13:29:44 Uhr
Danke für die Links, Micky!

MickHead

Postings: 16246

Registriert seit 21.01.2024

2026-09-25 10:59:04 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://theocean.bandcamp.com/album/solaris

BETREUTES PROGGEN 14/15

https://www.betreutesproggen.de/2026/09/the-ocean-solaris/

Metal1.info

https://www.metal1.info/metal-reviews/the-ocean-solaris/

ToRNOuTLaW

Postings: 1256

Registriert seit 19.06.2013

2026-09-25 09:00:43 Uhr
Meine Scheibe kommt (hoffentlich) am Montag!
Zusammen mit Rosalias "Lux" und Coroners "Dissonance Theory". Schönes Kontrastprogramm :)

Bin sehr gespannt, wie die Solaris komplett und am Stück klingt! Die meisten Songs habe ich vorab gehört und war schon überzeugter als bei Holocene, bei der mir Ecken und Kanten fehlten.
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