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Dragonflies - Dragonflies

Dragonflies- Dragonflies

Dark Horse / H.O.T. / BMG
VÖ: 18.09.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wimmeln voller Geigen

Beziehungen muss man haben. Das Adressbuch von Dhani Harrison, Sohn des legendären Beatle George Harrison, und Nigel Godrich, Radioheads Stammproduzent seit "OK computer", ist entsprechend gut gefüllt. Die beiden Briten kennen sich schon länger und arbeiteten bei Harrisons 2024er-Album "Innerstanding" erstmals zusammen. Dabei entstand der Wunsch nach etwas Gemeinsamem, und das Wunschkind hört nun auf den Namen Dragonflies.

Deren Debüt ist beinahe so schimmernd wie die namensgebenden Libellen, von denen sich die beiden so faszinieren ließen, dass sie dies als Titel für ihre Band und ihren Erstling wollten. Und wie deren Entwicklung sich in mehrere Stadien einteilt, macht auch das Klangbild auf "Dragonflies" Metamorphosen durch. Wenn im sperrig rhythmisierten Opener "Slower" das Piano um den Takt herumschlendert, erinnert das an Radiohead circa "Amnesiac". "Springs to summer fall / To winters cold, cold jaws", haucht Harrison dazu über psychedelischen Harmonien und einem Wirrwarr aus Tapeloops. Das Becken und die Streicher könnten glatt aus den Abbey Road Studios stammen. Aber dahin wollte Godrich ja nicht mal mit Paul McCartney für dessen "Chaos and creation in the backyard".

Einen Schwung wie bei "Setting sun" erreichen Libellen erst nach einigem Abhängen. über dem Chorus liegen dutzendweise Synths, und auch die Gitarren machen auf enge Spandexhose, wenn sie ein kurzes Jaulen antäuschen oder zackig ins Riffing gehen. "Straight line" straft dann den eigenen Titel Lügen, weil "Dragonflies" hier sein beständiges Auf und Ab zeigt: Unter reichlich Reverb werden Akustikgitarre, Klavier, Orgel und Theremin verbuddelt. Da ist dann wohl Verpuppung angesagt. Und weil das bei echten Libellen noch vor dem Abheben erfolgt, können wir das windschiefe Motiv aus der Fauna dann wohl langsam in die Tonne kloppen.

Offenbar war eh das Adressbuch entscheidender: Joey Waronker wurde von den beiden an die Drums gebeten, und er bedankt sich für den Auftrag mit Mikrorhythmen und Taktverwerfungen, weil Atoms For Peace zur Zeit eh pausieren. David Campbell hat hingegen wie sonst zum Beispiel bei Sohn Beck schillernde Streicherarrangements dagelassen, mit denen auf "Dragonflies" die handgebastelte Psychedelia ausgestaltet wird. Zurück im Album dreht sich "Heart or head" zu jazzigem 6/8-Groove und irgendwo im Hintergrund hallt ein Tasteninstrument. Ständig schweben Stilmittel aus den Sechzigern herum, die mit aktuellen Werkzeugen aus der Vergangenheit gefördert wurden. Zwar gab es ähnliche Ansätze zu Hochzeiten des TripHop, aber Dragonflies sind längst nicht so miesepetrig unterwegs. Es ist immer ein wenig Romantik in der Luft, wenn "Ophelia" angehimmelt wird oder "The weight" aus seiner Synkopierung heraus abhebt. "Oh, the weight, it grows heavier and heavier / No mistake when you finally get up again." Harrisons Kopfstimme thront über dramatischen Akkorden, und der Himmel merkt erst zu spät, dass er längst voller Geigen ist.

Zum Ende hin trauen sich die britischen Bastler nämlich zu immer üppigeren Klangbildern. "In between" hat einen nervösen Basslauf, sägezahnige Synths und Harfenklimpern. "End of world" lässt das Klavier tief und hoch und auf und ab klimpern, während ein quäkendes Etwas durch diverse Filter gedreht wird. Und als ein unruhiger Beat loslegen will, hilft Harrisons Akustische dabei, den Weg an der Idioteque vorbei zu nehmen. Funksprüche und Grillenzirpen erden das verträumte Ende. Welche Welt untergeht, erfahren wir zwar nicht. Aber immerhin sind da dann doch wieder Insekten.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Slower
  • Setting sun
  • Straight line
  • The weight

Tracklist

  1. Slower
  2. Setting sun
  3. Straight line
  4. Heart or head
  5. Ophelia
  6. The weight
  7. In between
  8. End of world

Gesamtspielzeit: 38:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

JohnWesley

Postings: 111

Registriert seit 13.04.2025

2026-09-27 11:40:20 Uhr
Danke für diese Rezension. Vielleicht wäre ansonsten dieses Album komplett an mir vorbei geäthert.
Hervorragende Tracks bisher: End Of World, In Between, Heart Or Head, Setting Sun.
Neben der neuen von Beck gehört nun für mich auch diese Erste der Dragonflies zu den Herbstalben dieses Jahres.
8/10

OliverDing

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 359

Registriert seit 13.06.2013

2026-09-24 21:08:44 Uhr


Müsst Ihr dabei auch an "Pyramid song" denken?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 31234

Registriert seit 08.01.2012

2026-09-24 20:06:18 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

Postings: 16246

Registriert seit 21.01.2024

2026-09-18 10:46:18 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=PLLt9_0oqAeus&si=qZFGX0346kppV1i5

Rolling Stone 4/5

https://www.rollingstone.de/reviews/dragonflies-dragonflies-review/

Gaesteliste.de

https://gaesteliste.de/2026/09/18/review/dragonflies-dragonflies/

MickHead

Postings: 16246

Registriert seit 21.01.2024

2026-09-16 18:40:19 Uhr
Letzter Song vor dem Release!

"Setting Sun"

https://youtu.be/tbdrwkfi334?si=0PZorBE6YIboH0tT
Zum kompletten Thread

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