Emma Ruth Rundle - These killing times
Errant Child / Cargo
VÖ: 18.09.2026
Unsere Bewertung: 9/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Eins mit schwarzem Sternchen
Beim Versuch, anhand ihres bisherigen Schaffens ein künstlerisches Profil von Emma Ruth Rundle zu zeichnen, landet man zwangsläufig bei dem Bild einer Suchenden. Die Kalifornierin war nicht nur schon in verschiedenen Bands aktiv, sondern tobte sich auch solo ausgiebig zwischen Metal- und Post-Rock-Annäherungen, stürmischem Alternative Rock und akustischem Folk aus – und dabei haben wir noch nicht damit angefangen, dass sie sich neben der Musik auch über bildende Kunst und Poesie ausdrückt. "These killing times" verschiebt dieses Bild in dem Sinne, dass Rundle hier nicht mehr auf der Suche zu sein scheint und stattdessen all ihre Facetten an einem Ort bündelt. Als hätte man "Engine of hell" und "On dark horses" übereinandergelegt, vereint die Platte Geröll-Lawinen auslösende Wucht mit äußerster Zerbrechlichkeit. Dabei geht es bewusst extrovertierter als auf dem in sich gekehrten Vorgänger zu: Eine vollwertige Band und einige namhafte Gastmusiker*innen ersetzen dessen Reduktion, dazu sollen die Texte aller inneren und äußeren Schmerzauslöser zum Trotz Optimismus und Widerstand vermitteln. Emma Ruth Rundle öffnet sich wieder der Welt – und bringt das bisher beeindruckendste Album einer ohnehin enorm starken Diskografie mit.
Mit Piano und Akustiksaiten beginnt der Opener "Powerless" noch im von "Engine of hell" umzäunten Feld, doch dauert es keine Minute, bis die Stromgitarren und Drums reinknallen. In der Folge zehren sich die verschiedenen Aspekte allerdings nicht gegenseitig auf, sondern erblühen in Cello-begleiteter Koexistenz. "Let me lie here with this hammer in my hand / One for breaking, one for building something better", singt Rundle und bringt unbewusst die Faszination hinter ihrer Musik auf den Punkt. Das zärtliche, von sanftem Gebläse umschmeichelte "God's picture" stellt der biblischen Zerstörung in diesem Sinne das Bildnis einer Geliebten entgegen, inklusive einer möglichen Referenz auf David Bowies "Blackstar": "I've got a picture of my true love, save her / Left in the morning for the war zone, for the endless wars / Up in the high hall, her hair uncurling / I light a candle at the centre of it all."
Wenn sich der Song am Ende in sein Mantra hineinsteigert, beweist er zudem eine der größten Stärken des Albums: Egal, wie intensiv ein Track anfängt – spätestens im Schlussdrittel setzt Rundle immer noch einen drauf. Glockengeläut leitet den im Refrain explodierenden Goth-Rocker "Anvil" ein, in dessen Finale Rundle ihre schon in Bodennähe stets einnehmende Stimme in höchste Falsett-Höhen treibt – und damit zeigt, dass sie es auch locker mit all den Art-Pop-Akrobatinnen aufnehmen könnte, wenn sie denn wollte. "Sometimes I cannot face this place / The cruelty of its crush, of its clip, of its heel / Sometimes I cannot take the hate", heißt es daraufhin im Rausch von "Catherine wheel", unterstützt von Baroness-Gitarristin Gina Gleason. Die Frage "How can this be real?" lässt sich auch angesichts der schier überwältigenden Wirkkraft von "These killing times" stellen. Da kommt es sehr gelegen, wenn ein – natürlich dennoch ausnehmend gutes – Stück wie "Don't delay heaven" mal ohne kathartischen Ausbruch sechs Minuten lang die Zeit anhält.
Solche Ausbrüche gibt es schließlich auch danach noch zur Genüge. Der Song-des-Jahres-Kandidat "Enough" erzeugt mit nervösen Drums und düsteren Riffs einen hypnotischen Groove, um sich in einen Noise-Abgrund zu stürzen, in dem Patrick Shiroishis Saxofon wie ein Tornado wütet. Das achteinhalbminütige "Human kindness" beginnt mit an die Thou-Zusammenarbeit "May our chambers be full" erinnernden Doom-Walzen, ehe es von einem verzerrten Solo angetrieben menschliche Nichtigkeiten hinter sich lässt und nach einem Fake-Ausklang einfach nochmal zurückkommt. Die üppigeren Arrangements verbergen dabei keine geheime Songwriting-Essenz, sondern bieten Rundle weitere, vielfältige Kanäle für ihre überschäumenden Emotionen, weswegen die Platte trotz ihrer Ausrichtung kaum weniger intim als ihr Vorgänger wirkt. Zum Abschluss holt "Oceans of time" einen kleinen Chor ins Boot, unter anderem mit Marissa Nadler, und betont damit noch einmal Rundles Intention, ein Werk zu erschaffen, das sich gegen die Isolation stemmt. Mission geglückt – zumindest, wenn man davon absieht, dass "These killing times" ob seiner brutalen Klasse auf qualitativer Ebene eher einsam seine Kreise ziehen muss.
Highlights
- God's picture
- Anvil
- Enough
- Human kindness
Tracklist
- Powerless
- God's picture
- Anvil
- Catherine wheel
- Don't delay heaven
- Enough
- Human kindness
- Oceans of time
Gesamtspielzeit: 43:45 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Grizzly Adams Postings: 7449 Registriert seit 22.08.2019 |
2026-10-08 22:33:32 Uhr
Ich zähle 11 Fly over States (=Bundesländer) |
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Gomes21 Postings: 6438 Registriert seit 20.06.2013 |
2026-10-08 21:42:36 Uhr
Köln as well |
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zeckezichter Postings: 893 Registriert seit 07.11.2021 |
2026-10-08 20:43:23 Uhr
Ja leider, wie bei der letzten Tour auch. Werde in Köln dabei sein. |
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Hierkannmanparken Postings: 3450 Registriert seit 22.10.2021 |
2026-10-08 20:23:51 Uhr
Flyover state Hessen :( |
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Arne L. Postings: 4104 Registriert seit 27.09.2021 |
2026-10-08 20:12:05 Uhr
Ich denke, ich werde mir für Berlin auch Karten holen. Hier noch mal der Vollständigkeit halber:22. März - Berlin, Festsaal Kreuzberg 23. März - Hamburg, Bahnhof Pauli (Klubhaus St. Pauli) 24. März - Leipzig, UTConnewitz 25. März - Köln, Gebäude 9 28. März - Wien, Arena Wien 30. März - München, Backstage Halle |
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Referenzen
Chelsea Wolfe; A.A. Williams; Esben And The Witch; King Woman; Anna Von Hausswolff; Ethel Cain; Midwife; Big Brave; Divide And Dissolve; Brutus; Fvnerals; Les Discrets; Marissa Nadler; Emily Jane White; PJ Harvey; Circuit Des Yeux; Mount Eerie; King Hannah; Marika Hackman; Sharon Van Etten; The Smashing Pumpkins; Cave In; Mazzy Star; Oathbreaker; Mrs. Piss; Mamiffer; Red Sparowes; Marriages; The Nocturnes; Jaye Jayle; Thou; Amenra; Cult Of Luna; Caspian; Mono
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