Roger Taylor - Violence insane in a beautiful world
Sony
VÖ: 18.09.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Lass die Sonne in Dein Herz
Roger Taylor weiß, was er an Queen hat. Auch Jahrzehnte nach Freddie Mercurys Tod finden sich zuverlässig neue Boxsets, Compilations und andere Möglichkeiten, aus dem gewaltigen Backkatalog noch ein paar Pfund herauszuschütteln. Wer den Schlagzeuger deshalb inzwischen vor allem als Teil einer äußerst effizienten Verwertungsmaschine wahrnimmt, sollte gelegentlich seine Soloalben hören. "Violence insane in a beautiful world" liefert dafür 41 Minuten lang gute Argumente. Im eröffnenden "A beautiful world" betrachtet Taylor die Erde gleich aus außerirdischer Perspektive und befindet den Planeten für durchaus gelungen. Unterstützung erhält er vom südafrikanischen Ndlovu Youth Choir, dessen 2025 auf Zulu veröffentlichte Version von "Bohemian rhapsody" ihn so begeisterte, dass er den Chor gleich für drei Stücke engagierte. Das gemeinsame Fazit lautet "A beautiful world", verbunden mit einem ebenso knappen wie eindringlichen Rat an die Erdlinge: "Don't fuck it up."
Wie gründlich das schiefgehen kann, demonstriert gleich "Violence insane". Zu einem düsteren Riff murmelt Taylor von "blood on the ceiling" und "brains on the floor", Schreie und ein beinahe proggiger Klavierteil tun ihr Übriges. "A difficult, difficult day", lautet der hübsch untertriebene Befund. "Chump" verpackt seinen kaum verklausulierten Trump-Diss dagegen in schwebende Keyboards und vereinzelte Klavieranschläge, bei denen Peter Gabriel nicht weit weg scheint. "I like clouds", verkündet Taylor anschließend im herrlich albernen "Don't photograph food", dessen zackiger Rock-Groove von hohen Echo-Stimmen immer wieder angefeuert wird. "Simpsons clouds" sagen ihm besonders zu. Essen mag er ebenfalls, nur bitte keine Bilder davon: "I know what it looks like." Bei den Autos kennt die Begeisterung schließlich kein Halten mehr: "I like cars / I like fast cars / I like real fast cars". Dann kracht es. Seit "I'm in love with my car" weiß man ja, dass Taylor dieses Thema am Herzen liegt.
"I see you now" ist dagegen eine wunderbar altmodische Klavierballade mit Streichern und ordentlich Reibeisen in Taylors Stimme. Das Liebeslied ist der Frau des 77-Jährigen gewidmet, blickt auf gemeinsam durchquerte "tough and bumpy roads" zurück und entwirft einen ausgesprochen sympathischen Plan fürs Älterwerden: "Forever friends / We'll go down laughing." Vor John Lennons "Jealous guy" scheint Taylor dagegen beinahe vor Ehrfurcht zu erstarren. Seine Version folgt dem Original in Tempo und Phrasierung erstaunlich eng. Bei Lennons "Working class hero" hatte er sich auf seinem Album "Electric fire" vor fast 30 Jahren deutlich mehr Freiheiten genommen. "Come on summer (It's party time)" wirft anschließend sämtliche Zurückhaltung über Bord. Nach hymnischem Beginn kippt der Song in einen hektischen Funk-Groove aus Bass und kräftiger Percussion, Trillerpfeifen inklusive. Der Ndlovu Youth Choir übernimmt hier eine deutlich prominentere Rolle und stimmt gemeinsam mit Taylor eine Art Glaubensbekenntnis an: "We love the sun / We love the sunshine / We love the summertime." Miesepetrigere Gemüter dürften so viel offensiv zur Schau gestellte gute Laune durchaus anstrengend finden. Wer aber schon 2013 eine Single namens "Sunny day" veröffentlichte, meint das jedenfalls ernst.
Am schönsten zahlt sich die Zusammenarbeit mit dem Chor in "A great big beautiful world (reprise)" aus. Taylor tritt fast vollständig zurück, während Zulu-Harmoniegesang und rituelle Wiederholungen einen hypnotischen Sog entwickeln. Am Ende steht wieder der Rat vom Anfang. Wer Taylor also immer noch nur für ein Rädchen in der Queen-Verwertungsmaschine hält, unterschätzt seine kreative Lust gewaltig. He doesn't fuck it up.
Highlights
- Don't photograph food
- I see you now
- A great big beautiful world (reprise)
Tracklist
- A beautiful world (feat. The Ndlovu Youth Choir)
- Violence insane
- What really matters
- Don't photograph food
- I see you now
- Chump
- Spit in his eye
- Jealous guy
- Come on summer (It's party time) (feat. The Ndlovu Youth Choir)
- A great big beautiful world (reprise) (feat. The Ndlovu Youth Choir)
Gesamtspielzeit: 41:35 min.
Album/Rezension im Forum kommentieren
Teile uns Deine E-Mail-Adresse mit, damit wir Dich über neue Posts in diesem Thread benachrichtigen können.
(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
|---|---|
|
MickHead Postings: 16289 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-09-18 11:40:08 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_m8Y04q-_EK9A_J7CVtN1TmB6kW8sZ2APg&si=jxUsg807EgUYWi5U Musikexpress 4/6 https://www.musikexpress.de/reviews/roger-taylor-violence-insane-beautiful-world-review/ |
|
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 31238 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-09-17 20:43:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.Meinungen? |
|
MickHead Postings: 16289 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-08-12 20:10:11 Uhr
2. Song "I See You Now"https://youtu.be/KZivRNcsoJw?si=Ug5FCUqrdZG5CSXz |
|
MickHead Postings: 16289 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-06-10 14:02:11 Uhr
Der britische Musiker "Roger Taylor" aus King's Lynn, Norfolk, Member der Rockband "Queen", kündigt für den 18.09. das 7. Studioalbum "Violence Insane In A Beautiful World" an. Es folgt auf "Outsider" von 2021.Der Titel „Violence Insane In A Beautiful World“ spiegelt die Dualität unserer Zeit wider. Roger erklärt: „Es gibt da ein Thema – es steckt eigentlich schon im Titel: Wir leben in einer wunderschönen Welt, also lasst sie uns nicht kaputtmachen. Im Moment scheint es so viel Wahnsinn zu geben. Die Gewalt in der Welt scheint so schlimm zu sein wie eh und je – zumindest in meiner Lebenszeit. Es ist einfach schrecklich, so viel wahnsinnige Gewalt. Und wir scheinen die Welt tatsächlich zu ruinieren: Plastik im Meer, all diese schrecklichen Kriege überall und der Hass, der aus unterschiedlichen Religionen erwächst.“ Letztlich zielt das Album darauf ab, Einheit zu stiften und inmitten der Trümmer Hoffnung zu finden: „Es ist eine wunderschöne Welt, weißt du. Und Freundlichkeit ist sehr wichtig, wie ich finde – sie scheint oft vergessen zu werden. Das ist also im Grunde das zugrundeliegende Thema.“ Auf dem Album sind verschiedene Gäste zu hören, darunter der Ndlovu Youth Choir, zudem enthält es eine Coverversion von John Lennons Klassiker „Jealous Guy“. Quelle: CLASH ROCKS - Magazin https://www.rocks-magazin.de/roger-taylor-ein-bisschen-weltmusik-auf-violence-insane-beautiful-world Erster Song "Come On Summer (It’s Party Time) (Feat. The Ndlovu Youth Choir)" https://youtu.be/qnFaImsG8hU?si=AYPTgq-Ph4xaI1XE Tracklist: 01 A Beautiful World – Feat. The Ndlovu Youth Choir 02 Violence Insane 03 What Really Matters 04 Don’t Photograph Food 05 I See You Now 06 Chump 07 Spit In His Eye 08 Jealous Guy 09 Come On Summer (It’s Party Time) – Feat. The Ndlovu Youth Choir 10 A Great Big Beautiful World (reprise) – Feat. The Ndlovu Youth Choir |
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Referenzen
Queen; The Cross; Brian May; Freddie Mercury; David Bowie; Peter Gabriel; Roger Waters; Talking Heads; Rod Stewart; Tin Machine; John Lennon; Bruce Springsteen; Paul Simon; Bob Dylan; Paul McCartney; The Who; Elton John; Sting; Electric Light Orchestra; Status Quo; Paul Rodgers; Mott The Hoople; Faces; Tom Petty & The Heartbreakers; Dire Straits
Bestellen bei Amazon
Threads im Plattentests.de-Forum
- Roger Taylor - Violence Insane In A Beautiful World (4 Beiträge / Letzter am 18.09.2026 - 11:40 Uhr)



