Musa Dagh - Endurance
Hayk / Cargo
VÖ: 11.09.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Die Band des Theseus
Wenn man alle Mitglieder einer Band austauscht, ist es dann noch dieselbe Band? Noch müssen sich Musa Dagh diese Frage nicht gefallen lassen, denn Gitarrist und Schicksalswebmeister Aren Emirze blieb zwar kurzzeitig als letztes verbliebenes Mitglied an Bord, stockte aber schnell die Besatzung wieder auf und hält nach wie vor Fäden und Identität der Band zusammen. Anstelle von Aydo Abay steht nun Sängerin Safi am Mikrofon, bringt ihren Bass mit und verändert damit die Dreierkombo nicht nur personell, sondern legt mit ihrem Spiel direkt ein neues Sound-Fundament. Auch Sascha Madsen räumte seinen Platz am Schlagwerk, sodass wir nun Abwärts-Drummer Martin Kessler die Führung unserer Heartbeats anvertrauen dürfen. Und das gelingt ihm ganz großartig.
Besonders die erste Hälfte des Albums ist vollgespickt mit ausgereiften Ideen. Da macht es nur Sinn, hier den Großteil der vorab veröffentlichten Singles zu finden. Die zweite Hälfte hört sich zwar ebenso gut, allerdings fräsen sich diese Songs etwas weniger in klassischer Ohrwurm-Manier durch den Cortex. Safi vereint in ihrem Gesang Gewalt und zarte Brüchigkeit. Besonders im Opener, gleichsam Albumhighlight, entfacht das in den verhalteneren Passagen ein warmes Gefühl der Vertrautheit mit ihrer Stimme. Wüsste man nichts über die Besetzung der Band, käme man in "Hollow rooms" doch arg ins Grübeln, ob Beth Gibbons Trip-Hop ihren Rücken zugewandt hat und von nun an lieber eskaliert. "Fragments" lässt eine andere Art von Familiarität an der Peripherie des Fühlens entstehen und schickt einen Hauch von früher 2000er-Nostalgie durch die Ritze des ansonsten recht gegenwärtig klingenden Noise-Rock-Parketts.
There is a crack in everything. That's how the Lärm gets in, sang ja schon Leonard Cohen. So oder zumindest so ähnlich. Eine honorable mention soll außerdem "Human factor" erfahren. Hier wird herrlich irre geschrien, während sich die Drums, wie überhaupt auf dem ganzen Album, als verlässliche Quelle kleiner Überraschungen erweisen. Statt einfach nur gegen die Gitarre anzuspielen gibt Kessler den Songs mit seinen Figuren immer wieder einen eigenen Twist. Die Produktion selbst, die erneut Moses Schneider übernahm, verschmilzt Energie, Rawness und das Fragil-Destruktive der Platte zu einem kohärenten Guss und arbeitet den Stil der Band final heraus.
Von einer Identitätskrise ist somit nichts zu hören. Denn auch wenn so einige(s) ausgetauscht wurde(n), ist Musa Dagh dabei nichts abhanden gekommen. Und wie bei Theseus' Schiffsproblem ist es auch bei dieser Band: Alle bisherigen Formationen sind Musa Dagh. Oder eben keine. Oder nur die Originalbesetzung. Oder eine der Inkarnationen. Gedankenspiel bleibt Gedankenspiel, sicher lässt sich aber sagen, dass es mit "Endurance" nun einmal mehr ein absolut tolles Album unter diesem Namen zu finden gibt.
Highlights
- Hollow rooms
- Beggars banquet
- Fragments
Tracklist
- Hollow rooms
- Beggars banquet
- Lights of the shadows
- Human factor
- Not even a name
- Guillotine
- Fragments
- Goddine
- Denier
- One way or the other
Gesamtspielzeit: 34:28 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Affengitarre User und News-Scout Postings: 12280 Registriert seit 23.07.2014 |
2026-10-09 21:00:24 Uhr
Bin auch am Überlegen, ob ich Osnabrück mitnehme. |
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Dagon Postings: 288 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-10-09 19:29:49 Uhr
In Hamburg haben sie einen neuen Song gespielt, der nicht auf dem Album ist. Aren meinte nach dem Konzert, dass nächstes Jahr eine EP rauskommt, ich meine er hat März gesagt, bin mir aber nicht ganz sicher.Würde jedenfalls zu den Tourdaten passen. |
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noise Postings: 1226 Registriert seit 15.06.2013 |
2026-10-09 18:57:09 Uhr
Das sieht ja mal gut aus mit den Orten. Vielleicht bin ich in Oanabrück mit dabei. |
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fuzzmyass Postings: 23278 Registriert seit 21.08.2019 |
2026-10-09 13:08:06 Uhr
Ach nice, hoffentlich kriegen sie jetzt etwas mehr Publikum zusammen |
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zeckezichter Postings: 893 Registriert seit 07.11.2021 |
2026-10-09 12:27:42 Uhr
In Österreich, Voralberg. Wieder was gelernt! :) |
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Referenzen
Harmful; Blackmail; Safi; Emirsian; Scumbucket; Future Of The Left; Dyse; Queens Of The Stone Age; ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead; Sonic Youth; Ken; Helmet; Fazes; The Smashing Pumpkins; Neurosis; Filter; Disturbed; Cave In; The Flaming Lips; Ulme; Vennart; Therapy?; Taskete; Unsane; Genepool; Idles; Mogwai; Kreator; Abwärts
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