Echo & The Bunnymen - Apples for Isaac
BMG / Universal
VÖ: 18.09.2026
Unsere Bewertung: 4/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Auserzählt
Alle bereit für ein bisschen Harmonielehre? Sorry, muss sein! Dass sich erstaunlich viele Popsongs harmonisch mit Tonika (zum Beispiel C-Dur), Subdominante (F-Dur) und Dominante (G-Dur) begnügen, wird gerne als Ausdruck kompositorischer Bequemlichkeit gewertet. Die drei Hauptfunktionen der klassischen Harmonielehre enthalten aber immerhin bereits ein kleines dramaturgisches Rundum-sorglos-Paket: Die Tonika schafft das Zuhause, die Subdominante führt hinaus, die Dominante erzeugt jene Spannung, die wieder nach Hause drängt. Ruhe, Aufbruch, Erwartung, Heimkehr – mehr Handlung bekommt man mit drei Akkorden kaum untergebracht. Nun sind harmonische und musikalische Komplexität keineswegs dasselbe. Drei Akkorde können banal sein, aber ebenso gut auch die Statik liefern, auf der Rhythmus, Melodie, Klangfarbe und Interpretation ein ziemlich standfestes und vielschichtiges Gebäude errichten. Und genau hier lag bis ungefähr 1990 die enorme Stärke von Echo & The Bunnymen: einfache Songstrukturen, aber eben auch prächtige, teils orchestrale Arrangements ("The killing moon"), eine Mischung aus gefälligen und höchst sperrigen Gitarrensounds (man denke an das legendär-verschrobene Meisterstück "Higher hell") – oder auch atonal-chaotische Einwürfe ("Happy death men"): Für alles das liebte man die Liverpooler.
Doch wie lange kann es eigentlich gutgehen, dieses Rezept immer weiter zu verfolgen? Nun, davon künden die zahlreichen mediokren Alben, die Echo & The Bunnymen in den letzten Jahren veröffentlicht haben. Die Genialität von "Crocodiles", "Heaven up here", "Porcupine" und "Ocean rain" ist peu à peu einer gewissen Beliebigkeit gewichen. Was sich witzigerweise auch in der Covergestaltung widerspiegelt: Waren die ersten Alben diesbezüglich nachgerade Ikonen der Bandfotografie, ist auch das Artwork über die Jahre immer einfallsloser geworden. "Apples for Isaac" führt, wir müssen es leider sagen, diese Trends fort, wenn auch auf stabilem Niveau. Der Opener "Take me by the hand" stapft zum Beispiel noch ganz manierlich daher und wagt im zweiten Teil ein paar Soundexperimente an der Gitarre, ist aber kompositorisch im Grunde nach zwei Minuten auserzählt. Auch die erste Auskopplung "Brussels ist haunted" geht gut nach vorne, mit aktivierenden Handclaps und harmonischen Überraschungen im zweiten Teil. Und "An unstoppable force" zeigt sich als atmosphärische Ballade, die noch am ehesten die alte Magie der frühen Bunnymen heraufbeschwört.
Doch da sind dann eben leider auch einige Nummern, die bestenfalls ein Achselzucken hinterlassen. Ob es nun das schweinerockige "Lab rats ran" mit seinem enervierenden Saxofon-Gequietsche ist, das stumpf daherplätschernde "The honey" oder auch das lärmige "Hijacked", das klingt, als würde jemand an einer klemmenden Besteckschublade rütteln: Mehr als einmal scheint selbst der Mastering-Engineer gelangweilt – und beendet das Dargebotene mit einem gnädigen Fade-Out. Das mag jetzt etwas altklug und überkritisch klingen, aber wenn eine Formation dereinst ein so hohes Niveau mitbrachte und dieses mal um mal unterbietet, dann muss man darüber halt auch offen reden. Gut, beinharte Fans werden dankbar sein, dass die Kollektion aus elf neuen Tracks immerhin das erste wirklich neue Material seit dem 2014 erschienenen "Meteorites" darstellt. Doch am Ende ist "Apples for Isaac" leider doch überwiegend hüftsteif, wenig anmachend und, ja, leider auch vorhersehbar.
Highlights
- Take me by the hand
- Can't be sold
- An unstoppable force
Tracklist
- Take me by the hand
- Can't be sold
- Brussels is haunted
- I'll be your sunshine
- Hijacked
- The honey
- An unstoppable force
- The light that surrounds you
- Lab rats ran
- Asimov
- We prayed in the dark
Gesamtspielzeit: 37:22 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 16246 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-09-26 23:40:41 Uhr
In UK immer noch eine Größe!UK Albums Chart # 19 UK Physical Albums Chart # 4 UK Update Albums Chart # 8 UK Albums Sales Chart # 6 UK Vinyl Albums Chart # 6 UK Albums Downloads Chart # 10 UK Independent Albums Chart # 2 UK Record Store Chart # 2 Scottish Albums Chart # 6 UK Homegrown Albums Chart # 5 |
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Herr Postings: 3218 Registriert seit 17.08.2013 |
2026-09-22 18:49:07 Uhr
Ich höre auch, und zwar gleich mal das nächste Album auf der Liste. Für Bunnymen sind die 15 min Ruhm schon durch das Lesen der Beiträge rund um Zahlen von 4 bis 7 verbraucht worden. |
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joseon Postings: 1908 Registriert seit 04.09.2023 |
2026-09-22 17:30:37 Uhr
Noch nicht zum Hören gekommen, aber "Evergreen" ist die jüngste Bunnymen-LP, die hier im Regal steht und ich vermute, daran wird sich nichts mehr ändern. |
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MickHead Postings: 16246 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-09-22 10:25:11 Uhr
Dank an Jochen Reinecke, bist ein Guter! |
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Jochen Reinecke Postings: 147 Registriert seit 22.12.2023 |
2026-09-22 10:21:32 Uhr
Ich verstehe MickHead. Natürlich ist hier keiner unfehlbar. Und wir alle haben uns auch schon mal bei einer Beurteilung geirrt; sei es, weil die Platte unbekannterweise ein Grower war - oder ein Strohfeuer. Vielleicht sollten die hier aktiv Schreibenden mal einen Selbstkasteiungs-Strang à la "Meine größte Fehleinschätzung" aufmachen, Zwinkersmiley. Ich bleib aber trotzdem bei der "4" (stampft mit den Füßchen auf), auch nach 25 Hördurchgängen. |
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Referenzen
Ian McCulloch; Reamonn; Simple Minds; The Verve; The Killers; The Bravery; The Departure; R.E.M.; Kitchens Of Distinction; The Chameleons; The Convent; The Sound; The Psychedelic Furs; Ride; The Teardrop Explodes; The Comsat Angels; Morrissey; The Smiths; The Go-Betweens; The Church; Interpol; Dial M For Murder!; British Sea Power; The Boxer Rebellion; White Lies; The Coral; Editors; The Cinematics; Pink Turns Blue
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