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Bloc Party - Anatomy of a brief romance

Bloc Party- Anatomy of a brief romance

Contagious / Virgin
VÖ: 11.09.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Gemischte Signale

Viel wurde darüber geschrieben, dass britischer Indie-Rock eine von weißen, heterosexuellen Männern dominierte Szene war (und ist), und Kele Okereke diese Stereotype quasi durch seine bloße Existenz konfrontierte. Als Bloc Party sich zunächst auch ohne offizielles Coming-out ihres ansonsten um keine Äußerung verlegenen Sängers an die Speerspitze ihrer Generation spielten, war das so gesehen seiner Zeit voraus. Heute friemelt der 44-Jährige vorrangig an stilistisch immer vielfältigeren Solo-Alben, während seine Band seit dem ordentlichen "Alpha games" in erster Linie Denkmalpflege betreibt. Für das siebte Album setzt Okereke aber mitsamt Team-Unterstützung dieses Denkmal nun seiner ganz persönlichen Geschichte und trägt dabei auch eingangs beschriebenem Umstand Rechnung: "Anatomy of a brief romance" zeichnet verschiedene Stationen einer erst aufregenden und hochromantischen, dann kniffligen, schlussendlich scheiternden homosexuellen Beziehung respektive Situationship über den Zeitraum eines Jahres nach. Autofiktion? Mitnichten. Irgendwo in London muss also ein Boy herumlaufen, der sich jetzt wie einer von Taylor Swifts Ex-Freunden fühlt.

Ganz neu ist das alles nicht, man denke nur an "I still remember" – Who is still here in 2026? – oder Herzensbrecher neueren Datums wie "Fortress". Mit übergeordnetem Konzept brechen Okereke & Co. dennoch zu neuen Ufern auf – was sich von musikalischer Seite nur bedingt behaupten lässt. Die Single "Coming on strong", die Brodel-Bass, Synthesizer und im Refrain auch Russell Lissacks Gniedelgitarre fachmännisch zusammenbringt, überzeugt. "I have a lover and I have a friend": beste Kombination. Auch "Love bombs" ist weniger platt, als es der trashige Synthie behauptet, mit dem Bloc Party nun wirklich niemanden mehr schocken sollten. Gerade das erste Drittel der chronologisch erzählten Beziehungskiste fasziniert durch seine Euphorie und Okerekes schon immer charmante Direktheit. Für irgendetwas genieren will und braucht er sich nicht, sondern den Partner im gut gelaunten "Pigwig" stattdessen der ganzen Welt präsentieren. Höhepunkt dieses Auftakts ist die Neuaufnahme des bereits auf der "The high life"-EP neben "Keep it rolling" herausragenden "Blue", die jetzt "Lagoon blue" heißt und statt irgendeinem Anime konkret einen Studio-Ghibli-Film zum Date-Abend einlegt. "I choose you with grace / I choose you with sensitivity", dazu prachtvoll galoppierende Drums – erhabener waren Bloc Party seit Jahren nicht.

Beim folgenden Zerfall der Affäre experimentieren die Engländer*innen mit manchen Merkwürdigkeiten, die mal besser, mal weniger gut passen. Wenn sich in "Muscleworks" erste Anzeichen des nahenden Endes zeigen, weil der Boyfriend im Gym von einem Verflossenen beäugt wird, kommt mitsamt ironiefreiem Tonartwechsel ein starker Song dabei heraus. "Worst birthday ever" hingegen ergibt praktisch nur im Albumkontext Sinn, konzentriert sich auf die Fortsetzung der Story und ordnet die titelgebende Romanze auch in ihr größeres Setting ein: "But your dad got his wish / His gay son's no longer in love." Als isoliertes Stück funktioniert das weniger. Das zickige "Not your problem" fährt seltsame Stimmeffekte auf, macht aber ordentlich Spaß, während "Now we can't be friends" ein bisschen lazy wirkt. Den gleichen Refrain hat Okereke schon mehrfach besser geschrieben, und eine Zeile wie "Drip, drip, drip / Goes the bleeding of my heart" wirkt wie ein bewusst gesetzter Wink an all diejenigen, die seiner Musik schon seit Längerem einen gewissen Cringe-Faktor unterstellen.

Der letzte Akt widmet sich dem Kater nach der Trennung. In "Rotherhithe" ist der Herzschmerz selbst für Okereke-Verhältnisse recht schwülstig, in gewisser Weise stößt er mit seinem Vortrag gar in Musical-Dimensionen vor. "Stories" ist relativ egal. Auch wenn sich in "Moving on" mit anderen Jungs abgelenkt wird und "Eulogy" zum Abschied Cyborg-Stimmen und Elektro-Pop loslässt, sind manche Textzeilen mächtiger als die Songs als solche: "Meaning will return to your world / Effortless like the laughter of the boy and the girl." Die ganze Geschichte ist unapologetically queer und in ihrer Dramaturgie überzeugend. Aber dem Feeling der ersten Songs setzen Bloc Party kein ebenbürtiges Gegengewicht; hier scheitert "Anatomy of a brief romance" etwas als Konzeptalbum, während nur manche Einzelsongs so richtig herausstechen. Anstatt es jedoch als weiteren Beweis des Niedergangs einer einstigen Lieblingsband zu werten, kann man es schlicht als Sammlung kleiner Anekdoten betrachten, die vor allem durch Okerekes warme Vocals und seine detaillierte Erzählstimme getragen werden. Und ohnehin als abgeschlossenes Kapitel, wie schon "22.01.22" vorwegnimmt: "So if I won't have you for long / I think it's best we seize the day."

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Coming on strong
  • Lagoon blue
  • Muscleworks
  • Not your problem

Tracklist

  1. 22.01.22
  2. Coming on strong
  3. Love bombs
  4. Pigwig
  5. Lagoon blue
  6. Muscleworks
  7. Clark Kent
  8. Worst birthday ever
  9. Not your problem
  10. Now we can't be friends
  11. Rotherhithe
  12. Stories
  13. Moving on
  14. Eulogy

Gesamtspielzeit: 48:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

didz

Postings: 3266

Registriert seit 29.06.2017

2026-09-18 19:04:48 Uhr
wird auch die erste platte von ihnen sein die ich mir nich auf cd hole, wüsste nich wann das ma bei mir passiert is bei ner band die ich von anfang an begleite

Thom Best

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 42

Registriert seit 09.03.2023

2026-09-18 18:36:43 Uhr
Und ich habe die mal so geliebt (bis einschließlich Album Nr. 3) ...

Aber das ist wirklich unsäglich furchtbar.

3/10 (aus Nostalgiegründen) und damit gut bedient.

Chris1969

Postings: 1

Registriert seit 18.09.2026

2026-09-18 15:43:10 Uhr
Soll ja laut diversen Kritiken nicht so dolle sein, bin mal gespannt……

Gomes21

Postings: 6438

Registriert seit 20.06.2013

2026-09-18 11:42:38 Uhr
Da müssen wohl starke Sympathien drin stecken. :-D

maxlivno

Postings: 3098

Registriert seit 25.05.2017

2026-09-18 10:58:23 Uhr
6/10? okay :D
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