Beck - Ride lonesome
Capitol / Universal
VÖ: 18.09.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Soy un reincidente
Beck Hansen war lange Zeit dafür bekannt, ungern zweimal das gleiche Album zu machen. Hakenschläge auf hohem Niveau sind quasi bis heute sein Markenzeichen. Es muss daher an astrologischen Gegebenheiten liegen, dass er alle zwölf Jahre ein ganz und gar ernsthaftiges, elegisches Album voller akustischer Gitarre, Streicherparts und wundervoller Melodien mit einer weitgehend gleichbleibenden Besetzung einspielt. 2002 verblüffte "Sea change" mit einer bis dahin von Beck ungekannten Emotionalität in der Verarbeitung einer Trennung, während "Morning phase" 2014 die etwas optimistischere Seite der Medaille darstellte. "Ride lonesome" lässt schon in den ersten Sekunden gar keinen Zweifel, wohin die Reise geht: Der Titeltrack zieht mit seinem Strumming eine direkte Linie zu den anderen Openern "The golden age" und "Morning". Willkommen zu Hause.
Geschwindigkeit und Lärm haben in diesem Dutzend Songs ebenso Sendepause wie innovative Soundideen. Von den poppigen Vorgängern "Colors" und "Hyperspace" ist "Ride lonesome" demnach maximal weit entfernt. Wieder bewegt sich Beck stattdessen wie auf dem ansprechenden Covermotiv im Spannungsfeld zwischen heimelig und unheimlich, in das ein dramatisch anschwellendes "Bleed" ebenso hineinpasst wie das stur strummende "It ends right here", das erst in seiner letzten Minute mit aufbrausenden Synths überrascht und überwältigt. Dazu passen die oft auf die Tränendrüse drückenden Lyrics. "All my nights in vain / All my days in vain", klagt Beck im sphärischen "Failed words", das starke "Run away" weiß derweil: "I was looking for answers / But I already knew / I watch you run away." So direkt ins Mark wie auf "Sea change" treffen die Texte zwar nicht, aber sie erfüllen den Zweck der Unterstreichung.
Die nicht allzu geheimen Stars der Platte sind erneut die Streicher, wann immer sie auftauchen. "In the night" erhält eine mystische Note, während "Beyond the light" als Closer angemessen elegisch aus der Sache entlässt. Dass davor "Falling through my hands" mit lieblichem Gebimmel und "If you don't know what love is" im gediegenen Walzertakt zusammen bei den ersten Durchgängen eine kleine Länge bilden: geschenkt. Das löst sich bald in Wohlgefallen auf. Der starke Albumauftakt wiegt das sowieso auf, ebenso wie die Gesamtatmosphäre, die erneut zum Niederknien ist. Ein kurzes Stück wie "Disappearing act" wird so zum wichtigen Link im Album und gewinnt im Kontext massiv an Klasse.
"Don't need an answer / I've heard it all before" – klar, wer schon bei "Morning phase" raus war, kann auch "Ride lonesome" tendenziell links liegen lassen. Ein gemütlicher Song wie "Slow canyon" könnte auch eins zu eins von dort stammen, auch "For your love" erinnert ohne jegliche Percussion und mit dem Mantra "Time waits for no one" an Stücke wie "Wave". Wer akribisch mitschreibt, erkennt womöglich in jedem Track Ideen, die Beck so oder so ähnlich bereits verwendet hat. Es ist schon beinahe schamlos. Und doch werden genug dieser tollen Melodien ihren Weg ins Herz finden. Da wo sie eben hingehören.
Highlights
- Run away
- In the night
- Bleed
- It ends right here
Tracklist
- Ride lonesome
- Run away
- In the night
- Failed words
- Bleed
- Disappearing act
- For your love
- Slow canyon
- It ends right here
- Falling through my hands
- If you don't know what love is
- Beyond the light
Gesamtspielzeit: 47:32 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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The MACHINA of God User und Moderator Postings: 38084 Registriert seit 07.06.2013 |
2026-10-01 14:16:36 Uhr
Wobei ich auch sagen muss, das selbstproduzierte "Morning Phase" klang nicht viel weniger edel. |
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myx Postings: 6688 Registriert seit 16.10.2016 |
2026-10-01 13:46:46 Uhr
Godrich hat das Album wirklich veredelt, danke @qwertz für die Erwähnung. |
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The MACHINA of God User und Moderator Postings: 38084 Registriert seit 07.06.2013 |
2026-10-01 13:24:00 Uhr
Ah, ist es wieder Nigel Godrich? Schön. |
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qwertz Postings: 1265 Registriert seit 15.05.2013 |
2026-10-01 12:51:42 Uhr
Bei "Falling through my hands" schmelze ich gerade dahin. Was für ein wunderschönes Wiegenlied samt Glockenspiel, Klarinette und ganz am Ende die Mundharmonika. Und weil der Name hier im Thread und in der Rezi noch nicht fiel: Nigel Godrich! Die Produktion ist göttlich, vor allem die Streicher. |
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myx Postings: 6688 Registriert seit 16.10.2016 |
2026-09-22 23:14:29 Uhr
Ja, die Rezi ist stimmig geschrieben, besonders die im dritten Abschnitt erwähnten Eindrücke zum Albumauftakt und zur Gesamtatmosphäre kann ich exakt so teilen. |
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Referenzen
Nick Drake; Sparklehorse; Wilco; Jeff Tweedy; Tweedy; Bright Eyes; Loose Fur; Golden Smog; Califone; My Morning Jacket; Big Star; Nilsson; The Beatles; John Lennon; Paul McCartney; Steve Miller Band; Steely Dan; Electric Light Orchestra; Shearwater; Okkervil River; The Minus 5; R.E.M.; Calexico; The Court And Spark; M. Ward; Scott Walker; Tim Buckley; Giant Sand; Grateful Dead; Neil Young; Willie Nelson; Solomon Burke; Neil Diamond; Neil Halstead; Leonard Cohen; Lambchop; Elliott Smith; Jason Lytle; Grandaddy; The Flaming Lips; The Most Serene Republic; Broken Social Scene; Apostle Of Hustle; The Besnard Lakes; Yo La Tengo; Clem Snide; Ron Sexsmith; Monta; Elbow
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